WHG-Neubau: Lokalpolitiker stimmen zu

Ja, aber. So lässt sich das Votum des Bezirksausschusses (BA) zur Verlagerung des Wilhelm-Hau­senstein-Gymnasiums (WHG) von der Elektrastraße in einen Neubau am Salzsenderweg zusam­menfassen. Nach einer Sanierung könnte das 45 Jahre alte Gebäude im Arabellapark laut Experten etwa in zehn Jahren – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats – als zweites staatliches Gymna­sium in Bogenhausen genutzt werden. Noch vor der Sommerpause will das Referat für Bildung und Sport (RBS) einen Neubau-Beschlussentwurf im Rathaus vorlegen.

Das Placet des Kommunalparlaments erfolgte unter Vorbehalten (siehe Stellungnahme am Ende des Berichts). Es fiel mit drei gegen 29 Stimmen allerdings klar aus. Holger Machatschek (Grüne), Nicola Holtmann (ÖDP) und Andreas Nagel (David gegen Goliath) hatten gegen den Plan votiert.

Der Hintergrund der geplanten Maßnahme: Seit 2007 soll das marode WHG-Bestandsgebäude modernisiert und erweitert werden. Aber trotz dreier unterschiedlicher Sanierungsvorschläge ist nichts realisiert worden. Das jahrelange Hickhack um das richtige Konzept und den Umfang der Maßnahmen war zu einer Art unendlichen Geschichte ausgeartet.

Realisiert wurde 2010 ein zweigeschossiger Pavillonbau mit vier Klassenzimmern – Kosten rund eine Million Euro – auf dem Schulhof. 2012 erfolgte dann mit einem Aufwand von rund 4,5 Millionen Euro die Generalinstandsetzung der Dreifach-Turnhalle. Und ein Jahr später wurde für 15 Millionen Euro ein Erweiterungsbau mit sieben Klassenräumen und einem Fachlehrsaal errichtet. Kurzum: Die Stadt hat dafür mehr als 20 Millionen Euro investiert.

Zu all dem muss man wissen: Das WHG ist seit Jahren hoffnungslos überfüllt. Konzipiert für 900 Jugendliche, wird es derzeit von rund 1300 Schülern besucht. Deshalb hatte WHG-Direktor Hansjakob im September 2015 erstmals Schüler abweisen müssen. Ansonsten hätte eine achte Eingangsklasse gebildet werden müssen.

So könnte der Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (die Gebäudelage ist ein Vorschlag) im Klimapark am Salzsenderweg angelegt werden.    Visualisierung: Büro Krug Grossmann mit Burkhard/Englmayer

So könnte der Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (die Gebäudelage ist ein Vorschlag) im Klimapark am Salzsenderweg angelegt werden. Visualisierung: Büro Krug Grossmann mit Burkhard/Englmayer

Für ein sechszügiges Gymnasium kalkuliert Salome Benz, Direktorin im Baureferat, mit etwa 2,5 Jahren Planung und 2,5 Jahren Bau­zeit. Hinzu kommt ein Jahr für einen eventuellen Wettbewerb. Summa summarum also sechs Jah­re. Der mögliche Bezug wäre dann im Herbst 2022. Ohne Kenntnis des „Vorbereitungsjahrs“ meinte Hansjakob: „Fünf Jahre sind noch drin, so lange halten wir’s am WHG wohl noch durch.

Das Vorhaben am Salzsenderweg im Fideliopark tangiert das Projekt des dort beschlossen, etwa 14 Hektar großen Klimaparks, der in diesem Jahr angelegt werden sollte, dessen Ausführung nun aber ausgesetzt worden ist.

Für das neue WHG müssen an der Frischluftschneise rund zwei Hektar „abgezwackt“ und der Hindernisparcours des Radsportvereins Tretlager aufgelöst werden. All das regte die Äußerungen der Lokalpolitiker bei ihrer jüngsten Tagung an.

Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser (Grüne) bewertete die Ausgangslage: „Das ist eine schwierige Situation, die uns in eine blöde Wertungsposition bringt. Ich werde in den sauren Apfel beißen, für den Standort stimmen. Ich weiß aber nicht, wie meine Fraktion abstimmt.“

Robert Brannekämper, stellvertretender BA-Vorsitzender und CSU-Landtagsabgeordneter, erklärte kopfschüttelnd: „Was die Stadt da abzieht, das ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Das ist das reinste Planungsgemurkse. Wir machen das noch mal mit, aber nur wegen der Schüler und Lehrer. Die sind schlichtweg zu bedauern. Jeder Tag ohne Maßnahmen ist für die Schüler ein verlorener Tag.“

Ein Vorschlag, über den die städtischen Verwaltungen möglichst schnell nachdenken und ihn prüfen sollten, präsentierte Nicola Holtmann. Das Areal gegenüber der Knappertbuschschule, auf dem eine russisch-orthodoxe Kirche – die Gemeinschaft hatte es vor Jahren von der katholischen Kirche abgekauft – geplant ist, sollte die Stadt in die PGymnasioumsplanungen mit einbeziehen, es zurückkaufen oder gegen ein anderes Grundstück tauschen.

Die redaktionell zusammengefasste Stellungnahme:
Folgende Punkte sollen bei der Planung am Salzsenderweg unbedingt beachtet werden:

  • Es wird – soweit wie möglich – zugesagt, dass das bestehende WHG-Gebäude saniert wird und als zweites Gymnasium mit zusätzlichen Schulplätzen zur Verfügung steht.
  • Bei Überlastung des neuen WHG werden die Container am alten Standort dazu verwendet, als Dependance des neuen WHG weitere Klassen aufzumachen.
  • Baulich muss das Gymnasium auf die Umgebung des Parks sensibel reagieren.
  • Die Qualität des bisherigen Grünraums wird sich wesentlich verändern. Architektonische Stan­dardlösungen (Modulbauweise) sind hier ungeeignet, das Gebäude soll alle Möglichkeiten aufgrei­fen, sich optisch und ökologisch bestmöglich einzufügen.
  • Die Anbindung an den ÖPNV ist zu optimieren.
  • Dem Verein Tretlager e.V. soll ein passendes Ersatzgrundstück im Stadtgebiet – vorzugsweise im Nordosten – angeboten werden, sowie Unterstützung zur Neuerrichtung der Rampen.
  • Der Neubau soll schnell entstehen. Trotzdem muss ausreichend Zeit für Qualität sein.
  • Der BA fordert die Stadt auf, einen Wettbewerb auszuloben und mit den dafür erforderlichen Vor­bereitungen umgehend zu beginnen, damit sich die Planungen nicht verzögern. Als Minimallösung sollte ein Architektenworkshop durchgeführt werden, auf dessen Grundlage sich ein VOF-Verfahren (red. Anmerkung: Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) anschließt. Ein VOF-Verfahren alleine wird der Situation nicht gerecht.
  • Soweit ein Bebauungsplanverfahren durchgeführt wird, sollte dies als ordentliches Verfahren, nicht als vereinfachtes Verfahren, stattfinden. Es sind detaillierte und verbind­liche Planungszeit- und Bauablaufpläne vorzulegen, die die Realisierung und den konkreten Bezugszeitpunkt enthalten.
  • Die Planung des Klimaparks ist mit viel Bürgerbeteiligung entstanden. Der Gartenbau und der BA haben dafür etliche Veranstaltungen durchgeführt. Die Bevölkerung muss sehr zeitnah darüber informiert werden, warum der Klimapark in diesem Jahr nicht entsteht, welche neuen Planungen im Raum stehen, wie der verkleinerte Klimapark aussieht und wann der entstehen wird.“
Alexander MihatschWHG-Neubau: Lokalpolitiker stimmen zu