Ismaninger Straße 126: Lebensgefährlich

16.01.2015

Unglaublich, aber doch passiert: Zum zweiten Mal innerhalb von 21 Monaten hat eine Sturmböe am Gebäude Ismaninger Straße 126 ein Baugerüst eingerissen, das zum Schutz vor abbröckelndem Putz angebracht ist. Glücklicher Zufall, ja ein kleines Wunder: Niemand wurde verletzt. Ein Anlieger beantragte jetzt im Bezirksausschusses (BA) „Maßnahmen gegen die Gefahrenquelle“. Einhellig forderten die Lokalpolitiker „die Stadt als Sicherheitsbehörde auf, endlich tätig zu werden“.

Der Anwohner schreibt in einer Mail, die er auch an das Kreisverwaltungsreferat (KVR) und die Polizeiinspektion 22 Bogenhausen geschickt hat: „Ich mache mir insbesondere Sorgen um meinen vierjährigen Neffen, der in der Nähe einen Kindergarten besucht“. Denn am Freitag, 9. Januar, waren mittags – unmittelbar vor dem Gerüsteinsturz – Kinder auf dem mit Platten überdachten Geh- und Radweg an dem Haus vorbeigegangen. Der starke Windstoß hatte die Stahlstangen aus den Verankerungen gerissen, Tonnen von Metall waren quer über die Fahrbahn und die Tramgleise bis zur gegenüberliegenden Einfahrt der Törringstraße gekracht.

„Das Gerüst steht schon seit Jahren vor dem Haus und bildet eine Gefahrenquelle. Der Eigentümer ist offenbar nicht in der Lage seiner Verantwortung für sein Eigentum nachzukommen und ein zu­verlässiges Gerüst aufzubauen“, analysiert der Nachbar. Danach folgt Klartext: „Ich bitte Sie, aktiv zu werden und diesen Zustand umgehend abzustellen, zum Beispiel durch entsprechende Zwangs­maßnahmen gegen den Eigentümer oder eine Enteignung. Ich bin gerne bereit, Anzeige zu erstat­ten, wenn das helfen sollte. Bitte nennen Sie mir dazu Namen und Anschrift des Eigentümers.“

Seit Herbst 2013 war die Front des Hauses der Ismaninger Straße 126 mit Planen verhüllt, war bis zur Unterkante des ersten Stockwerks ein Gerüst mit schützendem Dach über Geh- und Radweg installiert, weil der Putz abbröckelt und von den Eigentümern nicht saniert wird.

Seit Herbst 2013 war die Front des Hauses der Ismaninger Straße 126 mit Planen verhüllt, war bis zur Unterkante des ersten Stockwerks ein Gerüst mit schützendem Dach über Geh- und Radweg installiert, weil der Putz abbröckelt und von den Eigentümern nicht saniert wird.

Das CSU-Duo Xaver Finkenzeller/Robert Brannekämper präsentierte zur Thematik dem Kommunal­parlament bei der Januar-Tagung in ihren Funktionen als Fraktionssprecher bzw. als Vorsitzender des Planungsausschusses einen Antrag. Darin wird die Landeshauptstadt aufgefordert, „als Sicher­heitsbehörde nach mehrfachen BA-Nachfragen endlich tätig zu werden, damit der Eigentümer/Bau­herr des Gebäudes endlich seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommt“. In der Begründung wird angeführt: Leider hat der erste Gerüsteinsturz im März 2013 die Stadt nicht veranlasst, tätig zu werden. Und: „An der Fachkunde der Gerüstbaufirma muss gezweifelt werden.“

Im Plenum empörte sich Finkenzeller: „Das ärgert mich maßlos. Wir oft haben wir uns damit beschäftigt. Wie oft haben wir die Stadt auf das Problem Ismaninger Straße 126 hingewiesen – die Stadt muss jetzt eingreifen. Es kann doch nicht so schwer sein, ein läppisches Gerüst sicher zu verankern.“

