Biergärten: Laufen (noch) auf Sparflamme

24. Mai 2020

Wie ist die Stimmung in den Biergärten, unter den Gästen, bei Wirten, Kellnerinnen und Kellnern? Wie läuft das Geschäft? Klappt’s mit den Hygieneregeln? Wird der 1,5-Meter-Mindestabstand stets eingehalten? Und die Maskenpflicht, die Registrierung beim Betreten der „Oasen“? Schmeckt das Bier unterm weiß-blauen Himmel wieder?

Einblicke: In drei Bogenhauser Biergärten informierten sich über all diese Fragen die CSU-Vertreter Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter und Mitglied des Kommunalparlaments, Bezirksausschuss-Vorsitzender Florian Ring sowie Jens Luther, Stadtrat und Vertreter im Stadtteilgremium.

Vorweg: Es läuft allerorten mehr oder minder auf Sparflamme – noch. Unisono versteht niemand, warum um 20 Uhr draußen Schluss ist, die Lokale aber zwei Stunden länger geöffnet sein dürfen, drinnen gegessen und getrunken werden darf.

Aber: „Ab der Pfingstwoche“ darf die Gastronomie im Außenbereich wieder bis 22 Uhr geöffnet sein – das hat Ministerpräsident Markus Söder jetzt beim virtuellen CSU-Parteitag verkündet. „Pfingstwoche“ – ist das schon der Pfingstsamstag, 30 Mai? Auch wenn viele (Wirte) auf ein festes Datum pochen, Söder macht’s nicht. Das Risiko, eine Zusage wieder zurückziehen zu müssen, das ist ihm in diesen Pandemiezeiten offensichtlich zu groß. Brannekämper teilt die zweierlei Zeitvorgaben 20 und 22 Uhr nicht: „Hinwarten und dann kommt’s plötzlich – das ist schlecht. Die Menschen brauchen ein Datum.“ Von Wirten wird er dabei unterstützt.

Lockere Unterhaltung über Biergartenfragen (v. li.) Jens Luther, Stadtrat und Vertreter im Kommunalparlament, Bezirksausschuss-Vorsitzender Florian Ring, CSU-Landtagsabgeordneter Robert Brannekämper und St.-Emmeramsmühle-Geschäftsführer Karl-Heinz Zacher. Foto: hgb

Gleichwohl: Haben sich doch in Niedersachsen gerade Gäste in einem Restaurant mit dem Corona-Virus infiziert, wurde für etwa 50 Menschen von den Behörden häusliche Quarantäne verordnet. Und in Frankfurt haben sich Dutzende Gläubige bei einem Gottesdienst mit Covid 19 angesteckt. Wie sagte schon Karl Valentin: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

Station eins, St. Emmeramsmühle: Freitag, 15.38 Uhr, sonnig-wolkig, schwül, 26,5 Grad. Alles wirkt rundum beschaulich. Mehr als drei Dutzend Fahrräder stehen am Rand, sieben Stellplätze – Parkservice, Autoschlüssel einfach abgeben, für drei Euro wird geboten – sind frei, etwa 20 Tische sind nicht besetzt. In „normalen“ Zeiten gibt’s im Biergarten laut Geschäftsführer Karl-Heinz Zacher rund 900 Plätze, jetzt sind’s knapp 700. „Wir sind froh, dass wir wieder öffnen dürfen“, versichert Zacher, „wir müssen uns aber an alles rantasten, wir hatten seit 21 Jahren keinen einzigen Tag geschlossen.“

Dennoch, so Zacher: „Der laufende Betrieb ist viel einfacher, der Tischwechsel ist aufwendig und kompliziert. Wegen der Reinigung und des Abstandhaltens ist’s oft total unruhig.“ Es ist mittlerweile nach 16 Uhr, ein Blick zum Eingang macht das klar: Besucher stehen Schlange zur gesetzlich angeordneten >Kontaktdatenerhebung“ – mit Datum, Tischnummer, Aufenthaltszeit von / bis, Name, Personenzahl, Telefonnummer. Zacher redet und „scannt“ zugleich den Biergarten, und siehe da: Ein Paar mit Kinderwagen geht Richtung Ausgang – ohne Maske. Freundlich bittet der Emmeramsmühle-Chef einen Mund- und Nasenschutz anzulegen. Das Duo, ein wenig verschreckt dreinschauend, folgt der Aufforderung sofort. Zacher betont: „Es sind halt die Auflagen und Regeln, die eingehalten werden müssen, sonst sind drakonische Strafen fällig. Am Vatertag und heute hat’s super funktioniert. Alle, Gäste wie Angestellte, sind froh, endlich wieder ein Stück Normalität zu haben.“

