Knappertsbuschstraße: Russisch-orthodoxe Kirche genehmigt

17.09.2014

„Die Baugenehmigung wurde mit Bescheid vom 11. August 2014 erteilt.“, erklärte kurz und bündig Pressesprecher Thorsten Vogel vom städtischen Planungsreferat. Was sich so anhört, als handele es sich um den positiven Entscheid für ein Einfamilienhaus, ist vielmehr die Freigabe für eines der umstrittensten Projekte im 13. Stadtbezirk in den vergangenen Jahrzehnten: Die Realisierung einer russisch-orthodoxen Kirche mit Gemeindezentrum und Kindertagesstätte auf dem brach liegenden Areal an der Knappertsbuschstraße 26, direkt gegenüber der gleichnamigen Grundschule im Stadtteil Englschalking.

Den Einspruch des Bezirksausschusses (BA) gegen das Vorhaben hat die Behörde rundweg abgelehnt, für das geforderte Wettbewerbsverfahren sah die Kommission für Stadtgestaltung „keine Notwendigkeit“. An den Ecken des Gebäudeoberteils werden vier kleinere Kuppeln entstehen, in der Mitte ragt eine große Kuppel gen Himmel. Zu Letzterem erläuterte Vogel auf Nachfrage: „Die Höhe beträgt, ohne Kreuz, 28,93 Meter“.

Wann mit dem Bau begonnen wird, wie hoch die Kosten für den Komplex sind und wie viel für den Kauf des Grundstücks bezahlt werden musste – zu all diesen Fragen verwies Nikolai Zabelitch, russisch-orthodoxer Priester für München und Dachau sowie im Vorstand der als Bauherrin fungierenden Tihon-Stiftung vertreten, an das Architekturbüro Bernd Fröhlich aus Ulm. „Wir können dazu momentan keine genauen Angaben machen“, verlautete von dort. Mitte 2010, zur Einreichung des ersten Bauantrags, hatte Zabelitch mit „etwa zehn Millionen Euro“ kalkuliert. Preissteigerungen hochgerechnet, dürfte der Aufwand nunmehr bei etwa 15 Millionen Euro liegen. Zum Kaufpreis fürs Grundstück wollte der Priester damals keine Angabe machen. Eine einstellige Millionensumme kann indes vorausgesetzt werden.

Mit der Baugenehmigung setzte sich die Stadt über das einhellige BA-Bedenken hinweg, dass „der historisch monumentale Baukörper ein störender Fremdkörper in der Umgebung mit Wohnbauten aus den siebziger Jahren wäre“. Auch der Hinweis vor genau zwei Jahren, dass lediglich 22 Parkplätze vorgesehen sind, wurde jetzt von der Behörde per Schreiben an das Kommunalparlament entkräftet: „Die Anzahl der Stellplätze auf dem Grundstück ist auf 44 erhöht worden. Damit wurden die Vorgaben aus dem vorgelegten Verkehrsgutachten vom 21. Januar 2014 erfüllt. Mit einer unzumutbaren Belastung der Anwohner durch Parkplatzsuchverkehr ist damit nicht zu rechnen“.

Zum gewünschten Wettbewerbsverfahren für den Kirchenbau heißt es aus dem Referat: „Das Vorhaben war Gegenstands eines Vorbescheids. Insofern bestehen hier schon rechtlich keine Spielräume mehr, da dieser Bindewirkung bzgl. des Bauantrags entfaltet“. Und weiter wird angeführt: „Einer Kirchengemeinschaft muss im Rahmen der Ausgestaltung von Religionsausübung und damit, bezogen auch auf ihre Gotteshäuser, ein gewisser individueller Ausdruck zugestanden werden“.

Die Vorgeschichte für das Projekt reicht bis Sommer 2010 zurück. Entsprechend den damaligen Unterlagen sollte die Kuppelspitze über 36 Meter in die Höhe ragen – zehn Meter mehr als die neungeschossigen Wohntürme in der Nachbarschaft. Deswegen hatten die Lokalpolitiker die Voranfrage kategorisch abgelehnt. Überdies war argumentiert worden, dass „für eine Kirche mit stadtweitem bis regionalem Einzugsgebiet der Standort mit seiner für diesen Bedarf ungenügenden Erschließung durch öffentliche Verkehrsmittel ungeeignet ist“.

Zum Bau selbst wurde vom BA seinerzeit angeführt: „Der Baukörper widerspricht eklatant den Vorgaben des Bebauungsplans bezüglich Baumasse und Freiflächen“. Auch dem Planungsreferat war der Komplex zu hoch und zu wuchtig. Und die Stadtgestaltungskommission hatte die „opulente Optik“ kritisiert. Dazu muss man wissen: Im Bebauungsplan aus dem Jahr 1966 war die Art der Nutzung mit „katholische Kirche“ festgesetzt. Die katholische Kirche hatte später das Grundstück an die russisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft verkauft. Folglich musste die Stadt die geänderten Vorgaben bewerten.

Im Januar 2011 hatte das Planungsreferat dann „eine Befreiung der festgesetzten Nutzung von katholische zu russisch-orthodoxe Kirche unter bestimmten Bedingungen in Aussicht gestellt“. Im September 2012 wurde ein zweiter Entwurf eingereicht: Der Eingangsbereich des Komplexes wurde auf Geländeniveau abgesenkt, die Kirche wurde so 6,5 Meter niedriger. Die Kuppel misst nun ohne Kreuz eben knapp 29 Meter. Das Gemeindezentrum hat laut Vogel eine Fläche von 555 Quadratmeter. Es ist mit Erd- plus Obergeschoss und darüberliegenden, nicht ausgebauten Dachgeschoss geplant. In dem Gebäude sollen eine Kindergarten- sowie eine Kindergruppe für 37 Mädchen und Buben untergebracht werden. Unter diesen Aspekten wurde die Befreiung der festgesetzten Nutzung und in Folge die Baugenehmigung erteilt.

Die russisch-orthodoxe Kirche mit Gemeindezentrum und Kindertagesstätte, die auf dem Areal an der Knappertsbuschstraße 26 direkt gegenüber der gleichnamigen Grundschule gebaut wird. Visualisierung: Architekturbüro Bernd Fröhlich

Die russisch-orthodoxe Kirche mit Gemeindezentrum und Kindertagesstätte, die auf dem Areal an der Knappertsbuschstraße 26 direkt gegenüber der gleichnamigen Grundschule gebaut wird.
Visualisierung: Architekturbüro Bernd Fröhlich

Alexander MihatschKnappertsbuschstraße: Russisch-orthodoxe Kirche genehmigt