Neue Theaterfabrik: Wehe wenn es knallt…

16. März 2018

Was haben sich die Verantwortlichen im Kreisverwaltungsreferat (KVR) – angeblich abgestimmt mit dem Planungsreferat, der Branddirektion und der Polizei – dabei gedacht, Einzelveranstaltungen, lies Konzerte, im nördlichen Hallenteil einer einstigen Holzhandlung, in der „Neuen Theaterfabrik“ an der Musenbergstraße 40 in Johanneskirchen, nur einige Meter entfernt von der Gemeindegrenze zu Unterföhring, zu erlauben? Eine Baugenehmigung liegt nämlich (noch) nicht vor.

Dazu der Kommentar von Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksaus­schusses und CSU-Landtagsabgeordneter: „Ein etwas merkwürdiges Vorgehen.“

Die Antwort auf die Frage – nach einem Check vor Ort zu Beginn und am Ende des Auftritts der Liverpooler Band „The Wombats“: Offensichtlich wenig, vermeintlich gar nichts. Kaum anzunehmen, dass weder vor noch bei den drei vorausgegangenen Konzerten die Lage vor Ort geprüft worden ist und Maßnahmen verfügt worden sind.

Autos

Dicht geparkt reiht sich Auto um Auto auf dem Theaterfabrik-Gelände an der Musenbergstraße. 150 Stellplätze gibt der Betreiber an, doch kaum mehr als 80 bis 90 Fahrzeuge dürften Platz haben.

Der geringste Zwischenfall kann sich nämlich zu einer Tragödie ausweiten. Polizei, Rettungsfahr­zeuge und Feuerwehr haben zu Beginn und am Ende eines Konzerts keine Chance, von und zur neuen Event- und Partylocation des Münchner Party-Königs Wolfgang Nöth (75) zu fahren. Wehe wenn es knallt… Parkende Autos auf beiden Fahrbahnseiten verengen die ohnehin schmale Straße derart, dass man höllisch aufpassen muss, mit dem Seitenspiegel nicht einen parkenden Wagen zu streifen.

Auf dem Gelände der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) „La Ma Wo“, wobei „La“ und „Ma“ die Anfangsbuchstaben von Nöths Töchtern Laila und Magelina sind sowie „Wo“ für Wolfgang (Nöth) selbst steht, befinden sich laut Internet-Seite der Firma 150 Parkplätze. Diese Angabe ist mehr als übertrieben. Selbst wenn eng geparkt wird, haben kaum mehr als 80 bis 90 Fahrzeuge Platz.

Kommt in etwa auch nur die Hälfte der Konzertbesucher – beim Wombats-Auftritt waren es geschätzt 900 bis 1000 – mit dem Auto, ist denn auch jedes gar mit zwei Leuten besetzt, fahren 250 bis 300 Personenwagen die Musenbergstraße nächtens auf und ab. Ein Unfall, selbst ein kleinerer Blechschaden – alles wäre verstopft, das Chaos wäre perfekt. Kurzum: eine Falle im Fall des Falles!

Zu der Location Theaterfabrik muss man wissen: Ein Teil, der Spiegelsalon, rund 1000 Quadratmeter groß, ist von der Stadt im Herbst 2016 für Veranstaltungen mit bis zu 650 Personen genehmigt worden. Für den angrenzenden Trakt lag jetzt bei der Tagung des Bezirksausschusses ein Antrag vor: „Nutzungsänderung: Lagerhalle (Teilbereich Halle 2) zu kultureller Veranstaltungshalle (max. 650 Personen).“ Ein Beschluss dazu? Nein! „Der Antrag wurde wegen Baumängeln an den Antragsteller zurückgeschickt“, erläuterte Brannekämper.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang: Beim laut Plakaten an den Eingangstüren ausverkauften Wombats-Konzert waren besagte 900 bis 1000 Besucher da. Ausgelegt sein soll die knapp 1000 Quadratmeter große Halle laut Medienberichten für maximal 1200 Konzertgäste. Angelika Pilz-Strasser, Vorsitzende des Kommunalparlaments, hatte im Gremium befremdet erklärt: „Das Kon­zept sieht Konzerte mit bis zu 1400 Besuchern vor. Da muss man aufpassen, die Leute beamen sich ja nicht dorthin. Es gibt sogar Gerüchte, dass Nöth dort Disco machen will mit Veranstaltungen bis fünf Uhr morgens.“ Ein Zahlensalat, passend zum Verhau rund um die Theatefabrik.

Ruhe

Gut gemeinte Aufforderung. Fraglich indes ist, ob sich die Konzertbesucher der „Neuen Theaterfabrik“ auch daran halten. Erste Erfahrungen sprechen klar dagegen. Foto: hgb

Ob nun 900 oder 1400 Konzertbesucher, von denen 450 bis 700 Jugendliche zu Fuß vom und zum S-Bahnhof gehen – es wird geredet, geschrien und gesungen. Anwohner beschwerten sich bereits nach dem ersten Konzert beim Bezirksausschuss „über laute Partygäste bis spät in die Nacht hinein, die auch in der Gegend umherziehen und lärmen.“ Die Musik, vor allem wummernde Bässe, selbst ist etwa 150 bis 200 Meter vor dem Halleneingang deutlich und klar zu hören, vergleichbar in etwa mit Radio auf Zimmerlautstärke.

Wie geht’s nun weiter? Die Stadt soll, so fordert es das Kommunalparlament, „eine Nutzungs­untersagung erlassen, sofern keine gültige Baugenehmigung für die derzeitig stattfindende Nutzung besteht. Und sie soll „dafür Sorge tragen, soweit das Vorgehen vom Baurecht gedeckt ist, dass die entsprechenden Lärmrichtwerte eingehalten werden und dies mittels geeigneter Auflagen durch­setzen“.

Ein Blick in den Terminkalender der Theaterfabrik lässt Reibereien ahnen. Denn weitere vier Konzerte – Kamasi Washington (Freitag, 18. Mai), Reggie Watts (Donnerstag, 28. Juni), Killing Joe (Dienstag, 16. Oktober) und Leon Bridhes (Dienstag, 23. Oktober) – sind angekündigt.

Und: Am Freitag, 29. Juni, Beginn 18 Uhr, findet im Spiegelsalon der „Abiball des Asam-Gymnas­iums mit Abidreams“ statt. Ende der Veranstaltung: „Samstag, 30. Juni 2018, 04:00 Uhr“.

Fabian EwaldNeue Theaterfabrik: Wehe wenn es knallt…