Baugebiet Nordosten: Träumen erlaubt

16.02.2015

U-Bahn-Anbindung von Riem nach Englschalking zum Arabellapark – ein Konzertsaal – Energiever­sorgung via Geothermie – Stimmt es, dass eine Nachbargemeinde eine Therme à la Erding plant? Unter dem Motto „Alle Gedanken sind frei“ gab’s beim ersten Stammtisch zur „Städtebaulichen Ent­wicklungsmaßnahme (SEM) im Münchner Nordosten“ vielfältige Fragen, Wünsche und Statements.

„Wenn die Bogenhauser den Termin rechtzeitig erfahren, dann kommen sie auch. Sie interessieren sich nämlich, was in ihrer Umgebung geplant wird.“ Das konstatierte ein Lokalpolitiker angesichts der mehr als 150 Besucher des Treffens. Sinn und Zweck des Stammtisches ist die Beteiligung von Betroffenen, der regelmäßige Dialog zwischen Bürgern und Planern. Im vergangenen Sommer hatte es dazu bereits eine Rundfahrt durch das knapp 600 Hektar große Areal mit anschließender Podiumsdiskussion sowie eine Ideenwerkstatt gegeben.

Organisiert haben diese einzigartige, frühzeitige und langfristig angesetzte Beteiligungsform die Volkshochschule (VHS), der Bezirksausschuss (BA), das Ökologische Bildungszentrum (ÖBZ) und der Verein NordOstKultur – zusammengefasst als Nordost-Forum – in Verbindung mit dem städtischen Planungsreferat.

Die Forumsvertreter nutzten die Gelegenheit, die Einrichtung Stammtisch zu etablieren. Sie legten mit den Anwesenden den nächsten Termin fest: Mittwoch, 8. April, Gaststätte Pyrsos, Englschal­kinger Straße 206. Künftig soll es alle zwei Monate Informationen zu einem Schwerpunkthema mit Experten geben, beispielsweise zum Verkehr.

Der SEM-Hintergrund: Im Nordosten von Bogenhausen prüft die Stadt, in welcher Form und in welchem Umfang eine städtebauliche Entwicklung möglich ist. Das Gebiet wird eingerahmt von der Trasse der S8 (zwischen Daglfing und Johanneskirchen), von den Grenzen zu den Gemeinden Unterföhring und Aschheim sowie dem Lebermoosweg (ehemalige Gütergleis-Trasse) und der Riemer Straße. Frühestens ab 2030 sollen dort Wohnraum für mindestens 10 000, maximal 25 000 Menschen und rund 2000 Arbeitsplätze entstehen.

Derzeit erarbeiten vier Planungsbüros, die sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt haben, bis Anfang 2017 Gutachten und Ent­wicklungsziele. Die verkehrliche, soziale, kulturelle und sportliche Infrastruktur sowie ökologische und klimatische Belange werden dabei in ein integriertes Strukturkonzept zusammen geführt.

Stammtisch zur städtebaulichen Entwicklung im Nordosten von Bogenhausen: Von links Moderator Winfried Eckardt (VHS-Leiter Stadt Ost), Ulrike Wagner (Leiterin VHS im Ökologischen Bildungszentrum/ÖBZ), Bezirksausschussvorsitzende Angelika Pilz-Strasser, Michael Hardi vom Planungsreferat und Jutta Rabrock-Brehm, Münchner Umweltzentrum Im ÖBZ.

Stammtisch zur städtebaulichen Entwicklung im Nordosten von Bogenhausen: Von links Moderator Winfried Eckardt (VHS-Leiter Stadt Ost), Ulrike Wagner (Leiterin VHS im Ökologischen Bildungszentrum/ÖBZ), Bezirksausschussvorsitzende Angelika Pilz-Strasser, Michael Hardi vom Planungsreferat und Jutta Rabrock-Brehm, Münchner Umweltzentrum Im ÖBZ.

Winfried Eckardt, VHS-Leiter Ost, moderierte locker die Runde, BA-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser und Michael Hardi vom Planungsreferat gaben Erläuterungen. Pilz-Strasser stellte eingangs klar: „Jetzt gilt’s die Pflöcke einzuschlagen!“
Hardis detaillierte Ausführungen hörten sich teils erstaunlich an:„Wir stehen ganz am Anfang. Der Zug ist gerade losgefahren. Die Einwohnerprognosen für München sind eine heftige Herausforderung für die Stadt. München ist heute schon im Verhältnis Mensch zu Fläche die dichteste Großstadt Deutschlands. Wir müssen künftig an manchen Stellen wegen des Siedlungsdrucks wohl mehr Dichte ertragen, sonst schafft die Stadt den Spagat nicht.
Es ist nicht alles in einem Rutsch planbar, wir brauchen einen sehr langen Planungshorizont. Wir müssen die Defizite im Freizeitbereich abchecken. Wir benötigen sicherlich Gebiete, wo wir die tiefer gelegte S-Bahn brauchen. Wir haben fest vor, dort ne U-Bahn hin zu bekommen. Bis Ende 2016 gibt’s zum Projekt einen Beschluss des Stadtrats. Vorher dürfen wir nichts rausgeben. Ich kann nicht alle zwei Monate neue Informationen geben.“

Hardi zu Fragen von Sebastian Riesch bezüglich Bewohnerzahl, Dichte und U-Bahn: „Wir wissen es schlicht und ergreifend nicht. Die Tieferlegung der S-Bahn wird zu Grunde gelegt. Bei der U-Bahn müssen die Gutachter klären, ob sich’s rechnet. Wir hoffen auf den Mitnahmeeffekt der Mes­se.“ Ein Bürger zum Stichwort S-Bahn: „Die muss vor dem ersten Spatenstich tiefer gelegt sein!“

Kurt Scholz forderte den viergleisigen Ausbau, zwei für die S-Bahn, zwei für die Güterzüge, „und zwar unter der Erde.“ Die U-Bahn sollte eine Anbindung zum Bahnhof Englschalking erhalten, „das entlastet den Marienplatz.“ Hardi zu den Verhandlungen mit der Bahn: „Das ist ziemlich schwierig, wir versuchen die Blockaden zu durchbrechen.“
Manfred Seynisch sorgt sich um „die Bewahrung von idyllischen grünen Flecken“ und bittet darum, „dass Hochhäuser so verträglich wie irgend möglich konzipiert werden.“ Pilz-Strasser möchte ein grünes Gesamtkonzept, sie monierte die geplante Großgärtnerei im Moosgrund, die laut Hardi „einen Rechtsanspruch hat.“

Eine Frau erkundigte sich nach dem Verhältnis Miet- zu Eigentumswohnungen und Gerüchten zu einer geplanten Therme à la Erding in der Umgebung. Dazu Hardi: „So weit sind wir noch lange nicht“ und „Davon habe ich noch nichts gehört.“
Geäußerte Angaben und Probleme bezüglich des Grundwasserstands und zur Energieversorgung via Geothermie – „der Claim von Unterföhring reicht bis nach München“ – erstaunten Hardi offensichtlich, er notierte sich die Details.

Manfred Seynisch sorgt sich um „die Bewahrung von idyllischen grünen Flecken“, erläutert seine Vorstellungen.

Manfred Seynisch sorgt sich um „die Bewahrung von idyllischen grünen Flecken“, erläutert seine Vorstellungen.

Alexander MihatschBaugebiet Nordosten: Träumen erlaubt