WHG: Bürger favorisieren ovalen Neubau

13. März 2018

Drei rechteckige Gebäude (mit zwei Mal vier und ein Mal fünf Geschossen), drei fünfeckige Häuser (mit jeweils vier Etagen) und drei tri-ovale Bauten (mit zwei Mal vier und ein Mal fünf Geschossen) – diese drei Varianten für das neue, sechszügige Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG) am Rand des Klimaparks entlang dem Salzsenderweg präsentierte das Baureferat / Hoch­bau knapp 250 Interessierten in einer professionell aufgezogenen Informationsver­anstaltung. Hörte man sich um, waren die Besucher, fast die Hälfte davon Anwohner, vor allem von der dritten Variante mit ovaler Form angetan.

Im Juni 2016 war im Stadtrat nach jahrelangem Hin und Her, das WHG an der Elektrastraße im Arabellapark zu sanieren, die Entscheidung kontra Renovierung und für einen Neubau gefallen. Der wesentliche Punkt: Ein Millionenaufwand für Auslagerungen des Unterrichts in Container. Das Geld, kolportierte 15 Millionen Euro, investiert die Stadt nun in ein neues Gebäude, das wohl rund 40 Millionen Euro kosten wird.

„Das ist die Chance für ein zweites Gymnasium in Bogenhausen“, erklärte Baudirektorin Salome Benz. Denn der inzwischen 47 Jahre alte Bestandstrakt soll nach erfolgtem Umzug – das neue WHG dürfte, wenn alles wie am Schnürchen läuft, wohl zum Schuljahr 2024/25 bezugsfertig sein – von Grund auf saniert werden. Fachleute rechnen für den Neubau mit einem Jahr Vorbereitung und jeweils zweieinhalb Jahren für Planung und Ausführung. „Wir sind in der Vorplanung, alles ist noch offen, Anregungen können in die Planung aufgenommen werden“, so Benz. Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser machte dazu klar, dass „ein Gymnasiumsbau im Grünen ganz andere Anforderungen stellt als würde man ihn in einem bebauten Gebiet errichten.“

Die Variante I: drei rechteckige Gebäude im Grundrissplan (unten am Bildrand der Salzsenderweg). Fotos: hgb

Die Dimensionen des neuen WHG – „der Bedarf ist unstrittig“ – erläuterte Siegfried Trautmanns­berger vom Referat für Bildung und Sport (RBS):  Fläche unter 20 000 Quadratmeter, womit der Klimapark mehr als 100 000 Quadratmeter umfassen wird, Dreifachturnhalle (1800 Quadratmeter Fläche) mit Tribüne, zwei Allwettersportplätze mit zusammen rund 1850 Quadratmeter Nutzfläche.

Kein Rasenfeld, da eine Bezirkssportanlage in der Nähe ist, Tiefgarage, Schule mit 10 300 Quadratmeter Nutzfläche, 543 Fahrradstellplätze und ein 4600 Quadratmeter großer Schulhof. Konzipiert ist das Ganze für rund 1700 Personen – davon etwa 1530 Schüler plus Lehrkräfte und sonstiges Personal.

Grundvoraussetzung für Architekt Rainer Hascher war es, mit „dem Gebäudekonzept den Klima­park so weit wie irgend möglich zu schonen, Flächen schonend zu bauen“. Dazu wurde der All­wettersportplatz – Ausmaße 28 mal 44 Meter – auf das Dach einer zur Hälfte in die Erde versenkten Dreifachturnhalle platziert.

Bei der Variante I, rechteckiges Gebäude, liegen die drei Baukörper quasi direkt entlang des Salzsenderwegs. Zwischen Schulkomplex und Sporthalle gibt es keine direkte Verbindung. Das Flachdach des Sockelgeschosses dient als Pausenfläche. Die Sportanlagen sind hinter den Gebäu­den angelegt.

Die Variante II: drei fünfeckige Blöcke im Modell. Fotos: hgb

Bei der Variante II, fünfeckige Trakte, ist die Sporthalle im Sockel in zwei Teile des Schulkörpers integriert, es entsteht eine Einheit. Zwischen Schulkomplex und Salzsenderweg ist „Luft“.

Ein All­wetterplatz, Ausmaße 20 mal 26 Meter mit Hoch- und Weitsprunganlage, sowie ein „multifunktiona­les Beach-Volleyballfeld“ sind entlang des Wegs am Spiel- und Begegnungszentrum (SBZ) situiert.

