Kapelle im Prinz-Eugen-Park: „Abreißen“

20. Dezember 2018

„Unser Beschluss vor zehn Jahren, die Kapelle auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Ka­serne zu retten, ist jetzt Makulatur. Mehr als zehn Jahre hat die Stadt rein gar nichts gemacht, jetzt ist das kleine Denkmal total zerfallen, man kann es nur noch abreißen.“ So kommentierte Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabgeordneter, bei der Tagung des Planungsgremiums verärgert die heutige Situation um den einstigen Gedenkort. Zumal ein Neubau mehr als 50 000 Euro kosten würde.

So denn beschlossen die Lokalpolitiker einhellig: „Der Bezirksausschuss empfiehlt den Referaten, nicht am Erhalt der Kapelle festzuhalten, sondern diese abzureißen. Die Gründe: Die zu nahe Wohnbebauung und der schlechte Bauszustand (fehlender Bauunterhalt seit 2007). Der Gedenk­stein ist zu sichern und an einer geeigneten Stelle wieder aufzustellen.“

Geschichte • Die Prinz-Eugen-Kaserne wurde ab 1934 als Lohengrin-Kaserne errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen US-Truppen die Gebäude und richteten dort auch eine Unterkunft für Displaced Persons ein. Von 1956 bis April 2009 nutzte die Bundeswehr die Kaserne mit ihren 35 Gebäuden und 18 unterirdischen Schutzräumen als Pionierschule. Als sich der Umzug der Pionier­schule nach Ingolstadt abzeichnete, ergriff die Stadt die Chance, das Areal zu kaufen und dort ein Quartier zu entwickeln, um dringend benötigten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Militärflächen übernahm der Bund als vormaliger Grundstücks­eigentümer den Abbruch der bestehenden Gebäude und die Entsorgung der Altlasten.

Rückblick • Im 150 Seiten umfassenden städtischen Dokument zur „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Prinz-Eugen-Kaserne“ vom Februar 2001 heißt es: Im Planungsgebiet befindet sich eine ehemalige Gedenkstätte, die sogenannte Kapelle aus der militärischen Nutzung des Areals. Sie diente als Ort der Erinnerung für die gefallenen Opfer des Krieges. Eine Übernahme der Trägerschaft durch die evangelische-lutherische und / oder katholische Kirche wurde bisher abgelehnt. In unmittelbarer Nähe hat die Bundeswehr vor Aufgabe der militärischen Nutzung des Areals einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Nutzung als Pionierschule errichten lassen. Weder die Gedenkstätte, noch der Gedenkstein stehen unter Denkmalschutz. Der weitere Umgang ist noch zu klären.

Doch geklärt wurde – nichts!

Die Kapelle auf dem Areal der einstigen Prinz-Eugen-Kaserne diente einst als Ort der Erinnerung für die Gefallenen des Krieges. Da elf Jahre lang kein Bauunterhalt vorgenommen wurde, vergammelte die Gedenkstätte. Nun kann sie nur mehr abgerissen werden, zumal die Wohnbebauung jetzt direkt angrenzt. Foto: NordOstKultur

Alexander MihatschKapelle im Prinz-Eugen-Park: „Abreißen“