Parklizenzzone: Die nächste Runde

02. Dezember 2016

Altes Thema in Altbogenhausen – Klappe, die nächste: „Im Rahmen des Parkraummanagements wird die Parklizenzzone für das Gebiet rund um Kopernikus-, Zaubzer-, Kepler-, Mühlbaur- und Holbeinstraße unverzüglich eingeführt und mittelfristig auf die Parkstadt Bogenhausen ausgedehnt.“ Diesen Antrag haben jetzt die Stadträte Michael Mattar, Gabriele Neff, Wolfgang Heubisch, Thomas Ranft und Wolfgang Zeilnhofer im Rathaus eingereicht. Dabei wurden allerdings Fakten nicht beachtet.

Das Quintett bezieht sich auf unseren Bericht vom 18. September 2015. Es übersieht aber, dass bei einer Einwohnerversammlung, Bericht vom 18. November 2015, die Bürger Parklizenzzonen mit großer Mehrheit abgeschmettert hatten. Der Bezirksausschuss hatte dann – Bericht vom 8. Dezem­ber 2015 – Parklizenzzonen ohne Einbezug der Parkstadt abgelehnt. Man hatte eine Verdrängung des Parksuchverkehrs in das Wohnviertel befürchtet. Daran hat sich bis dato nichts geändert. Und: Die Bogenhauser Lokalpolitiker hatten seinerzeit von der Stadt eine „aktuelle Zählung“ gefordert, die bis heute aber noch nicht vorliegt.

In der jetzigen Initiative heißt es: „Dem Stadtrat wird der Sachstand zur Errichtung der unterirdi­schen Anwohnertiefgarage (mögliche Standorte) vorgelegt (Antrag im Bezirksausschuss vom 21. Februar 2015). Begründung: Aufgrund des vorhandenen Parkdrucks ist es dringend erforderlich in Altbogenhausen für das (Anm. d. Red.: genannte) Gebiet unverzüglich eine Parklizenzzone einzu­richten und langfristig auf die Parkstadt Bogenhausen auszudehnen. Die Gebiete Holbein- und Mühlbaurstraße erfüllen bereits die Voraussetzungen für eine Parklizenzzone (vgl. http://www.unser-bogenhausen.de/2015/09/parklizenzzone-experten-sind-uneins).

Ziel ist laut Vorstoß „die optimierte Nutzung des verfügbaren Stellplatzangebots. Erreicht werden sollen die Verbesserung der Parksituation für die Bewohner, die Verbesserung der Erreichbarkeit des Gebiets für den Besucherverkehr, der Erhalt der Wirtschaftskraft des Gebiets, die Reduzierung von Langzeitparkern und der Dauerparker sowie eine Verringerung des Quell- und Ziel- und des Besucherverkehrs. Bereits im Februar 2015 hat der Bezirksausschuss die Errichtung einer Anwoh­nertiefgarage gefordert. Wie die Beispiele Donnersberger Brücke, Höchl-/Möhlstraße, Gallilei-Platz, Hompestraße zeigen, bietet eine Anwohnertiefgarage eine erfolgreiche Lösung, um den Parkdruck zu vermindern.“

Die Stuntz- an der Ecke zur Richard-Strauss-Straße – die Einfahrt in die Parkstadt Bogenhausen, wo die Fahrbahnen in der Mehrzahl sehr schmal sind.      Foto: hgb

Die Stuntz- an der Ecke zur Richard-Strauss-Straße – die Einfahrt in die Parkstadt Bogenhausen, wo die Fahrbahnen in der Mehrzahl sehr schmal sind. Foto: hgb

Zum Komplex Anwohnertiefgarage – zum CSU-Antrag im Stadtteilgremium unter Nennung von drei möglichen Standorten steht bis heute die Antwort der Stadt aus – hatte im vergangenen November Melanie Grötsch vom Planungsreferat öffentlich erklärt: „Dafür müssen schärfe Umstände herr­schen. Es bringt nichts zu investieren und dann werden die Plätze nicht gemietet.“

Zum seit Jahren umstrittenen Thema hatte das Bogenhauser Kommunalparlament vor Jahresfrist eine klare Fünf-Punkte-Empfehlung formuliert:

  • Der Bezirksausschuss lehnt das Parkraummanagement ohne Einbezug der Parkstadt ab.
  • Eine Parklizenzierung ohne Einbezug der Parkstadt macht wegen der Verdrängung keinen Sinn
  • Eine abschließende Entscheidung kann erst getroffen werden, wenn neue Zahlen vorliegen.
  • Der Umgriff der Zählung für die Parkstadt sollte im Osten durch die Gotthelfstraße begrenzt sein.
  • Auf dieser Basis ist eine aktuelle Zählung für dieses Gebiet notwendig.

Eine Lösung der leidigen Lizenzfrage ist äußerst schwierig, selbst die städtischen Fachleute konn­ten auf Nachfrage „Was raten Sie uns?“ von Angelika Pilz-Strasser, Vorsitzende des Bezirksaus­schusses, keine sich deckende Antwort geben.

Zum Hintergrund die Ergebnisse der im September 2015 präsentierten Erhebungen im Überblick:

  • Im Gebiet Mühlbaurstraße ist der notwendige Wert für eine Lizenzzone erreicht: Die Auslastung der Stellplätze liegt um 5 Uhr bei 98 Prozent, um 11 Uhr bei 98 Prozent, um 15 Uhr bei 96 Prozent und um 21 Uhr bei 99 Prozent. Laut „Strukturdaten 2013“ sind 1800 Fahrzeuge registriert, davon 1591 private Halter. Bei zur Verfügung stehenden 1241 privaten Stellplätzen beträgt die Unterdec­kung also 350. Dazu gibt’s 1095 öffentliche Stellplätze.
  • Auch der Bereich Holbeinstraße erfüllt die Voraussetzungen für eine Lizenzzone „dank“ der Pen­dler. Die Auslastung der Stellplätze liegt um 5 Uhr bei 80 Prozent, um 11 Uhr bei 102, um 15 Uhr bei 96 und um 21 Uhr bei 83 Prozent. „Das Gebiet ist flächendeckend voll. Der Anteil der Dauer­parker, vor allem, in der Maria-Theresia- und in der Möhlstraße, ist sehr hoch“, erklärte Görtsch. Bemerkenswert laut „Strukturdaten 2013“: Fast 3000 Fahrzeuge wurden erfasst, davon genau 1583 private Halter. Bei 800 zur Verfügung stehenden privaten Stellplätzen ergibt sich somit eine Unter­deckung von 783 Parkplätzen. Die Zahl der öffentlichen Stellplätze ist mit 1514 angegeben.
  • In der Parkstadt ist laut Untersuchung die Belastung zwar hoch, für eine Lizenzzone reicht sie aber nicht aus. Laut Görtsch beginnt Suchverkehr, wenn 85 Prozent der Stellplätze entlang der Straßen belegt sind. Ab 98 Prozent sei laut Vorgaben eine Lizenzzone empfehlenswert. Dass in der Parkstadt dennoch jede Menge Parkplätze fehlen, nämlich 490, geht aus den so genannten „Strukturdaten 2013“ hervor: 2357 private Autobesitzer bei 1867 privaten Stellplätzen.

 

Alexander MihatschParklizenzzone: Die nächste Runde