Denninger Anger: 236 000 Euro für Teer

23. Januar 2017

Unglaublich aber nunmehr „zementierter“ Fakt: 236 000 Euro Steuergelder in den Sand gesetzt, für 236 000 Euro auf befestigte Kieswege festen Asphalt im Denninger Anger (West) aufge­tragen, eine Bogenhauser Idylle verschandelt, eine erholsame Parkatmosphäre zunichte gemacht. Warum? Das wollten die Mitglieder des Bezirksausschusses von der Stadt wissen. Und: Warum wurde der Bezirksausschuss nicht unterrichtet und zur Maßnahme gehört? Warum wurde keine Bautafel aufgestellt?

Zur Stellungnahme und Begründung der Asphaltierung im Untergremium Planung erschien (natürlich) nicht – wie vor Monaten vom Kommunalparlament gefordert – die verantwortliche Baureferatsleiterin Rosemarie Hingerl, auch nicht Gartenbau-Hauptabteilungsleiter Ulrich Schneider. Mario Seifert, Gartenbau Unterhalt Nord/Ost, und eine Sachbearbeiterin mussten den Gang nach Canossa antreten, mussten ihre Köpfe hinhalten.
Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksausschusses, Chef des Untergre­miums Planung und CSU-Landtagsabgeordneter, stellte klipp und klar fest: „Seit Jahrzehnten hat sich niemand über den Wegezustand im Denninger Anger beschwert, niemand hat sich eine Verän­derung gewünscht.“ Angelika Pilz-Strasser, Chefin des Kommunalparlaments, assistierte mit bitterer Miene: „Es gab noch nie Klagen!“

Das Wegenetz im Westteil des Denninger Angers: Bei der kürzlich erfolgten „Sanierung“ nicht bearbeitete Wege (gelb), vorhandener Belag „in gleicher Weise“ wieder hergestellt (rot) sowie Asphaltierung von bisher wassergebunden Wegen (grün und blau).    Karte: Baureferat/Gartenbau

Das Wegenetz im Westteil des Denninger Angers: Bei der kürzlich erfolgten „Sanierung“ nicht bearbeitete Wege (gelb), vorhandener Belag „in gleicher Weise“ wieder hergestellt (rot) sowie Asphaltierung von bisher wassergebunden Wegen (grün und blau). Karte: Baureferat/Gartenbau

Eine kurze Meldung in der Rathaus-Umschau vom 8. April 2016 war der einzige Hinweis, dass im westlichen Teil der grünen Lunge Arbeiten stattfinden. Unter den Überschrift Baureferat saniert Rad- und Gehwege am Denninger Anger hieß es:

„Das Baureferat saniert ab Montag, 11. April, Rad- und Gehwege am Denninger Anger, zwischen der Richard-Strauss- und der Weltenburger Straße. Dort werden auf Schotterwegen die Trag- und Deckschicht ausgebessert sowie Haupt­routen asphaltiert.

Wegen der Arbeiten, die voraussichtlich Ende Juni abgeschlossen werden, müssen einzelne Wege vorübergehend gesperrt werden.“

All das war laut Seifert eine Maßnahme des im Rathaus beschlossenen Radwegentwicklungsplans für München. „Es ist eine aberwitzige Idee des Baureferats aus dem Beschluss des Stadtrats für mehr Radwege so etwas zu machen“ kommentierte Brannekämper diese Aussage.

Mit seiner anfänglichen Flucht nach vorn schürte Gartenbauvertreter Seifert die ablehnende Stim­mung unter den Lokalpolitikern und gut einem Dutzend Bürger kräftig an:

  • „Wir waren überrascht über die vielen Beschwerden zur Teerung.“
  • „Sorry, wir hatten sechs Projekte, hatten es unterlassen, den Bezirksausschuss einzubeziehen.“
  • „Das war eine Verwaltungspanne.“
  • „Was haben wir denn falsch gemacht? Wir haben Ähnliches auch andernorts gemacht.“
  • „Wir haben Qualität geschaffen. Wir sparen Unterhaltskosten. Sonst müssten alle vier bis fünf Jahre die Wege wegen Schäden instand gesetzt werden.“
  • „Das ist keine >Zuasphaltierung<; noch weniger als 50 Prozent der Wege sind geteert.“
  • „Der hässliche Schwarzton einer Teedecke verschwindet nach etwa fünf Jahren, wird dann grau.“

Brannekämper reagierte stocksauer: „Durch die schwarze Autobahn“ – Seifert gestand auf nach mehreren Hinweisen ein, dass von 2,50 auf 3,10 Meter verbreitert wurde, denn „da müssen Lkw durch“ – „hat der Anger jetzt ein andere Qualität. Wenn das Baureferat heute hier rausgeht und nicht zuvor zusagt, dass es keine weitere Versiegelung mehr gibt, kein Quadratzentimeter mehr geteert wird, dann gibt’s Krieg mit Frau Hingerl.“ Zumal Seifert auf Nachfrage zu den Aufwendungen erklärte: „236 000 Euro Kosten insgesamt.“

Winterliche Idylle im Westteil des Denninger Angers: Der Schnee auf den asphaltierten Wegen ist von Räumfahrzeugen platt gefahren, eine Eisschicht darunter macht einen Spaziergang zur Rutschpartie. Ohne Teer, auf Schotter, wäre dies nicht der Fall.     Foto: hgb

Winterliche Idylle im Westteil des Denninger Angers: Der Schnee auf den asphaltierten Wegen ist von Räumfahrzeugen platt gefahren, eine Eisschicht darunter macht einen Spaziergang zur Rutschpartie. Ohne Teer, auf Schotter, wäre dies nicht der Fall. Foto: hgb

Wolfgang Helbig (SPD) erklärte:

„Die Teerung, das war kein Versehen. Die erste Aussage war, >das geht euch nichts an, das ist keine wesentliche Veränderung, der Bezirksausschuss muss nicht gehört werden<.

Es darf künftig keine derartigen Experimente mehr geben. Ein Gutachten der Bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass Teer die Temperatur erhöht. Das schadet der Natur.“

Ein Anwohner sprach Klartext: „Ich fühle mich verarscht. Ich bin täglich im Anger, die Wege waren nicht sanierungsbedürftig, sie waren in einem anständigen Zustand. Radler konnten und können den Anger jederzeit auf asphaltierten Strecken entlang der Richard-Strauss- und der Denninger Straße umfahren. Doch jetzt werden sie zum Rasen durch den Anger eingeladen.“

Wie undurchsichtig die Verschandelung im vergangenen Frühjahr/Sommer abgelaufen war, verdeutlichen zwei von einander unabhängige Nachfragen gegenüber einem Bauleiter vor Ort. Der Mann sagte: „Was geteert ist, wird neu übergeteert. Auf die Schotterweg kommt Kies, wird planiert.“ Darauf wusste Seifert nichts zu entgegnen. Er sagte zu und entsprechend wurde der Beschluss verabschiedet: keine weiteren Teerungen im gesamten Denninger Anger.

Alexander MihatschDenninger Anger: 236 000 Euro für Teer