Stuntzstraße: „Das sieht scheußlich aus“

21. Mai 2018

Auf einem 4000 Quadratmeter großen Grundstück an der Stuntzstraße 16 will die IMBW Capital & Consulting GmbH, eine Tochter der LBBW Immobilien Capital, einen Trakt mit 59 Eigentumswoh­nungen samt Einzelhandelsflächen und Tiefgarage errichten. Der erste Entwurf zur Fassaden­gestaltung, dem Bezirksausschuss im April 2017 präsentiert, wirkt langweilig, hat den Charme der Fünfziger Jahre. Den nächsten Plan, über den das Kommunalparlament am Dienstag, 12. Juni, 19.30 Uhr, Gehörlosenzentrum an der Lohengrinstraße, zu befinden hat, kanzelte vorab ein Lokal­politiker kurz und bündig als „scheußlich“ ab.

Die ersten Pläne sahen – nach Abriss des Bestands, in dem derzeit ein Edeka-Markt untergebracht ist – ein siebenstöckiges >begrüntes< Gebäude vor mit einem angegliederten vierstöckigen Block plus „einem Stapelgeschoss“, so IMBW-Construction-Manager Manuel Maiers. Indes erlaubt der Bebauungsplan lediglich drei Etagen.

Der erste Plan der LBBW Immobilien für das Areal an der Stuntzstraße: Ein siebenstöckiges Gebäude mit einem angegliederten vierstöckigen Block plus „einem Stapelgeschoss“. Doch gemäß Bebauungsplan sind nur drei Etagen möglich. Foto: hgb

Nebenbei bemerkt: „Begrünt“ ist entsprechend der Visualisie­rung – gelinde ausgedrückt – stark übertrieben.

Die Lokalpolitiker waren ob der Missachtung der Vorgaben des Bebauungsplans äußerst skeptisch. „Drei Geschosse obendrauf – das ist sehr gewagt, das ist rechtlich problematisch, das ist hoch riskant“, hatte Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabgeordneter, zu den Vorstellungen der Bauherrin erklärt.

„Sieben Stockwerke, das ist mehr als eine Verdoppelung“, war CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller entsetzt.

Dazu hatte Maiers erklärt: „Wir haben bei der Lokalbaukommission (LBK) nachgefragt. Wir denken, dass das Projekt städtebaulich vertretbar ist. Wir orientieren uns an der Nachbarbebauung.“ Projek­tleiterin Patricia Ullmann hatte eingeräumt: „Wir weichen in Teilen vom Bebauungsplan ab.“ Zu den sieben Stockwerken erklärte sie: „Das ist ein kleiner Turm. Das ist passend zur Nachbarbebauung und daher möglich.“ Maiers ergänzte: „Unser Ziel ist es, dass die LBK eine Aussage treffen kann. Wir wollen nämlich im Herbst mit den Abrissarbeiten starten.“ Kurzum: Ziel verfehlt.

Die neueste Visualisierung für das Grundstück Stuntzstraße 16: ohne Turm, der Trakt hat drei Stockwerke und einen zurückversetzten Dachaufbau. Die Fassade wirkt düster. Foto: hgb

Umso überraschender die neueste, eingereichte Visualisierung: kein Turm, der Trakt hat drei Stockwerke und einen zurückversetzten Dachaufbau. Der Bebauungsplan wurde also fast einge­halten. Brannekämpers einstige Anregung, die Fassade hell-beige auszuführen, wurde indes nicht angenommen.

Denn das entspreche nicht dem Entwurfsgedanken unserer Architekten, so die IMBW. Man tendiere auf Grund der weißen Farbgebung des Nachbargebäudes nach wie vor zu einer hell- und dunkelgrünen, matten Fassade.

Es gelte, das Gebäude hervorzuheben ohne dabei knallige Farben zu verwenden. Es werde ein harmonisches Gesamtbild geschaffen. Nun denn, das nennt man wohl Ansichtssache.

Alexander MihatschStuntzstraße: „Das sieht scheußlich aus“