Maximiliansanlagen: Krähensicher – so geht’s

31. Mai 2018

Krähen sind schlau. Sie plündern – zum Verdruss vieler Münchner und der wegen permanenten, durch die Rabenvögel verursachten Verschmutzungsklagen genervten Politiker – auf der Suche nach Futter mit Vorliebe Abfallbehälter in Parks und an Kinderspielplätzen. Ende Januar hat der Stadtrat nach einem zweijährigen Test (!) deshalb beschlossen, sukzessive alle öffentlichen Müll­körbe umzurüsten – und zwar krähensicher. Besser: vermeintlich krähensicher.

Die Deckel der Müllkörbe in den Maximiliansanlagen sind „schwer“, Krähen können sie nicht anheben. Deshalb sind sie krähensicher. Foto: ikb

Was „krähensicher“ ist und damit anhaltend eine saubere Umgebung bedeutet, das demonstriert die „Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen“, kurz die Bayerische Schlösserverwaltung, in den Maximiliansanlagen rund um den Friedensengel.

In den durch die Ver­waltung des Englischen Gartens betreuten Park- und Gartenanlagen auf Bogenhauser Gebiet gibt’s schon seit Jahren grüne lackierte Mülleimer mit einem stabilen Gitterdeckel samt Griff zum Öffnen – eben krähensicher, eben mustergültig.

Da drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Haben die Verantwortlichen und Mitarbeiter des städti­schen Baureferats / Gartenbauamts das noch nie gesehen, nicht „entdeckt“?

 

Alter Mülleimer: Die „Abschirmung“ reicht nicht, Krähen machen einen langen Hals, freuen sich übers Picknick. Foto: ikb

Der Reihe nach. Einst waren in München die öffentlichen Müllkörbe offene Tonnen. Eine prima Sache für alle Vögel, die jeweilige Umgebung war stets >versaut<.

Dann wechselte die Stadt wegen der Krähenplage auf die dunkelgrauen Behälter, die in etwa zehn Zentimetern Höhe über der Öffnung einen fest verankerten Deckel haben.

Doch Raben sind findig, durchschauten die Absicht. Sie machten einen langen Hals, angelten Pommes und andere Schmankerl heraus.

Es folgte besagter Referatsversuch in den Jahren 2016 und 2017. Unter anderem wurden im Riemer Park Müllbehälter mit einem verschmälerten, ringförmigen Einwurf aufgestellt. Man hoffte, dass die Krähen nun endgültig keinen Müll mehr rausfischen können. Die Vertreter im Rathaus vertrauten der Expertise der Fachleute, beschlossen: Wo neue Behälter installiert oder Behälter ausgetauscht werden, sollen künftig nur mehr Eimer mit der schmalen Einwurföffnung verwendet werden.

Die Maßnahme zeigte Wirkung – anfangs und zeitweise! Weniger Abfall war in den Winter- und Frühjahrsmonaten auf dem Boden verstreut, die Reinigungskräfte in den Grünanlagen hatten weniger Arbeit.

Derartige Mülltonnen werden nach einem zweijährigen Test überall in der Stadt installiert. Das Modell mit schmalem Einwurf macht es Krähen schwerer, an Fressbares zu gelangen. Sind die Tonnen aber gut gefüllt, geht das Vogel-Picknick wieder los. Foto: ikb

Doch sobald das Wetter richtig schön ist, die Sonne scheint und mehr Menschen ihre Zeit im Freien verbringen, desto mehr Müll fällt logischerweise an. Sind die runden Tonnen dann etwa drei Viertel voll, haben die Krähen erneut leichtes Spiel. Gewitzt und geduldig warteten sie, bis der Abfall sichtbar ist und sie ihn herausfischen können.

Denn nicht überall – wie beispielsweise in der Fußgängerzone üblich – werden die kleinen grauen Container öfters geleert. Gleichwohl sind inzwischen bis dato etwa die Hälfte der 6000 öffentlichen Mülleimer im Stadtgebiet mit der handbreiten Öffnung ausgerüstet. Wenn auch ein wenig eingeschränkt – das muntere Vogel-Picknick geht also weiter.

Alexander MihatschMaximiliansanlagen: Krähensicher – so geht’s