Prinz-Eugen-Park: „Ende eines Märchens“

Angelika Pilz-Strasser, Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA), war an einem Punkt ihrer lokal­politischen Bilanz bei der Bürgerversammlung in der Helen-Keller-Realschule „not amused“, sie war sichtlich verbittert und enttäuscht. Der Grund: Der Beschluss des Stadtrats, die ökologische Muster­siedlung im Prinz-Eugen-Park an der Cosimastraße ans Fernwärmenetz anzuschließen.

Ursprünglich sollten die Häuser im „Plus-Energie-Standard“ errichtet werden, die Gebäude also mehr Energie erwirtschaften als sie verbrauchen. Nach einem ernsten Blick auf Versammlungsleiter Hans Podiuk, seines Zeichens Vorsitzender des CSU-Fraktion im Rathaus, legte die Grünen-Politikerin los:

„Ich muss Ihnen leider vom Ende eines Märchens erzählen. Das Märchen hieß ökologische Muster­siedlungen im Prinz-Eugen-Park und wurde uns fünf Jahre lang und in mindestens acht Informa­tionsveranstaltungen und Beteiligungsverfahren erzählt. Niedergeschrieben steht es im Billigungs­beschluss. In dem Märchen ging es darum, dass ein Teil der Bauten als ökologische Mustersied­lung hergestellt werden sollte, mit erneuerbaren Energien und einem Plus-Energie-Standard. Seit der Stadtratssitzung gestern gibt es nur noch die Holzbausweise, die Mustersiedlung wird an die Fernwärme angeschlossen und der Energiestandard verringert.“

Pilz-Strassers abschließender Kommentar: „Schade, manchmal gewinnt doch die böse Stiefmutter“. Der Giftpfeil zielte in Richtung Stadtwerke München. Laut der BA-Chefin ist „mit den ersten Bau­maßnahmen ab Anfang 2016, wahrscheinlich aber ein wenig später, zu rechnen. Die ersten Woh­nungen sollen nach dem aktuellen Zeitplan etwa 2018 bezugsfertig sein.“

Volles Haus: Mehr als 350 Bürger waren zur Einwohnerversammlung in die Turnhalle der Helen-Keller-Realschule gekommen, einige verfolgten Berichte und Anträge stehend.

Volles Haus: Mehr als 350 Bürger waren zur Einwohnerversammlung in die Turnhalle der Helen-Keller-Realschule gekommen, einige verfolgten Berichte und Anträge stehend.

Zuvor hatte sich die Vorsitzende des Stadtteilgremiums der Thematik Flüchtlinge gewidmet: „Wir haben mit größter Hochachtung und Freude wahrgenommen, mit wie viel Wärme und Engagement sich die Bürgerinnen und Bürger unseres Stadtviertels um die ankommenden Menschen kümmern.

Von wegen reiches und egozentrisches Bogenhausen. Es gibt hier Hilfsbereitschaft durch alle Bevölkerungsschichten in einem Maß, das wirklich schwer beeindruckend ist. Meinen tiefen Respekt und herzlichen Dank dafür.“ Die mehr als 350 Besucher der Einwohnerversammlung zollten für diese Ausführungen anhaltenden Beifall.

Pilz-Strasser stellte die fünf Standorte in Bogenhausen für Schutzsuchende vor – Max-Proebstl-, Kronstadter-, Klausenburger- und Richard-Strauss-Straße sowie Schimmelweg – und berichtete von einer Informationsveranstaltung mit dem Sozialreferat „mit der wichtigen Aussage: Friede in den Unterkünften bedeutet Friede im Viertel.“ Dazu müssen „genügend Räume für Sozialbetreuung, Deutsch-Kurse, Kinderbetreuung sowie Freiräume vorhanden sein. Wir werden nicht nachlassen, die einzufordern.“ Und: „Was momentan fehlt, ist ein Helferkreis für die Kronstadter- und die Klau­senburger Straße.“

