G+D-Campus: Tiefgarage auch für Anwohner

14. November 2019

Giesecke+Devrient (G+D), weltweit tätiger Konzern für Sicherheitstechnologie und Hersteller von Banknoten – 1852 gegründet, Hauptsitz an der Prinzregentenstraße 157, mehr als 11 000 Mitarbei­ter, davon 2500 am Standort, Umsatz 2,25 Milliarden Euro – rundet das Ensemble um die glänzen­den vier Bavaria Towers am Vogelweideplatz mit einem autarken Büroneubau – ab, einem laut Firmenangaben „modernen Technolgie-Campus“, benannt >Der Bogen<.

Marian von Mitschke-Collande, Geschäftsführer der MC Grundstücksgesellschaft und Vertreter des Bauherrn, stellte das Projekt im Untergremium Planung des Bezirksaus­schusses vor. Ab kommenden April soll das Bestandsgebäude abgerissen und der Erdaushub gestartet werden, so dass 2021 mit dem Bau des siebenstöckigen Trakts begonnen werden kann mit dem Ziel Mieterbezug Ende 2023.

Vorweg: Es entsteht kein weiterer Wolkenkratzer. Vielmehr, im Vergleich zu den Towers, ein relativ niedriger, abgerundeter Komplex in nachhaltiger Bauweise – mit „zwei hochwertigen Fassaden in ökologischer Bauweise“, mit Innenhöfen und begrünten, öffentlichen Flächen und Wegen. Dazu von Mitschke-Collande: „Wir nehmen die Blockrandbebauung entlang der Prinzregentenstraße auf.“

In dem Neubau auf mehr als 46 000 Quadratmeter Grund – er ersetzt ein Gebäude, das 1952 den Grundstein für den Münchner Stammsitz legte –  mit rund 42 000 Quadratmeter Geschossfläche auf dem westlichen Areal der Firmenzentrale gibt’s Arbeitsplätze für Startup-Unternehmen und andere Kooperationspartner aus der IT-Branche.

Im Erdgeschoss der öffentlich zugänglichen Anlage – „der Komplex umfasst keine sicherheitsrele­vanten Einrichtungen, ist losgelöst vom >Fort Knox<“ – ist ein „City-Konzept“ geplant mit Super­markt samt Bäckerei, Casino und Restaurant, Bike Shop, Kiosk / Service Point und Paketbox. Kurz­um: „Der Komplex soll auch für die Anwohner einen Mehrwert bieten“, so der MC-Geschäftsführer.

Zu der von den Lokalpolitikern bei G+D und der Stadt angeregten und beantragten Kindertages­stätte wegen fehlender Unterbringungsmöglichkeiten in der Umgebung konnte von Mitschke-Col­lande noch keine Zusage machen: „Wir sind uns darüber bewusst, prüfen derzeit aktiv eine solche Einrichtung bezüglich der Auflagen.“ Das Planungsreferat zur Kita-Initiative: „Wir unterstützen den Wunsch grundsätzlich, haben dies der Firma Giesecke+Devrient bereits mündlich mitgeteilt.“

Die Struktur des G+D-Tech-Campus samt Vernetzung mit der Umgebung. Quelle: G+D / Henn Architekten; Foto: hgb

Hingegen sicherte von Mitschke-Collande eine „hohe Rücksichtnahme“ bezüglich der zwangs­läufigen Verschmutzung durch den Erdaushub und den Bau den Stadtteilvertretern zu und nahm die Anregung einer Reifenwaschanlage für Baulastwagen auf. Eine Anlaufstelle für Nachbarn für Informationen und für eventuelle Beschwerden ist nach seinen Angaben bereits eingerichtet.

In einer dreigeschossigen Tiefgarage mit Lastwagen-Ladehof für Supermarkt-Anlieferungen sind neben rund 350 Fahrrad-Abstellmöglichkeiten etwa 400 bis 420 Autoparkplätze vorgesehen. Diese sind für die laut von Mitschke-Collande 1200 neuen Mitarbeiter (für die heutigen rund 2500 Mitarbeiter gibt es 600 Stell­plätze) geplant. Allein die Zahl 400 schreckte Nicola Holtmann (ÖDP) auf: „Das ist doch zu viel.“ Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabge­ordneter, betonte, dass das Unternehmen – wie von Mitschke-Collande in Planungsgremium erläu­tert – von Mitarbeitern nicht benötigte Parkplätze auch Nachbarn zugänglich machen will. „Das ist ein Signal“, so Brannekämper.

Damit das Signal im Planungsreferat auch ankommt, verabschiedete das Kommunalparlament ge­gen die zwei ÖDP-Stimmen eine Brannekämper-Initiative: „Der Bezirksausschuss fordert die Stadt auf sicherzustellen, dass die geplanten Stellplätze im Umgriff der Baumaßnahme von Giesec­ke+Devrient an der Prinzregentenstraße 159 in vollem Umfang hergestellt werden.“

So wird der G+D-Neubau an der Prinzregentenstraße nach den Plänen von Büro Henn Architekten aussehen. Quelle: G+D / Henn Architekten

In der Begründung dazu wird angeführt: „Der Bezirksausschuss begrüßt die Bereitschaft von Gie­secke+Devrient, Angebote für alternative Mobilitätskonzepte auch für die Anwohner zu unterstüt­zen. So zum Beispiel durch die Bereitstellung von Elektroladesäulen und Fahrradplätzen in der betriebseigenen Tiefgarage.“

Und weiter: „Nachdem in der Parkstadt Bogenhausen seit Jahren über den immer immenseren Parkdruck geklagt wird, muss auch der durch das Bauvorhaben ausgelöste Stellplatzbedarf auf dem eigenen Grundstück abgewickelt werden. Es kann nicht sein, dass durch eine Reduktion der Stellplätze das Parken der Mitarbeiter von Giesecke+Devrient in den öffentlichen Raum verlagert wird. Dies würde zu einer massiven weiteren Verschärfung des Parkdrucks in der Umgebung zum Nachteil der Anwohner führen.“

Fabian EwaldG+D-Campus: Tiefgarage auch für Anwohner