Stuntzstraße: Büros – keine Wohnungen!

20. Juni 2018

Paukenschlag beim Punkt „Stuntzstraße 16, Fassadengestaltung“ im Untergremium Planung des Bezirksausschusses: „Die etwa 40 Stellplätze in der Tiefgarage sind nur für die Mitarbeiter der Büros“, erklärte Andreas Eule, Mitglied in der Münchner Geschäftsführung des Bauherrn LBBW Immobilien Capital. Nachfrage: „Büros, keine Wohnungen?“ – „Wir machen Büros. Wohnungen sind ohne eine Bebauungsplanänderung nicht durchsetzbar. Das dauert uns zu lange“, so Eule.

Rückblick: Die ersten Pläne sahen – nach Abriss des Büro-Bestandsblocks – ein siebenstöckiges >begrüntes< Gebäude vor mit einem angegliederten vierstöckigen Haus plus „einem Stapel­geschoss“, so seinerzeit Construction-Manager Manuel Maiers. In dem Trakt sollten 59 Eigentums­wohnungen samt Einzelhandelsfläche für einen Edeka-Markt und Tiefgarage entstehen. Indes erlaubt der Bebauungsplan lediglich drei Etagen. Nebenbei bemerkt: „Begrünt“ war entsprechend der Visualisierung stark übertrieben. Die Fassadengestaltung, dem Kommunalparlament im April 2017 präsentiert, wirkte langweilig, hatte den Charme der Fünfziger Jahre. Und die Missachtung der Vorgaben des Bebauungsplans hatten die Lokalpolitiker äußerst skeptisch gesehen.

Die Visualisierung des Neubaus Stuntzstraße 16: Der Trakt hat nun drei Stockwerke mit zurückversetztem Dachaufbau. Die Fassade wirkt düster. Dazu ein Lokalpolitiker: „Das sieht scheußlich aus.“ Visualis.: Allmann Sattler Wappner Arch. / Foto: hgb

Um so überraschender die jetzt eingereichte Visualisierung: kein Turm, der Trakt hat drei Stockwer­ke plus einem zurückversetzten Dachaufbau – für Penthaus-Büros mit durchsichtiger Abgrenzung.

Der Bebauungsplan wurde folglich fast eingehalten. Die einstige Anregung von Robert Branne­kämper, Planungsvorsitzender im Bezirksausschuss und CSU-Landtagsabgeordneter, die Fassade hell-beige auszuführen, war nicht angenommen worden.

„Unser Architekt hat andere Vorstellungen, er tendiert auf Grund der hellen Farbgebung der Nach­bargebäude zu einer olivgrünen, matten Fassadenfarbe, mit hellen und dunkeln Tönen“, so Eule.

Es gelte, das Gebäude hervorzuheben. Es werde ein harmonisches Gesamtbild geschaffen. Die Mit­glieder des Unterausschusses nahmen diese Angaben „zur Kenntnis“. Zuvor hatte Brannekämper kopfschüttelnd geäußert: „Wie kann man ein Gebäude heute so streichen. Wie sieht das denn aus mit dem blauen Schriftzug auf gelben Hintergrund von Edeka?“ In der Tat: Die Visualisierung erinnert an eine Bundeswehr-Tarnung.

„Wo parken bitte die Kunden des Supermarkts?“, fragte CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller. „Wie bisher, die Stellplätze vor dem Gebäude bleiben erhalten“, erklärte Eule. Er glaubt, dass wenige Personen mit dem Auto kommen, er rechnet mehr mit „Handtaschenkäufern“. Angesichts der angespannten Parkplatzsituation in der Parkstadt und des gegenüber einst in etwa doppelt so großen Markts verlangen die Lokalpolitiker die Vorlage eines Stellplatz-Konzepts mit Zahlenanga­ben.

Das Bestandsgebäude Stuntzstraße 16 wird derzeit entkernt und für den Abriss vorbereitet. Foto: hgb

Alexander MihatschStuntzstraße: Büros – keine Wohnungen!