S-Bahnhof Johanneskirchen: „Untragbar“

3. Februar 2019

Ob bei Bürgerversammlungen oder bei Tagungen des Bezirksausschusses – ein leidiges Thema kommt seit vielen Jahren immer wieder zur Sprache: die Forderung nach barriere­freien Zugängen zu den S-Bahnhöfen Johanneskirchen und Daglfing. Denn die Zugänge sind jeweils nur über steile Treppen möglich. Ein Aufzug? Eine Rolltreppe? – Fehlanzeige! Koffer müssen mühsam geschleppt werden. Rollstuhlfahrer, Behinderte und Mütter mit Kinderwägen müssen in Unterföhring oder am Hauptbahnhof einsteigen.

Seit Jahren, ja Jahrzehnten blockt die Bahn, genauer die „DB Station & Service AG“, jedweden Ausbau kategorisch ab, hält ihn für wirtschaftlich nicht sinn­voll, verweist immer wieder auf den wie auch immer gearteten, seit  mehr als zehn Jahren geplanten Ausbau der S8-Strecke vom und zum Flughafen. Doch dieser Ausbau steht in den Sternen. Vor dem Jahr 2037 ist damit keinesfalls zu rechnen. Realistisch gesehen, muss man an diese Zahl noch einige Jahre mehr anhängen. Die Bahnkunden müssen wohl noch mindestens 20 Jahre warten.

Zuletzt hatte sich bei der Einwohnerversammlung im vergangenen Oktober eine Frau für einen barrierefreien Zugang in Johanneskirchen engagiert und die volle Zustimmung der Anwesenden erhalten. Mit dem Antwortschreiben der DB Station & Service befassten sich jetzt die Kommu­nal­politiker. Bei der Beratung im Untergremium Verkehr hatte Behindertenbeauftragter Berndt Hirsch von der FDP vorgeschlagen, die Bürgerin solle einen Verein gründen und sie solle „im Rahmen bestehender Inklusionsrechte gegen die Bahn klagen.“ Martin Tscheu (SPD) monierte einmal mehr den „untragbaren Zustand an den Bahnhöfen. Die Antworten hängen uns und den Bürgern zu Hals raus. Eine Klage ist ein eventuell machbarer Weg.“

S-Bahnhof Daglfing: Steile Treppen zum Bahnsteig, kein Aufzug, keine Rolltreppe. Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwägen müssen beispielsweise nach Unterföhring „ausweichen“. Foto: hgb

„Ich empfehle, nicht so weit zu gehen, der Bürgerin eine Klage nahe zu legen“, erklärte bei der Erörterung im Vollgremium Sitzungsleiter Ulrich Tetzner (CSU), der die Tagung in Vertretung der Vorsitzenden Angelika Pilz-Strasser (Grüne) und ihres Vertreters Robert Brannekämper (CSU) moderierte. Denn „der Bezirksausschuss dürfe nicht in eine Rechtsberatung einsteigen und eine Klage empfehlen.“ Folglich wird die Frau eine Rechtsberatung als Möglichkeit mitgeteilt.

Und die DB Station & Service AG erhält einen einstimmig gebilligten, geharnischten Brief aus Bogen­­hausen: „Der Bezirksausschuss nimmt die Antwort der zuständigen DB Station & Service AG zwar zur Kenntnis, kann sich aber mit dem Inhalt nicht zufrieden geben.

Sowohl der viergleisige Ausbau der Strecke als auch die Tieferlegung der Trasse werden voraussichtlich noch mehr als zehn Jahre auf sich warten lassen. Bis dahin wäre ein jetzt eingerichteter barrierefreier Zugang, zum Beispiel ein Aufzug, sowieso erneuerungsbedürftig, so dass von >wirtschaftlich nicht sinnvoll< und von >verlorenen Kosten< keine Rede sein kann. Vielmehr wäre der Umbau der Rubrik >kundenfreundlich< und >Service< zuzuordnen.“

Und weiter: „Außerdem trägt der fehlende barrierefreie Zugang dem Gedanken der Inklusion nicht Rechnung! Personen, die auf Gehhilfen angewiesen sind sowie Mütter mit Kinderwägen ist die Benutzung der S-Bahnhaltepunkte Johanneskirchen und Daglfing nicht möglich.“

S-Bahnhof Johanneskirchen: Ob vom oder zum Bahnsteig – die Fahrgäste müssen steile Treppen zurücklegen, Koffer und Einkaufswagen schleppen. Foto: hgb

Alexander MihatschS-Bahnhof Johanneskirchen: „Untragbar“