Freischützgarten: Bürgerwerkstatt am 29. Mai

20. Mai 2019

Der mehrfach verkaufte und seit langer Zeit überwiegend leerstehende, mehr als 30 Jahre alte Gebäudekomplex an der Ecke Johanneskirchner Straße 98-100 / Freischützstraße 75-81, der Freischützgarten, erregt immer wieder die Gemüter von Bürgern und Lokalpolitikern. Die Häuser sind verwahrlost, gammeln dahin. Die „6B47 Germany GmbH“ mit Sitz in Düsseldorf hat die Anlage erworben, will den Bestand abreißen und Neubauten errichten.

Das Unternehmen will nun „die Bürger einbinden und an der Gestaltung teilhaben lassen“. Daher sind Interessierte am Mittwoch, 29. Mai, 18 Uhr (bis circa 20.40 Uhr), zur „Bürgerwerkstatt Grünflächengestaltung“ in den Saal der SG Schützenlisl, Englschalkinger Straße 208, eingeladen.

Rückblick I • Im Mai vergangenen Jahres hat die „6B47“ – Geschäftsführer ist Kai-Uwe Ludwig, zuvor bis Ende 2014 zehn Jahre lang bei der Bayerischen Hausbau tätig – den Komplex auf rund 10 000 Quadratmeter Fläche von der Munich Residential GmbH (MR) erworben, die ihrerseits den Trakt im April 2016 gekauft hatte. Die „6B47 will etwa 15 Gewerbeeinheiten schaffen, rund 175 Wohnungen bauen, will am Straßeneck einen achtstöckigen „Hochpunkt“ wie gegenüber errichten und durch die Anordnung der Projekte die Lindengruppe „weitgehend erhalten.“

Kompaktmodell der Bestandsgebäude und des geplanten Neubaus an der Ecke Johanneskirchner – / Freischützstraße. Wie auf der gegenüberliegenden Seite soll vor der bestehenden Baumgruppe ein achtstöckiger Turm entstehen. Foto: hgb

Rückblick II • Im Oktober 2018 hatte der Bezirksausschuss „die städtebauliche Situation kritisch“ beurteilt, hatte die präsentierte Eckbebauung abgelehnt, hatte sich gegen eine Befreiung vom bestehenden Bebauungsplan ausgesprochen, hatte ein „Bauleitplanverfahren für die beabsichtigten Maßnahmen als unabdingbar“ erachtet.

Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses, Chef des Planungsgremiums und CSU-Landtagsabgeordneter, hatte seinerzeit im Kommunalparlament erklärt: „Mit einer Befrei­ung funktioniert das hier nicht. Wir müssen abwarten, ob das Unternehmen ein Bebauungsplan­verfahren anstrebt. Gleichwohl hatte die Lokalbaukommission (LBK) im Planungsreferat bereits einen Vorbescheid – Aufstockung vierte Etage und Dachgeschoss, Nutzungsänderung von Büro in Wohnen für das erste und zweite Stockwerk – erlassen.

Rückblick III • Nach den Einwendungen und Anregungen hatte der Konzern im März einen ange­passten Entwurf vorgestellt. Die Lokalpolitiker waren angetan, stimmten den Plänen – unter Be­dingungen – zu. Brannekämper: „So wie es jetzt ausschaut, ist es eine Schande für das Viertel, so kann’s nicht bleiben. Es ist erfreulich, dass unsere Kritik berücksichtigt worden ist.“ CSU-Fraktions­sprecher Xaver Finkenzeller hatte im Untergremium Planung bei der Präsentation gemeint: „Das ist gut gelungen, ist überzeugend, ist eine gute Kombination.“ Er hatte noch angeregt, die Fassaden­gestaltung per Visualisierung darzulegen. Brannekämper hatte erklärt: „Wir können uns so grund­sätzlich eine Befreiung vom seit 1985 bestehenden Bebauungsplan vorstellen.“

Diese Aussage wurde im Beschluss des Kommunalparlaments einstimmig verankert – verbunden mit „Wenns“. Wenn nämlich ein „Fassaden- / Grünflächenworkshop unter Beteiligung des Bezirks­ausschusses erfolgt, wenn eine Bürgeranhörung stattfindet und wenn die Fassaden, Freiflächen­gestaltung und Visualisierung dem Bezirksausschuss nochmals zu finalen Entscheidung vorgelegt werden.“

Ludwig und der technische Projektleiter André Schubert hatten die Aussagen im Ausschuss abgenickt, hatten den Willen für ein „Kooperationsmodell betont, das schnell auf den Weg gebracht werden soll“. Ludwig kann sich auch vorstellen, den Vorplatz in das „Eigentum der Stadt zu übergeben, wenn sie dies denn will.“ Im vierten Quartal 2019 soll, wenn alles glatt läuft, mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Auszug der Einladung • „Wie kann das neue Quartier im Außenbereich so entwickelt werden, dass es zu einer Attraktivitätssteigerung für das Viertel beiträgt? Was wünschen sich die Bürger, um gerne den Platz zu passieren oder sich dort aufzuhalten? Wie möchten Sie die Frei- und Grünflä­chen zum Straßenraum und im Innenbereich des Quartiers erleben und nutzen? Als Investor und Projektentwickler sind das die Leitfragen. Wir möchten, dass Sie mitreden! Für die finale Entschei­dung im Bezirksausschuss zur Gesamtplanung der Quartiersentwicklung laden wir zur Bürgerbeteil­igung im Rahmen eines Workshops zur Gestaltung des neuen Quartiersplatzes ein. Nachdem wir in Kürze unsere Planung zur Quartiersentwicklung präsentieren, stellen die Landschaftsarchitekten des Büros Jühling & Partner die bisherigen Ideen und Entwürfe der Außenbereiche vor.“

Die geplanten Neubauten (rote Punkte) im Quartier Freischützgarten mit Vermerk der jeweiligen Stockwerkzahl. Plan: 6B47 Germany GmbH / Schluchtmann Architekten / Bearbeitung hgb

 

Alexander MihatschFreischützgarten: Bürgerwerkstatt am 29. Mai