Reisig- versus Plastikbesen: Sauber, sauber …

13. März 2019

Mehr als acht Jahrhunderte haben Münchens Straßenkehrer mit Reisigbesen Gehwege und Plätze gesäubert. Seit fünf Jahren ist diese Tradition Geschichte – weggefegt. Der Reisigbesen ist nämlich durch Plastikborstenbesen – sehr zum Widerwillen der mehr als 500 Straßenkehrer – ersetzt wor­den. Weil die Kunststoff­besen kostengünstiger und pflegeleichter sind. Die Reinigungsmethode rief jetzt einen Bo­­­gen­hauser auf den Plan. Er monierte anfallendes Mikroplastik. Die Mitglieder des Bezirksaus­schus­ses waren einigermaßen verblüfft. Der Brief wurde an die Stadt weitergeleitet.

„Wenn man bedenkt, dass die Lebensaufgabe eines solchen Besens ist, aufgerieben zu werden, und wenn man die Anzahl der verwendeten Besen betrachtet, so lässt sich abschätzen, wie viel Kilogramm oder Tonnen Mikroplastik in München allein durch den Verbrauch dieser Besen ent­stehen. Wäre es da nicht angebracht, wieder auf den Reisigbesen zurückzukommen, selbst wenn man ein paar Euro mehr ausgeben muss?“, so der Mann.

Via Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) landete das Schreiben beim Baureferat, bei der zu­ständigen Fachdienststelle für die Straßenreinigung. Dessen Sachbearbeiter antwortete: „Na­tür­lich versuchen wir beim Umweltschutz vorbildlich zu arbeiten. Auf den ersten Blick scheinen Reisigbe­sen deutlich umweltverträglicher als Plastikbesen, Ohne die Komponente >Mikroplastik< liegt beim Betrachten der Gesamtökobilanz der Plastikbesen deutlich vorne.“

Denn: „Ein Reisigbesen ist nur einen Tag nutzbar. Mit einem Plastikbesen kann ein Straßenkehrer bis zu drei Monate arbeiten. Beide Besen werden aus Italien per Lastwagen geliefert, da es in Deutschland für beide Besen keinen Anbieter gibt.“

Der „gute“ alte Reisigbesen hat ausgedient, Plastikbe¬sen sind heutzutage in München im Einsatz. Foto: hgb

Und weiter erstens: „Die Straßenreinigung benötigt circa 50 000 Stück Besen pro Jahr. Von den Plastikbe­sen werden circa 1500 Stück jährlich benötigt. Ein Lastwagen hat eine Zuladung von rund 5000 Stück. Das bedeutet, dass der Lastwagen für die Zulieferung von Reisigbesen fast einmal monatlich den Weg über den Brenner machen muss. Für die Anlieferung von Plastikbesen ist eine Fuhre pro Jahr ausreichend. Wenn man den Energieverbrauch und die Feinstaubbelastung dieser Fahrten ins Verhältnis setzt, ist der Plastikbesen zweifelsfrei umweltverträglicher. Weiterhin beste­hen unsere Plastikbesen – die Kosten sind geringer als für Reisigbesen – aus Polyethylen, einem sehr harten Kunststoff mit wenig Abrieb.“

Und weiter zweitens: „Für uns ist das alles keine endgültige Entscheidung für Kunststoffbesen, wenn für die manuelle Straßenreinigung alternative Produkte am Markt angeboten werden und die technischen Voraussetzungen für einen Einsatz gegeben sind, werden wir auch hier den entspre­chenden Veränderungsprozess anstoßen und die Reduzierung von Mikroplastik betreiben.“

Diese behördliche Stellungnahme ließ den Bürger nicht ruhen, er konterte: „Dass ein Reisigbesen nur einen Tag nutzbar ist, klingt für mich etwas befremdlich. Das Verhältnis ein Tag zu 90 Tage Nutzung wäre ein schlechtes Argument für Reisigbesen.“ Der Mann errechnete so denn (neutral kalkulierte übertriebene) jährlich anfallende drei Tonnen Mikroplastik in München – „wie hart oder nicht hart das Polyethylen ist, ändert nichts an den drei Tonnen.“

Alexander MihatschReisig- versus Plastikbesen: Sauber, sauber …