Musenbergstraße: Kultur in Lagerhalle?

17. Februar 2017

Läuft man die Musenbergstraße in Johanneskirchen abends entlang bis ans Ende, bis zur Gemein­degrenze Unterföhring, hat man ein wenig das Gefühl, unterwegs zum Ende der Welt zu sein: Schummrig, eng, Industriebauten. Für das letzte Gebäude, Nr. 40, hat Wolfgang Nöth, „Erfinder“ des Kunstparks Ost, im Bezirksausschuss eine Nutzungsänderung beantragt: „Lagerhalle zu kultureller Veranstaltungshalle, befristet auf zehn Jahre.“

Die Lokalpolitiker registrierten mit skeptischen Mienen das Ansinnen, beschlossen aber einstimmig: „Der Bezirksausschuss fordert zu dem Vorhaben einen Stellplatznachweis. Die zehn Plätze in der Musenbergstraße erscheinen auf Grund der geringen Abstände für nicht realisierbar.“

Zudem wollen die Stadtteilvertreter vom Kommunalreferat wissen, weshalb und in welcher Form Stellplätze bzw. -flächen auf öffentlichem Grund an den Bauherrn durch die Stadt vermietet werden. Überdies soll ein aussagekräftiges Verkehrs- und Stellplatzkonzept mit belastbaren Zahlen vorge­legt werden. Darzustellen ist zudem, welche Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind.

„Ich sehe das alles außerordentlich kritisch, vor allem abends“ kommentierte eine Lokalpolitikerin die Absichten des Antragstellers.

Die Musenbergstraße 40 in Johanneskirchen: Eine ehemalige Holzlagerhalle soll umgenutzt werden zur einer „kulturellen Veranstaltungshalle“.   Foto: hgb

Die Musenbergstraße 40 in Johanneskirchen: Eine ehemalige Holzlagerhalle soll umgenutzt werden zur einer „kulturellen Veranstaltungshalle“. Foto: hgb

Für die zwei Hallen auf dem Areal der Musenbergstraße 40 – zuvor war dort eine Holzhandlung, die Stadt hat eine „gemischte Nutzung“ bewilligt – gab es vor mehr als einem Jahr große Pläne. Offene Werkstätten, Ateliers, Übungsräume und auch eine Kinderbetreuung sollten eingerichtet werden.

Die Rede war gar vom Bau eines dritten Holzhauses für mehr als 200 Flüchtlinge, die dort nach Anerkennung ihres Bleiberechts gemeinsam mit Künstlern wohnen sollten.

Die Szenerie vor Ort: Hinter einem zusammengestückelten Zaun rosten Fahrräder vor sich hin, dahinter ist „Second-hand Ware“ gestapelt. Ein Schild am Zugangstor weist zum „Flohmarkt Johannes­kirchen“.

An der Adresse hat die „LaMaWo GbR“ ihren Sitz, für die Nöth verantwortlich zeichnet. Im Internet heißt es wörtlich zur magentafarbenen Werbung am Eingang: „Mit unserem 1000 qm großen Spie­gelsalon bieten wir Ihnen Platz für 650 Personen. Der Veranstaltungsraum ist ideal für Firmenveran­staltungen und in direkter Nähe zum Münchner Flughafen sowie zur Innenstadt. … mit 150 Parkplät­zen … Die Halle gleicht von außen optisch einer Lagerhalle. Von innen wurde die Halle zu einem Spiegelsalon umgebaut, die Decken sind mit Vorhänge abgehängt und Fenster mit LED-Lichtern beleuchtet.“

Alexander MihatschMusenbergstraße: Kultur in Lagerhalle?