Bonus-Markt: Kann er gerettet werden?

19. August 2020

Was wird aus dem Bonus-Markt mit Poststelle in Johanneskir­chen? Gemäß eines Antrags der SPD-Fraktion im Bezirksausschuss ist der Mietvertrag zum 31. Juli gekündigt worden. Sprecherin Karin Vetterle forderte die Stadt auf, sich dafür einzusetzen, dass die Kündigung zurückgenommen wird. Gelingt das nicht, soll das Kommunalreferat „schnells­tens einen Ersatzstandort östlich der S8 suchen und verpachten“.

In der Initiative heißt es: Da für viele Supermärkte das Einzugsgebiet der Wohnareale östlich der S-Bahn nicht lukrativ genug war, wechselten im Geschäftszentrum Kardinal-Wendel-Straße immer wieder die Nahversorgungsanbieter. Mit Hilfe des damaligen Wirtschaftsreferenten Reiter und mit großem Einsatz des Bezirksausschusses konnte in dem Zentrum ein Bonus-Markt installiert wer­den. Hierfür stellte die Stadt Fördergelder zu Verfügung.“

Die Fördergelder: Die Stadt hatte 2011 einen Zuschuss von 100 000 Euro ge­währt. Zudem sind während der fünf Jahre lau­fenden Projektphase per annum 78 000 Euro geflossen.

November 2011: Eröffnung des Bonus-Markts in der Gartenstadt Johanneskirchen. Im Bild Geschäftsführer Detlef Meßjetz (li.), zusammen mit dem damaligen Wirtschaftsreferent Reiter und Mitarbeitern des Geschäfts. Foto: Archiv / ikb

Weiter heißt es in dem Antrag: „Das Grundstück, auf dem der Markt steht, ist vor einiger Zeit verkauft worden. Der neue Eigentümer möchte, dass Bonus und Postelle ausziehen, weil er an Stelle der Verkaufsfläche angeblich eine Lagerfläche einrichten möchte. Das bedeutet, dass die Wohngebiete östlich der S8 ohne jegliche Nahversorgung auskommen müssen und der Platz dafür blockiert wäre.“

Im Kommunalparlament klagte eine Seniorin verzweifelt: „Ich spreche für 2000 Haushalte, es geht um unseren Bonus-Markt. Es ist der einzige, wenn auch kleine Markt mit einem guten Angebot, der für uns zu Fuß zu erreichen ist.“ Dann überreichte sie Bezirksausschuss-Vorsitzendem Florian Ring (CSU) eine Liste mit Unterschriften –„650 Leute haben in zwei Wochen unterschrieben“.

Rückblick November 2011: Fast ein Jahr lang hatten die Bewohner der Gartenstadt Johanneskir­chen zum Einkaufen weite Wege zurücklegen müssen, nach dem der dortige Lebensmittelladen nach 25 Jahren geschlossen wurde. Dann wurde der Bonus-Markt mit rund 450 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem 6500 Artikel umfassenden Sortiment eröffnet.

Was ist Bonus? Die Abkürzung steht für „Berufliche Orientie­rung, Nachbarschaftsmärkte und Service“ – ist eine 2003 in Stuttgart gegründete gemeinnützige Kette. Bonus-Märkte sind soziale Einrichtungen für Jugendliche, Wiedereinsteiger und Langzeitarbeitslose, die ein bis drei Jahre betreut, beraten, gefördert und so ausgebil­det werden, um im Anschluss an die Qualifizierung wieder in den Arbeitsmarkt, meist im Verkaufsbereich, zurückkehren zu können.

 

Fabian EwaldBonus-Markt: Kann er gerettet werden?