WHG-Standort: „Pro-Klimapark“ protestiert

26. August 2016

„Das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG) muss zwingend neu gebaut werden. Wir sind für ein Gymnasium – aber nicht für diesen Standort im Klimapark am Salzsenderweg, der im Septem­ber 2014 beschlossenen worden ist.“ Das betonte Tania Albrecht, Sprecherin der neuen Bürger­initiative „Pro-Klimapark“ im Bezirksausschuss. Indes hat der Stadtrat Ende Juni die Entscheidung für den Schulneubau – nach städtischen Angaben werden dafür rund 20 000 Quadratmeter benötigt – auf dem etwa 120 000 Quadratmeter großen Gelände gefällt. Verwirrend sind dabei die Größen­angaben des Grünzugs seit 2014: Sie reichen nämlich von zehn bis 14 Hektar.

Die Lokalpolitiker bestehen auf ihrer Zustimmung zu dem Projekt verbunden mit der Zusage der Stadt, dass der marode, mehr als 40 Jahre alte Schultrakt an der Elektrastraße im Arabellapark saniert wird und Bogenhausen so ein zweites Gymnasium bekommt. Per Beschluss wurde das Baureferat aufgefordert, „eine Isometrie der geplanten Fläche“, eine Abbildung der Dimension von Gymnasium zu Klimapark, kurzum der Baumasse, dem Kommunalparlament vorzulegen und „die geplanten Eingriffe in die Umgebung darzustellen“. Zudem möchte man erfahren, wie die verkehr­liche Erschließung ausschaut. „Das will ich sehen“, so klipp und klar Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabgeordneter.

Eine Frau, Anwohnerin der Knappertbuschstraße, die fast vier Jahrzehnte als Lehrerin am WHG unterrichtet hatte, schlug im Plenum vor, „das Vorhaben weiter nach vorn zu verlegen, auf das freie Areal an der Ecke Freischütz-/Fideliostraße, und nicht in die grüne Wiese reinzuklatschen.“ Diese Idee, ein gänzlich neuer Aspekt, wurde auf Anregung von Brannekämper in die Entscheidung des Stadtteilgremiums integriert. Der Abgeordnete zu den Aussichten für eine mögliche Verlegung: „Das wird ein hartes Stück Überzeugungsarbeit.“

„Pro-Klimapark“ – binnen zwei Wochen haben sich nach deren Angaben mehr als 1200 Personen der Initiative online oder per Unterschrift angeschlossen – plant nunmehr, direkt beim Stadtrat wegen eines anderen Standorts für das Gymnasium zu intervenieren.

In einer professionellen Power-Point-Päsentation hatten Albrecht und ihre Mitstreiterinnen im Un­tergremium Planung wie auch im Bezirksausschuss selbst zuerst die Argumente für die Frischluft­schneise am Salzsenderweg dargelegt, Visualisierungen zum Projekt gezeigt („mit einer sensiblen Einfügung hat das nichts mehr zu tun“) und anschließend mehrere Standorte sowie Ausweichmög­lichkeiten auch in Kombinationen in Containern fürs WHG präsentiert.

Kämpfen um die Frischluftschneise am Salzsenderweg, sind gegen den Standort fürs neue Willhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG): Tania Albrecht (re.), Sprecherin der Bürgerinitiative „Pro-Klimapark“, Initiatorin Sandra Skor (Mitte) und Andreja Ruppert, Grafikerin der Online-Seite.   Foto: hgb

Kämpfen um die Frischluftschneise am Salzsenderweg, sind gegen den Standort fürs neue Willhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG): Tania Albrecht (re.), Sprecherin der Bürgerinitiative „Pro-Klimapark“, Initiatorin Sandra Skor (Mitte) und Andreja Ruppert, Grafikerin der Online-Seite. Foto: hgb

Die Standortvorschläge kommen aber allesamt nicht in Frage, waren überwiegend von den Stadt­teilpolitikern bereits erörtert und aus nachvollziehbaren Gründen verworfen worden, wie beispiels­weise im künftigen Wohnquartier Prinz-Eugen-Park an der Cosimastraße, direkt an der Brodersen- sowie an der Brodersen-/Daglfinger Straße, an der Stegmühl-/Savits-/Rambaldistraße, an der Glücksburger- sowie an der Küstnerstraße oder auf der Grünfläche an der Weltenburger Straße gegenüber dem Sportgelände der TS Jahn.

Auch die teilweise Auslagerung des WHG in die Knappertsbuschschule verbunden mit Containerlösungen und Pavillons dort sowie auf der Wiese beim Cosimabad waren angeführt worden.

Auch das für kirchliche Zwecken ausgewiesene Grundstück gegenüber der Knappertsbuschschule – dieses hatte die katholische Kirche vor langer Zeit teuer an die russisch-orthodoxe Kirche ver­kauft, die seit sechs Jahren dort die Errichtung eines Zentrums plant, aber trotz Baugenehmigung bis dato nicht umgesetzt hat – wurde genannt mit „eventueller Pachtung“.

