Friedrich-Eckart-Straße: Ein Fall für den OB

10.07.2015

Zamdorf, Friedrich-Eckart- auf Höhe Nettelbeckstraße, Weg von und zur Fritz-Lutz-Grundschule: Seit Jahren sorgen sich Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder, fordern einen ampelgesteuerten Übergang mit Druckknopfbetätigung. Denn die Warnblink­anlage am Zebrastreifen wird von Autofahrern vielfach ignoriert. Doch das Kreisverwaltungsreferat (KVR) lehnt’s ab. Die Eltern fühlen sich verprellt.

Es drängt sich mehr und mehr die Annahme auf, dass die Beamtinnen und Beamten – haben die eigentlich keine Kinder? – in der KVR-Hauptabteilung IV, Straßenverkehr, trotz Checks vor Ort sich hinter „Bedarfsvoraussetzungen“ verschanzen, stur nach Vorschrift handeln (müssen?).

Angesichts der permanent gefährlichen Momente gilt es unverzüglich zu handeln. Die Sicherheit der Kinder geht vor. Die Verantwortlichen müssen über ihren Schatten springen, eine Ausnahmeregelung bewilligen. Ein (Entscheidungs-)Fall für Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Dezember 2011

Vor fast vier Jahren hatte Elternbeirätin Dagmar Göbel ein präventives Vorgehen der Stadt für mehr Sicherheit angeregt, sich schriftlich an Oberbürgermeister Christian Ude gewandt, der die Angele­genheit an den Bezirksausschuss (BA) weitergeleitet hatte.

In der Begründung hatte es geheißen: „Viele Auto-, Bus- und vor allem Lkw-Fahrer ignorieren die Fußgänger völlig, insbesondere unsere Kinder, und rasen in atemberaubendem Tempo über den Zebrastreifen. Kinder stehen oft völlig hilflos am Übergang, weil die Fahrer nicht auf die mit den Kindern eingeübten Handzeichen reagieren“. Einen Verweis auf Schulweghelfer hatte Göbel abge­blockt: „Das ist keine Lösung, da so nur ein kurzer Tageszeitraum abgedeckt wird“.

Übergang an der Friedrich-Eckart-Straße aus Sicht eines Schulkinds: Wegen solcher Momente haben Eltern Angst um ihre Mädchen und Buben auf dem Weg von und zur Friedrich-Lutz-Grundschule.

Übergang an der Friedrich-Eckart-Straße aus Sicht eines Schulkinds: Wegen solcher Momente haben Eltern Angst um ihre Mädchen und Buben auf dem Weg von und zur Friedrich-Lutz-Grundschule.

Die Initiative war verbunden mit einem schier unglaublichen, wohl München weit einmaligen Angebot an die Stadt: „Gerne sind wir auch bereit, einen Teil der entstehenden Kosten im Rahmen unserer Möglichkeiten abzudecken, wenn eine schnelle Lösung in Aussicht gestellt werden kann.“

Doch die Politiker hatten das Ansinnen abgelehnt: „Die Lösung ist ausreichend, eine Ampelanlage ist nicht erforderlich.“ Dazu muss man wissen: Auf ein einstiges Verlangen wurde ein Zebrastreifen markiert, später – nach Forderung für eine Bedarfsampel – eine Warnblinkanlage installiert.

Februar 2012

Auch bei der Beratung des „Lichtzeichenanlagen-Bauprogramms 2012“ vom KVR im Februar vor drei Jahren hatte das Stadtteilgremium an dieser und fünf weiteren Stellen in Bogenhausen „keinen Bedarf“ für einen ampelgesteuerten Überweg gesehen. Grundsätzlich war angeführt worden: „So wenig Ampeln wie möglich, aber so viele wie notwendig.“

April 2015

Zur Tagung des Kommunalparlaments im April hatte eine Frau – sie wohnt in der Rohlfsstraße in Zamdorf, ihr Sohn besucht seit September die Fritz-Lutz-Grundschule – wegen des gefährlichen Übergangs erneut eine Ampelanlage beantragt.

