Gaertner-Klinik: Lokalpolitiker knallhart

16. Oktober 2017

„Possartstraße 29: Umbau HNO-Klinik, Sanierung OP-Abteilung und Brandschutz, unbefristete Verlängerung der Baugenehmigung des Anbaus, Unterbauung des Anbaus mit einem Technik­raum“ – zu diesem Antrag der „HNO-Klinik Bogenhausen Dr. Gaertner, Possartstraße 27“, war das Urteil des Bezirksausschusses eindeutig, der Beschluss fiel einstimmig aus, und zwar kurz und bündig: Nein!

Die Anlehnung im Originaltext: „Der Bezirksausschuss widerspricht der unbefristeten Verlängerung der Baugenehmigung  und lehnt den Bauantrag für den Anbau ab. Weiter unterstützt der Bezirks­ausschuss die Haltung der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Landesamts für Denkmal­pflege, die beide das Vorhaben aus denkmalschutzfachlichen Gründen ablehnen.“

Offensichtlich sensibilisiert vom illegalen Abriss eines denkmalgeschützten Handwerkerhauses in Giesing zeigten die Bogenhauser Lokalpolitiker „klare Kante“, wie es Robert Brannekämper, stell­vertretender Vorsitzender des Kommunalparlaments und CSU-Landtagsabgeordneter, formulierte, offenbarten sich die Mitglieder des Bezirksausschusses unisono als Vertreter der knallharten Linie. Sie schmetterten die nachträgliche Genehmigung des Anbaus an der Rückseite der geschützten Walmdachvilla aus den Siebziger Jahren (!) mit harschen Worten regelrecht ab.

Die unbefristete Verlängerung der Baugenehmigung des rückwärtigen Anbaus der Gaertner-Klinik an der Possartstraße 29 lehnen die Mitglieder des Bezirksausschusses kategorisch ab. Zum Klinik-Komplex gehören auch die beiden benachbarten Villen.      Foto: hgb

Die unbefristete Verlängerung der Baugenehmigung des rückwärtigen Anbaus der Gaertner-Klinik an der Possartstraße 29 lehnen die Mitglieder des Bezirksausschusses kategorisch ab. Zum Klinik-Komplex gehören auch die beiden benachbarten Villen. Foto: hgb

„Das Haus wird so bleiben wie es ist. Es wird aber verschönert“, äußerte wie auch immer auslegbar der anwesende Gaertner-Klinik-Architekt.“

Kilian Gaertner, seit 1994 Geschäftsführer und Träger der 1953 von seinem Vater gegründeten Klinik, erkannte offensichtlich angesichts der düsteren Mienen im Gremium das Kommende.

Er erklärte: „Wir wollen das Vorhaben im kleinen Kreis im Unterausschuss vorstellen. Wir haben Zeit.“

Apropos Zeit: Brannekämper wetterte bissig: „Sie haben 40 Jahre Zeit gehabt, sich einen neuen Standort zu suchen. Die Großzügigkeit von damals in einen Rechtsanspruch umzudrehen, das ist zu billig.“

Damals – dazu muss man die Vorgeschichte kennen. Die Possartstraße 29, Baujahr 1912, wurde 1977, also vor 40 (!) Jahren, an der rückwärtigen Seite um einen Anbau erweitert. Die Baugeneh­migung dazu war laut Brannekämper befristet auf 15 Jahre erteilt und später bis 2017 verlängert worden. Das wolle die Klinik nun legalisieren lassen.

Derweil betrachten, so der Abgeordnete, die Untere Denkmalschutzbehörde und auch das Landesamt für Denkmalpflege „die Sache als sehr schwierig, als äußerst kritisch.“ In dem Gebäude untergebracht ist laut Gaertner-Klinik-Internetseite die „HNO-Chirurgie – Operatives Zentrum, ambulant/stationär.“

Zur angeführten „klaren Kante“ resümierte Brannekämper: „Klinik und Denkmalschutz passen nicht zusammen. Bis hier her und nicht weiter. Der Anbau ist zu beseitigen!“

Der Gaertner-Klinik-Komplex umfasst drei denkmalgeschützte Gebäude: Die Hausnummern 27 (Foto), 29 und 31 der Possartstraße.      Foto: hgb

Der Gaertner-Klinik-Komplex umfasst drei denkmalgeschützte Gebäude: Die Hausnummern 27 (Foto), 29 und 31 der Possartstraße. Foto: hgb

CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller monierte: „Die Fassade ist eine Verschandelung, sie fügt sich nicht ein in das Objekt. Im Ensemble ist das ein Aufreißer, ein Präzedenzfall, der abge­wendet werden muss.

Wir sind gegen eine Verlängerung der damals aus wirtschaftlichen Gründen erteilten Baugenehmigung. Würde die Stadt, die Lokalbaukommission eine Genehmigung erteilen, so Finkenzeller, werden wir das rechtlich prüfen lassen. Gaertner dazu: „Ich halte eine weitere Diskussion nicht mehr für sinnvoll. Wir werden das im Fachkreis besprechen.“

Zum besseren Verständnis: Der Klinik-Komplex umfasst neben dem Haus 29 links und rechts davon zwei weitere herrschaftliche Villen. Vor fast 20 Jahren war die Possartstraße 27 dazu gekommen, firmiert als „Klinikambulanz – Medizinisches Versorgungszentrum, Praxis“. Bei einer Erweiterung vor vier Jahren wurde im Gebäude 31 die „HNO-Psychosomatik – Zentrum für inte­grative HNO Medizin, teilstationär“ untergebracht. Beide Villen stehen ebenfalls unter Denkmal­schutz.

– Titelbild: hgb –

Alexander MihatschGaertner-Klinik: Lokalpolitiker knallhart