Bei der Variante III, tri-ovale Bauten, wirkt alles leicht, luftig, rund. Ein Allwetterplatz, 20 mal 26 Meter groß mit Hoch- und Weitsprunganlage, sowie das „multifunktionale Beach-Volleyballfeld“, befinden sich parallel zum bestehenden Feldweg. Der Schulkomplex wird zum Salzsenderweg hin durch Baumgruppen abgeschirmt.

Dirtbike-Anlage: Bei allen drei Varianten ist es nicht zu vermeiden, dass ein Teil des Geländes vom Verein Tretlager – in etwa bis zur Baumgrenze entlang des derzeit verlaufenden Feldwegs – „abgezwackt“ werden muss. Zum Erhalt der seit 2012 aufgebauten Dirtbike-Anlage wird von der Stadt derzeit geprüft, ob das Areal an der anderen Seite ausgeweitet werden kann. Eine Lösung, mit der die „Radler“ leben könnten.

Der Klimapark funktioniert“ – das ist das Fazit der klimatischen Bewertungen durch Peter Trute. Berücksichtigt wurde bei den Untersuchungen ein Gebiet von rund fünf mal fünf Kilometer. „Von den Bauten geht nur eine sehr schwache Wirkung auf die nächtliche Temperatur im Umfeld wie auch auf den Kaltluftstrom aus“, so der Experte.

Der Verkehr ist einmal mehr der Knackpunkt eines Bauvorhabens in Bogenhausen. Gemäß der Analyse und den Berechnungen von Fachmann August Janello dürfte in etwa die Hälfte aller Schüler, also mehr als 750 Jugendliche, öffentliche Verkehrsmittel nutzen. 30 Prozent radeln zum Gymnasium, zehn Prozent kommen zu Fuß und zehn Prozent fahren mit dem Auto bzw. werden mit dem Auto gebracht.

Die Variante III: drei tri-ovale Bauten im Grundrissplan (unten am Bildrand der Salzsenderweg). Fotos: hgb

„Die Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts Fidelio- / Freischütz- / Stegmühlstraße wird durch den Gymnasiumsneubau kaum beeinflusst. Der Knotenpunkt hat eine gute Verkehrsqualität in der morgendlichen Spitzenstunde, der kritischen Hauptverkehrszeit. Eine Erschließung über die Fidelio­straße ist somit aus verkehrlicher Sicht unkritisch“, erklärte Janello.

Zufahrt über und Wendehammer am Ende der Fideliostraße: Innerhalb von 24 Stunden würde diese Lösung zwischen Montag und Freitag zusätzliche 889 Fahrten mit sich bringen, also erheblich mehr Verkehr. Dabei ist mit „Rückstaus im Bring- und Abholbereich zu rechnen“ wie auch mit „Konflikten bei der Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage“. Und: Regelmäßig würden samstags/sonntags durch Sportveranstaltungen in der Dreifachhalle zusätzliche 172 Fahrten errechnet.

Bring- und Abholbereich an der Freischützstraße: Bei dieser Lösung würden an der Fahrbahn auf Höhe des Parks etwa elf Stellplätze entfallen, Eltern könnten dort zum Bringen / Abholen ihres Nachwuchses kurzzeitig parken, die Kinder könnten durch die Grünanlage in ein paar Minuten zum Gymnasium laufen. Binnen 24 Stunden zwischen Montag und Freitag entstünden so zusätzliche 248 Fahrten in der Freischützstraße. Und: Regelmäßig würden samstags/sonntags durch Sportveranstaltungen in der Dreifachhalle zusätzliche 64 Fahrten errechnet

Auf zwei Bürgerfragen blamierte sich die Experte: Wurde das Verkehrsaufkommen durch Besu­cher der bereits 2014 genehmigten russisch-orthodoxen Kirche am Ende der Knappertsbuschstraße – wenn sie denn einmal gebaut wird – einbezogen? Und wurde das Verkehrsaufkommen durch die Städtebauliche Maßnahme (SEM) im Nordosten jenseits der S-Bahntrasse zum Flughafen berücksichtigt?

Die Antwort auf die erste Frage: „Nein“. Die Antwort auf die zweite Frage: „SEM – kenne ich nicht.“ Kommentar überflüssig!

Kompakt: die drei Varianten für das neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium am Salzsenderweg. Foto: hgb

Alexander MihatschWHG: Bürger favorisieren ovalen Neubau