Das Problem Ismaninger Straße 126 besteht schon lange – „der Eigentümer hat schon wieder gewechselt, jetzt gehört das Anwesen wohl einer österreichischen Firma“, so Brannekämper im Plenum. Seit knapp drei Jahren stehen in dem Gebäudekomplex samt rückwärtigem Trakt neun von elf Wohneinheiten leer. Nach mehrfachem Verkauf und angekündigten Modernisierungsmaß­nahmen, verbunden mit teils doppelt so hohen Kaltmieten, waren bis auf drei alle Bewohner nach und nach ausgezogen. Eine gewachsene Gemeinschaft war gesprengt worden.

Die preisgekrönte Fassade des denkmalgeschützten in ihrem aktuellen Zustand.

Die preisgekrönte Fassade in ihrem aktuellen Zustand.

Das Gebäude war einmal ein Juwel in Altbogenhausen.

Die Fassade war Anfang der siebziger Jahre mit einem Preis der Landeshauptstadt ausgezeichnet worden.
Seit Herbst 2013 war die Hausfront mit Planen verhüllt, war bis zur Unterkante des ersten Stockwerks ein Gerüst mit schützendem Dach über Geh- und Radweg installiert, weil der Putz abbröckelt.

Hinter den weißen Hüllen war das 1901 gebaute Anwesen im Jugendstil mit seinen Erkern verborgen, mitsamt einer türkisgrünen Fassade und mit weißem Stuck umrandeten Fenstern.

Hinter vielen Fenstern hängen schon lange keine Vorhänge mehr, vereinzelt sind Risse im Glas mit Klebeband geflickt, einige Fenster ohne Scheiben sind mit Holzplatten verkleidet worden. Kurzum: Der Gebäudetrakt ist marode. Und zwar äußer- und innerlich.

„Das ist eine bodenlose Sauerei“ hatte vor Monaten im Stadtteilgremium Vize-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter Brannekämper gewettert.

„Werden die beiden Gebäude vorsätzlich geschädigt und Mieter vertrieben?“, hatte die CSU-Fraktion in einem Dringlichkeitsantrag gefragt sowie Erklärungen und Maßnahmen von „allen zuständigen Referaten der Stadt“ – von der Lokalbaukommission (LBK), über die Untere Denkmalschutzbehörde, das Sozialreferat bis zum Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) – gefordert.

Wird der neue Eigentümer sanieren?

Wird der neue Eigentümer sanieren?

Denn Fotos bei einer Ortsbegehung mit Vertretern der Polizei und des RGU dokumentierten seiner­zeit die Situation im Erdgeschoss des Rückgebäudes: Verstopfte Gullys, großflächig verschimmelte Wände, Bauschutt, Kanthölzer. Brannekämper weiter: „Sieben Monate stand im Erdgeschoss des Rückgebäudes Abwasser, das trotz Aufforderung durch die Mieterin vom Eigentümer nicht beseitigt wurde. Das Wasser stand mal bis zu 40 Zentimeter hoch“.

Verbessert wurde bis dato offenkundig nichts. Stürzen bald Teile des Hauses in sich ein? Nach dem Sturmtief Elon hatte es jedenfalls im Gebälk hörbar bis auf den Gehweg verdächtig laut geknirscht.

Ein starker Windstoß hatte am 9. Januar die Gerüststangen aus den Verankerungen gerissen, Tonnen von Metall waren quer über die Fahrbahn und die Tramgleise bis zur gegenüberliegender Einfahrt der Törringstraße gekracht.     Foto: Thomas Gaulke

Ein starker Windstoß hatte am 9. Januar die Gerüststangen aus den Verankerungen gerissen, Tonnen von Metall waren quer über die Fahrbahn und die Tramgleise bis zur gegenüberliegender Einfahrt der Törringstraße gekracht. Foto: Thomas Gaulke

Alexander MihatschIsmaninger Straße 126: Lebensgefährlich