„Sicherer Radfahren“: Dreht sich im Kreis

24. Februar 2019

„Radfahren endlich sicherer machen“ – dieser Antrag der Grünen-Fraktion im Bezirksausschuss ist allmählich Preis verdächtig, dreht alle vier Wochen eine Runde vom Untergremium Verkehr ins Kommunalparlament und wieder zurück. Ablehnung, Ergänzung, Neuantrag, Änderung, Rücknah­me: „Das ist doch langsam lächerlich, seit fünf Monaten kreist diese Initiative. Die Polizei hat erklärt, dass das nicht machbar ist. Es müsste nämlich in der ganzen Stadt gemacht werden“, wetterte Ver­kehrsvorsitzender Martin Tscheu (SPD) im Plenum. Zur Grünen-Rettung: es sind „nur“ drei Monate.

Grünen-Sprecherin Paula Sippl war ob Tscheus Worte total verunsichert. „Ich möchte den Antrag modifizieren“, erklärte sie. Damit es nicht wieder endlose Diskussionen gibt, würgte CSU-Frak­tionssprecher Xaver Finkenzeller die Idee kurzerhand ab. „Modifizieren geht nicht, sei schlau, zieh’ ihn zurück und formuliere ihn neu“, empfahl er Sippl. „Gut, der Antrag soll vertagt werden, es wird umformuliert“, flüsterte Sippl. Und Tscheu empfahl: „Redet doch mal vorher mit der Polizei.“

Worum geht’s? „Die Stadt möge die Unkenntnis der Autofahrer in Bezug auf den nicht benutzungs­pflichtigen Radweg an der Vollmannstraße beseitigen“, heißt es in dem Papier. Zur Begründung wird angeführt: „Leider ist es seit Abschaffung der Benutzungspflicht auf bestimmten Radwegen so, das Radfahrer, die auf der Fahrbahn fahren, häufig angehupt und beschimpft werden. Auch werden selten Sicherheitsabstände eingehalten. Dies ist der notorischen Uninformiertheit vieler Autofahrer geschuldet.“

Die beidseitig vorhandenen Radwege in der Vollmannstraße sind durch Grünstreifen von der Straße getrennt. Vom Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium kommend zur Einfahrt an der Höslstraße (Foto) führt ab dem Ampel gesteuerten Übergang sogar ein Extrastück Radweg zur Sicherheit der Kinder und Jugendlichen in die Gegenrichtung. Wer in der Vollmannstraße auf der Fahrbahn radelt, der verhält sich gemeingefährlich. Foto: hgb

Und weiter: „Besonders betroffen ist die Vollmannstraße. Hier sollten schnellstens zur Si­cher­heit des Radfahrens Maßnahmen ergriffen werde, die diese Situation entschärfen. Zum Bei­spiel könnten neben anderen Maßnahmen Achtungsschilder (mit Symbol Radfahrer) aufgestellt werden.“

Andere Maßnahmen? – Doch welche nur? Achtungsschilder? – Sind vorhanden. Im Unteraus­schuss Ver­kehr wurde der Vorstoß gegen die beiden Grünen-Stimmen abgelehnt. Auszug aus dem Protokoll: „Der Antrag wirkt, als müsste man die Autofahrer schulen, coachen. Die Ergänzung Vollmannstraße ändert daran nichts.

Von der Polizeiinspektion Bogenhausen wird angeregt, durch Publikationen in den Medien die Autofahrer zu informieren. Frau Sippl wird gebeten, sich hierzu mit den Medien­ver­­tretern ins Benehmen zu setzen.“ Natürlich (gottlob) nicht geschehen. Was soll man diesbezüglich auch schreiben?

Und: Ein SPD-Vertreter merkte an, „dass Grundlage für das Verhalten die Straßenverkehrsordnung ist. Der Wegfall der Radwegbenutzungspflicht bedeutet nicht, dass der Radweg nicht benutzt wer­den darf.“

Alexander Mihatsch„Sicherer Radfahren“: Dreht sich im Kreis