Tempo 30: Schleichverkehr steckt drin

26. August 2019

Hersteller von Tempo-30-Schildern haben – zumindest auf absehbare Zeit – Hochkonjunktur. In München und somit auch in Bogenhausen gibt es immer mehr Tempo-30-Zonen. Und zwar nicht nur in den bislang „klassischen“ Bereichen, in den Wohnvierteln. Knapp 90 Prozent des gesamten Straßennetzes in der Stadt sind laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) inzwi­schen 30er-Zonen. Und es werden noch mehr – vor allem in den Hauptstraßen!

Dank einer Novelle der Straßenverkehrsordnung sind die Begrenzungen auch auf besagten Haupt­straßen möglich beziehungsweise erleichtert. Bedingung für eine Auszeichnung: eine Schule, ein Kindergarten, ein Krankenhaus, eine Einrichtung für Senioren oder ein Spielplatz am Rand der (vielfach) Strecke. Eine Beschränkung auf Tempo 30 soll, so die Absicht der Vertreter im Rathaus, das Leben von Kindern, Jugendlichen und älteren Mitbürgern sicherer machen.

Gleichwohl kommt es dabei zu Verlagerungen. Zwar kann das Schienennetz für Straßenbahnen kaum verändert werden. Und auch die Busstrecken sind meist nur schwierig anders zu führen. Doch manch ein Autofahrer sucht sich angesichts immer wiederkehrender Staus auf den Haupt­straßen eine Ausweichroute – durch Wohngebiete, durch oft schmale Straßen.

Der Föhringer Ring am späten Nachmittag: Stoßstange an Stoßstange geht’s schrittweise vorwärts. Der bereits begonnene Ausbau der Strecke soll 2025 fertig sein. Foto: hgb

Das soll zwar von den Planern vermieden werden. Trotzdem ist das Ergebnis: Schleichverkehr. Und dort eben ver­mehrte Gefahren gerade für jene, die eigentlich geschützt werden sollen.

Eine weitere Folge auf den Hauptstraßen: Tempo 30 auf kurzen Abschnitten wechselt sich odt kurzfristig ab mit Tempo 50, manchmal mit Tempo 60, der Verkehr „schwappt“ – es wird gebremst und dann wieder mehr oder minder stark beschleunigt – anstatt zu fließen.

Andererseits: Wer wäre morgens im Berufsverkehr, beispielsweise auf der Effnerstraße und weiter auf dem Föhringer Ring, und abends umgekehrt, nicht froh, wenn man mit 30 km/h – seit mehr als zehn Jahren gilt auf dem Flaschenhals Herzog-Heinrich-Brücke übrigens Tempo 50 –  vorwärts kä­me. Also umfahren viele Autofahrer diesen Bereich „weiträumig“, wie es ab und an in den Verkehrs­nachrichten heißt: Via Mauerkircher-, Oberföhringer- und manchmal auch St.-Emmeram-Straße sowie, wenn’s geht, über die Cosimastraße. Vielfach durch Tempo-30-Zonen.

Inzwischen ist die erste von vier Phasen des Ausbaus vom Föhringer Ring im Gang. Geplante Fertigstellung: 2025. Bei einer Erfassung des Planungsreferats im November 2014 wurden am Nadelöhr Herzog-Heinrich-Brücke binnen 24 Stunden 46 000 Fahrzeuge registriert. In sechs Jahren gehen Prognosen von einem Anstieg des Verkehrs auf bis zu 74 000 Fahrzeuge pro Werktag voraus. Ob’s dann besser wird?

Immer mehr Tempo-30-Zonen gibt’s in Bogenhausen. Und zwar nicht nur in den bislang „klassischen“ Bereichen, in den Wohnvierteln, vielmehr in den Hauptstraßen. Foto: hgb

Alexander MihatschTempo 30: Schleichverkehr steckt drin