Kurz nach 16 Uhr: Gäste drängen in den Biergarten der Emmeramsmühle, es bildet sich eine Schlange, Formalien müssen erledigt werden. Kleine Bilder v. l.: Schlupflöcher in den Biergarten sind mit Stühlen verstellt – für drei Euro wird das Auto auf den Parkplatz „rangiert“ – Stadtrat Jens Luther desinfiziert sich am Eingang die Hände. Foto: hgb

Station zwei, Zamdorfer: Szenenwechsel. Geschäftsführer Christian Ertl versichert: „Wieder geöffnet zu haben, das ist ein schönes Gefühl, die Gäste sind wahnsinnig dankbar.“ – „Hallo, endlich sind wir wieder da“, so eine junge, offensichtliche Stammkundin, am >Einlass< zu einer Kellnerin. Die beiden Frauen würden sich am liebsten in die Arme fallen, geht aber eben nicht. Kurz vor 18 Uhr: Der weitläufige Biergarten – jetzt bestuhlt für 120 Personen, ansonsten Platz für bis zu 300 Leute – füllt sich merklich. „Die Anwohner kommen jetzt. Ich hab’ das Gefühl, die Gäste mögen den Tischabstand, es schafft wohl eine angenehme Atmosphäre.“ Fürwahr: Kein Geraune und Gemurmel, kein vernehmbares Handyklingeln wie sonst, wenn man Rücken an Rücken sitzt.

Nichtsdestotrotz: „Abstand, Hygienekonzept – das ist schwierig, aufwendig, eine Herausforderung, vor allem für die Bedienungen“, so auch Ertl. Er erzählt von vier Frauen, die sich gemeinsam an einen Tisch setzen wollten. Auf Nachfrage wurde klar, dass sie nicht aus maximal zwei verschiedenen häuslichen Gemeinschaften nach >§ 2 Abs. 1 BayIfSMV<, also der >Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung<, sind, sondern aus vier Haushalten. Mit Abstand an zwei Tischen konnten sie dennoch Bier und Wein genießen …

Wo im Biergarten des Zamdorfer Platz genommen wird, das müssen aus Abstandsgründen Geschäftsführer Christian Ertl (hi. re.; li. daneben Bezirksausschuss-Vorsitzender Florian Ring) und sein Team entscheiden. Vorn im Bild li. CSU-Landtagsabgeordneter Robert Brannekämper, re. Stadtrat Jens Luther. Foto: hgb

Erstaunlich: „Am Vatertag lief’s sehr gut, fast normal, wie im Vorjahr“, strahlt Ertl. Aber: „Wir machen jetzt nur etwa 40 bis 45 Prozent Umsatz gegenüber früher. Wir hatten fast neun Wochen bis zum 17. Mai total zu. Man muss bedenken, dass wir im Sommer für die schwächeren Wintermonate Rücklagen erwirtschaften.“ Und wie sieht die geschäftliche Zukunft als Wirt aus? „Das wird sich zeigen. Es könnte Ende 2020 / Anfang nächsten Jahres zu einer Gaststätten-Insolvenzwelle kommen.“ Ertl ist froh, die staatliche Unterstützung „relativ zügig“ bekommen zu haben.

Station drei, Finnerl: Wer’ s nicht kennt, das ist die gemäß eigenen Angaben „Gartenoase“ am Schreberweg in den Kleingärten im Denninger Anger zwischen der Parkstadt Bogenhausen und dem Arabellapark. Josephine „Finnerl“ Kierek – seit zwölf Jahren bewirtet sie die Gäste; tagsüber natürlich vornehmlich die Gartler, nachmittags, nach Feierabend, überwiegend Anwohner des Viertels – erzählt: „Die Situation ist schon gewöhnungsbedürftig. Wir hatten Winterpause, dann einen Tag für vier Stunden geöffnet, mussten danach am 20. März, am Frühlingsanfang, zu machen.“ Sie wiederholt: „Für vier Stunden!“ Die rüstige Frau hat wegen der Abstandsregel nur sieben von ansonsten zwölf Tischen aufgestellt. „Finnerl“ hofft, dass bald wieder die „alten Zeiten“ entsprechend dem Schild am Eingang gelten: Montag bis Freitag 15 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 13 bis 22 Uhr.

Mit Abstand von Atemschutzmaske: Finnerl-Wirtin Josephine „Finnerl“ Kierek mit Bezirksausschuss-Vorsitzendem Florian Ring (li.) und Stadtrat Jens Luther. Foto: hgb

Fabian EwaldBiergärten: Laufen (noch) auf Sparflamme