Klinikum: Tastendruck statt Martinshorn

Wegen der Tram St. Emmeram müssten bei der Ein- und Ausfahrt zum Klinikum Rettungsfahrzeuge immer öfter das Martinshorn einschalten. Darüber hatten sich die Verwaltungsbeiräte der Woh­nungseigentümergemeinschaften (WEG) Elektrastraße 11, 13 und 15 im November in einem Brief an den Bezirksausschuss beschwert. Die Lokalpolitiker baten daher das Kreisverwaltungsreferat (KVR) um „eine signaltechnische Verbesserung.“ Indes: Eine Signaltechnik gibt es. Doch „die Möglichkeit der Anforderung wird leider nur äußerst selten genutzt“, so das KVR in seiner Antwort.

Dazu muss man wissen: Die Gebäude – drei Hochhäuser mit rund 600 Bewohnern – liegen südlich der Englschalkinger Straße gegenüber der Einfahrt zum Krankenhaus Bogenhausen, 100 bis 150 Meter Luftlinie entfernt.

Die Anwohner hatten beklagt: „Es tritt eine wachsende akustische Störung ein, deren Anstieg besorgniserregend ist. Neben den Rettungseinsätzen wird die Klinik auch ganztätig von Kranken­transporten angesteuert. Hierdurch stellen wir den zunehmenden Einsatz von Blaulicht und Mar­tinshorn fest. Dies auch sogar zu Nachtzeiten. Während die Rettungsfahrzeuge früher mit geringen Einschränkungen die Krankenhauszufahrt erreichen oder verlassen konnten, ist dies seit der Errichtung der Straßenbahnlinie 16/17 aufgrund der zusätzlich angeordneten Ampelregelung erheblich erschwert.“

All dies sei mit einer drastischen Zunahme der Martinshornbetätigung verbunden.

Ausfahrt aus dem Klinikum Bogenhausen auf die Englschalkinger Straße: Per Druck auf eine Taste an der Garage kann der Fahrer des Notarztwagens eine Grünphase der Ampeln auslösen.

Ausfahrt aus dem Klinikum Bogenhausen auf die Englschalkinger Straße: Per Druck auf eine Taste an der Garage kann der Fahrer des Notarztwagens eine Grünphase der Ampeln auslösen.

„Je nach Tages­zeit und Witterung hören wir den Martinshornlärm bis zu zwei Mal pro Viertelstunde, teilweise auch öfters. Hinzu kommt, dass die Sirene auch bei der Notarztausfahrt selbst zu Nachtzeiten betätigt wird, bevor die Krankenhausausfahrt überhaupt erreicht wird“, heißt es in dem Brief.

Das KVR erklärte zur Sachlage: „Die Lichtsignalanlage (LSA) wurde so ausgestattet, dass dem am Klinikum stationierten Notartwagen ohne Zuschaltung des Martinshorns die Einfahrt in die Engl­schalkinger Straße möglich ist. Sie bewahrt dadurch die Anwohner vor einer zusätzlichen Lärmbe­lästigung, sofern diese Funktion von den Notärzten auch genutzt wird.“ Wurde sie aber offensicht­lich nicht, so die KVR-Auswertungen.

Zum technischen Hintergrund: „An der Garagenausfahrt des Notarztwagens sind zwei Taster ange­bracht, um eine Sonderphase zu schalten. Zusätzlich hat die Anmeldung Einfluss auf die Nachbar­anlage Elektra-/Englschalkinger Straße, wenn der Notarzt nach rechts abbiegt und als nächstes die LSA Elektra-/Englschalkinger Straße passieren möchte.“

Um das Problem in den Griff zu bekommen, wurde der Antragstext samt Antwortschreiben von der Behörde an die Klinikverwaltung und die Rettungsleitstelle geschickt. „Wir hoffen, dass sich dadurch die Zahl der Einsätze mit Martinshorn etwas verringern lässt.“ Das ist wohl der Fall. In den vergan­genen Wochen ist, so Aussagen von einigen Anliegern, der „Sirenenlärm weniger geworden.

Das KVR betont allerdings abschließend: Die Beurteilung der Gefahrenlage vor Ort und der Dring­lichkeit der Einsätze bleibt immer im Ermessen und der Verantwortung des jeweiligen Rettungs­dienstes.“

Alexander MihatschKlinikum: Tastendruck statt Martinshorn