Gegen die im Internet unter www.pro-klimapark.de gezeigten Darstellungen und Aussagen zum Vorhaben am Salzsenderweg sah sich das Referat für Bildung und Sport (RBS) als zuständige Behörde für den Gymnasiumsneubau zu einer Stellungnahme via Rathaus-Umschau veranlasst:

„Park mit WHG in aktueller Größe“ – so lautet der Titel der Bürgerinitiative zu diesem Luftbild. Dabei wurden Haupttrakt, Anbau und Dreifachsporthalle des bestehenden Wilhelm-Hausenstein-Gymnasi¬ums an der Elektrastraße willkürlich in die Grünanlage am Salzsenderweg versetzt. Dadurch und wegen der Freiflächen links und vor dem kleineren Gebäude wird die Karte verzerrt, wirkt der Schulkomplex weitaus größer als er in der Realität ist.      Karte: „Pro-Klimapark“

„Park mit WHG in aktueller Größe“ – so lautet der Titel der Bürgerinitiative zu diesem Luftbild. Dabei wurden Haupttrakt, Anbau und Dreifachsporthalle des bestehenden Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums an der Elektrastraße in die Grünanlage am Salzsenderweg versetzt. Dadurch und wegen der Freiflächen links und vor dem kleineren Gebäude wird die Karte verzerrt, wirkt der Schulkomplex weitaus größer als er in der Realität ist. Karte: „Pro-Klimapark“

„Die veröffentlichten Visualisierungen sind nicht richtig und vermitteln einen völlig falschen Eindruck. Die Ausgestaltung des Neubaus wird erst erarbeitet. Auch Simulationen liegen noch nicht vor. Der erste Schritt ist eine Machbarkeitsstudie, durch die geklärt werden soll, welche Bauvarianten auf dem Grundstück überhaupt möglich sind.

Auf keinen Fall wird das Schulgebäude, wie in den veröf­fentlichten Bildern gezeigt, durch eine hohe Mauer umgeben werden. Vielmehr wird zur optimalen Integration des Gebäudes in den Klimapark ein offenes Konzept erarbeitet, das auf eine Einfriedung des Schulgeländes weitgehend verzichtet.“

Weiter heißt es: „Durch die Situierung der Baukörper im Osten des Parks wird eine Riegelwirkung für die Kaltluftschneise vermieden. Die angedachte Dreifachsporthalle wird zudem abgesenkt. Der Stadt ist es ein wichtiges Anliegen, die Anregungen der Anwohner im weiteren Planungsprozess in einem Dialog angemessen zu berücksichtigen.“

Der grundsätzliche Gedanke, bei der russisch-orthodoxen Kirche anzufragen, ob sie ihre Pläne an der Knappertsbuschstraße überhaupt noch umsetzen will oder ob sie sich einen Verkauf des Grundstückes vorstellen könnte, ist den Verantwort­lichen bei der Stadt allerdings noch nicht gekommen. In diesem Szenario würde Platz gewonnen, müsste der Neubau nicht wie von Albrecht befürchtet „in die Höhe gehen“, würde sich das inzwischen vergiftete Klima quasi mehr oder minder in Luft auflösen.

Werbung um Unterstützung für die Realsierung des Klimaparks ohne Gymnasium im Fideliopark. Mehr als 1200 Personen haben sich bereits angeschlossen.    Foto: hgb

Werbung um Unterstützung für die Realsierung des Klimaparks ohne Gymnasium im Fideliopark. Mehr als 1200 Personen haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Foto: hgb

Diskussionen und Ärger sind Ergebnis eines Missmanagements im Bildungs­referat, nach Brannekämper das „Drama der ganzen Geschichte.“ Seit fast zehn Jahren wird nämlich an der WHG-Situation – ursprünglich für 900 Schüler geplant, derzeit von knapp 1300 Schülern besucht – herumgedoktert. Sogar Umzugskisten waren schon mal gefüllt gewesen, ehe nach Anweisung wieder alles ausgepackt werden musste. Jetzt die „schnelle“ Lösung: Neubau am Salzsen­derweg am Rand des Fidelioparks. Läuft dieses Mal alles nach Plan, könnte spätestens zum Schuljahresbeginn 2022/23 der Umzug erfolgen. Mit anderen Worten: noch sechs bis sieben Jahre Enge und Improvisation für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte, noch Jahre des Verdrusses, auch für viele Eltern.

Den „Schwarzen Peter“ hatten und haben bis zur Eröffnung die Lokalpolitiker. „Ich komme mir wie ein Prügelknabe vor“, bekannte Brannekämper angesichts des langjährigen zähen Ringens. Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser im Plenum: „Der Standort ist wegen des Klimaparks alles andere als optimal. Wir hatten die Entscheidung der Stadt mit Bauchschmerzen akzeptiert, wir hatten die Wahl zwischen zwei Kröten“. Und sollte das zusätzliche Gymnasium, also im alten und dann sanierten WHG-Trakt an der Elektrastraße, nicht realisiert werden, „legen wir uns quer vors Rathaus.“

CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller bilanzierte: „Die Problemlösung war nicht einfach. Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Stadt hat es in der Vergangenheit verschlafen, geeignete Standorte zu suchen. Und das Schlimme daran ist – die Stadt lernt nichts daraus. Der entschiedene Standort ist der einzig mögliche unter den angebotenen Varianten.“

„Niemand hat mit großer Begeisterung oder mit Hurra zugestimmt, ein Stück Klimapark zu opfern. Spaß machte es uns allen nicht, das zu beschließen. Doch mit dem WHG muss es irgendwann mal endlich eine Lösung geben“. So fasste abschließend Brannekämper kurz und bündig die derzeitige Sachlage zusammen.

Alexander MihatschWHG-Standort: „Pro-Klimapark“ protestiert