Zum Zukunftsvorhaben „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) Münchner Nordosten“, dem „großen, spannenden Wohnprojekt unseres Stadtviertels“ auf rund 600 Hektar großen Areal östlich der S-Bahnlinie 8, erklärte Pilz-Strasser, dass „die Grundlagen der drei Varianten wohl Anfang 2016 dem Stadtrat und dem Bezirksausschuss vorgestellt werden. Dann entscheidet der Stadtrat, ob er mit diesen Varianten ins weitere Verfahren gehen möchte, nicht aber welche der drei Varianten er möchte. Ab Mitte kommenden Jahres bis 2017 folgt dann die Phase II, die öffentliche Diskussion dieser Varianten.“ Als Plattform für Ideen gibt es alle drei Monate einen Stammtisch. Der nächste findet am Mittwoch, 11. November, 19 Uhr, in der Gaststätte Pyrsos, Englschalkinger Straße, statt. Dabei wird Roland Krack, Vorsitzender des NordOstKulturvereins, „über die Vorstellungen zum Denkmal- und Ensembleschutz“ berichten.

Weitere markante Punkte im 13. Stadtbezirk erläuterte Pilz-Strasser in Stichworten:

  • Vogelweideplatz: Auf dem 23 000 Quadratmeter großen Areal im Dreieck zwischen Riedenburger- und Truderinger Straße wird derzeit bis auf ein Bürohaus alles abgerissen, um Platz für den Bau mehrerer Wolkenkratzer zu schaffen. Der Hotelkomplex soll 2017 fertig gestellt sein.
  • Villa Kolbergerstraße 5: Die 92 Jahre alte Villa mit dem Walmdach im Herzogpark darf abgerissen werden. Sie ist zu 90 Prozent kein Baudenkmal, so hat das Verwaltungsgericht entschieden – „hier geht leider ein weiteres Märchen zu Ende, der BA hatte sich massiv für den Erhalt eingesetzt.“
  • Cosimaplatz: Der BA macht sich gerade Gedanken, wie der Platz, reserviert für eine Trambahn­wendeschleife, besser für die Bürger verfügbar gemacht werden kann. Dort findet vom 23. Novem­ber bis 23. Dezember der „Weihnachtszauberwald“ statt – „größer und zauberhafter als zuvor“.
  • Klinikum Bogenhausen: Im kommenden Herbst soll mit dem vierstöckigen Neubau an der Engl­schalkinger Straße begonnen werden, die Fertigstellung ist fürs Frühjahr 2019 anberaumt. Im Ge­bäude mit Eingangsbereich werden Notfallaufnahme, OP-Station und Intensivpflege untergebracht. Die Zugänge von der U-Bahn und dem Taxistand werden überdacht.
  • Parkraummanagement Altbogenhausen/Parkstadt: Im Stadtrat soll im ersten Quartal 2016 die Frage geklärt werden, ob die Überlegungen für die Parkraumbewirtschaftung – sie gibt es in 32 Teilen Münchens – weiter verfolgt wird. Am Montag, 16. November, 19 Uhr, Turnhalle Gebele­schule, gibt’s eine Informationsveranstaltung mit Vertretern des Planungs- und des Kreisverwal­tungsreferats.
  • Tram Steinhausen: „Endlich geht’s weiter, alle Genehmigungsverfahren sind gelaufen. Wir hätten uns ja durchaus eine Verbindung zur Innenstadt gewünscht, aber vielleicht wird das ja auch irgendwann mal.“
  • KulturBürgerHaus: „Der Trägerverein ist gegründet und kümmert sich bisher vorrangig auf politischer Ebene um die Entwicklung der Planung. Wir hoffen, dass bald die Entscheidung fallen wird. Noch heuer wird eine Homepage >13er-KulturBürgerHaus< eingerichtet.“
Alexander MihatschPrinz-Eugen-Park: „Ende eines Märchens“