Die Mutter hatte dabei angeführt: „Die Straße verläuft leicht gebogen, so dass man den Zebra­streifen mit seinen Warnleuchten von Norden kommend erst relativ spät bemerkt. Ich selbst habe mehrmals getestet und sogar per Handzeichen versucht, den Verkehr am Überweg zu stoppen. Oft wurde nicht einmal abgebremst, sondern mit gleich bleibender Geschwindigkeit weitergefahren.“

Grundsätzlich erläuterte die Anwohnerin: „Die Bewohnerstruktur hat sich in den Jahren entschei­dend geändert. Wohnten hier früher hauptsächlich ältere Menschen, sind inzwischen etliche Familien mit kleinen Kindern hergezogen. In der Rohlfsstraße leben mittlerweile 18 Kinder zwischen drei und 13 Jahren, in der oberen Nettelbeckstraße mehr als zehn Kinder unter zehn Jahren.“

Den Antrag leitete der BA weiter an die Stadt zur Prüfung mit Zählung des Verkehrsaufkommens. Zum Ansinnen wurde von einem Vertreter der Polizeiinspektion Bogenhausen empfohlen, im Bedarfsfall Anzeige zu erstatten unter Angabe der Situation, des Datums und des Kennzeichens. Ferner wurde „eine verstärkte Polizeikontrolle, auch durch Videoüberwachung“ zugesagt.

Mai 2015

Antwort des Polizeipräsidiums München auf Anfrage des KVR: „Die Friedrich-Eckart-Straße stellt zu den Hauptverkehrszeiten eine stark frequentierte Aus- und Einfallstraße dar. Das Fußgängerauf­kommen ist gering, erhöht sich lediglich zu den Schulbeginn und -endzeiten. Der Straßenverlauf kann als übersichtlich bezeichnet werden. Für den Streckenabschnitt existieren keine auswertbaren Aufzeichnungen über Geschwindigkeitsmessungen, da die Straße nicht im Messprogramm gelistet ist.“ Daher könne über Tempoverhalten keine eindeutige Aussage getroffen werden. Und Verkehrsunfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit wurden „bislang polizeilich nicht registriert.“

Übergang an der Friedrich-Eckart- auf Höhe Nettelbeckstraße: Warten, dass es ein Auto hält und man sicher die Fahrbahn queren kann.

Übergang an der Friedrich-Eckart- auf Höhe Nettelbeckstraße: Warten, dass es ein Auto hält und man sicher die Fahrbahn queren kann.

Bei einer Besprechung des BA-Untergremiums Verkehr mit der Polizei hatten vor der verfassten Antwort die Antragsstellerin und vier weitere Mütter ihre Sicht der Dinge dargelegt. Ein Angebot des Verkehrssachbearbeiters mit möglichst vielen Schulkindern das Überqueren allein und in Gruppen zu üben, wurde angenommen und durchgeführt.

Die erwähnte Videokontrolle war von der Polizei am 8. und am 13. April durchgeführt worden. Dabei wurde „ein erhöhtes Fahrzeugaufkommen zu den relevanten Zeiten festgestellt.

Fußgänger, insbesondere Kinder, konnten gefahrlos den Überweg nutzen. Verstöße gegen die Straßenverkehr­sordnung wurden nicht festgestellt.“ Das Fazit der Polizei: „Die Errichtung einer Lichtsignalanlage wird derzeit für nicht zwingend erachtet.“

Juni 2015

Aus der Stellungnahme des KVR: „Das sichere Überqueren wird durch einen Zebrastreifen mit Mittelinsel ermöglicht. Ein Gelbblinker weist die Autofahrer auf die besondere Situation hin. Bei einer Ortsbesichtigung wurden zwischen 7.10 und 8.10 Uhr 53 Querungen gezählt. 16 Erwachsene und 13 Radfahrer; elf Elternteile begleiteten ihre Kinder, davon ein Elternteil nur bis hinter den Zebrastreifen. Sieben Kinder und sechs Kinder mit Fahrrad querten den Zebrastreifen. Insoweit erscheint uns ein Zebrastreifen wie vorhanden als ausreichend.“ Und: „Ggf. könnte natürlich über den Einsatz einer/s Schulweghelferin nachgedacht werden. Es liegt aber kein Antrag der Schule oder des Elternbeirats vor.“

Juli 2015

„Unser Bogenhausen“ testete mehrfach das Verhalten der Verkehrsteilnehmer vor Ort. Sieht man eine Lücke im fließenden Verkehr und betritt den Zebrastreifen, bremsen die Autofahrer – je nach Tempo – mehr oder minder stark ab. Steht man jedoch am Übergang und wartet, reagieren drei von zehn Autofahrern nicht, fahren einfach weiter. Ein unbesonnener kurzer Schritt eines Kinds, Sekundenbruchteile einer falschen Einschätzung …

Die Antragstellerin, die namentlich nicht genannt werden will, erklärte auf Anfrage: „Wir, meine Nachbarn und ich, verstehen die Entscheidung nicht. Das ist ja nicht nur ein Weg zur Schule, die Kinder wollen ja auch zum Zamilasee. Viele Eltern fahren inzwischen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, wollen sie nicht den Gefahren am Übergang aussetzen.“

Alexander MihatschFriedrich-Eckart-Straße: Ein Fall für den OB