Bäume: Spuren von Bauten und Motten

31. Oktober

 

Mal macht’s der Mensch, mal verursacht’s die Natur, und der Mensch muss es dann zu Ende brin­gen: Baumfällungen. Ob Eschen, Birken, Pappeln, Fichten, Linden oder Kastanien – mindestens 2500 Bäume „ver­schwin­den“ jedes Jahr in München. Allmonatlich sind „Baumfällungen“ der ers­te Tagesordnungspunkt im Untergremium Umwelt, Grünplanung und Klimaschutz im Bezirksaus­schuss. So auch im Oktober: 22 Fällanträge für einen oder mehrere Bäume, sechs Mal Ableh­nung mit dem Vermerk „kein Fällgrund“, 13 Mal „Zustimmung mit Ersatz“.

Das mit dem Ersatz ist so eine Sache. Gleichwohl es Kontrollen durch Mitarbeiter der Lokalbau­kom­mission (LBK) vom Planungsreferat gibt, ob tatsächlich so viel junge Bäume wie „angeordnet“ auch nachgepflanzt werden, ist die Überwachung nicht nur aufwendig, sondern auch schwierig. Selbst drohende Geldstrafen schrecken manchen Zeitgenossen nicht ab, die Vorschriften zu miss­achten.

Eine Übersicht des Referats für 2010 bis 2015: Etwa 47 000 Bäume sind in diesem Zeitraum in München gefällt worden, davon 5000 rund auf öffentlichem Grund, circa 16 000 we­gen Neubau­ten. Stichwort: Nachverdichtung – auf großen Grundstücken wurden Villen abgerissen und Riegel ge­baut. Musterbeispiele in Bogenhausen: Kolberger Straße 5 oder das mehr als 100 Jahre exis­tie­rende „Wirtshaus im Grüntal“ im Herzogpark. Und schließlich 26 000 Bäume, für die die Besitzer aus verschiedenen Gründen, meist Fäulnis und damit Sicherheitsrisiken, Fällanträ­ge gestellt hatten. Konsequenz aus diesen Zahlen: Es wird von der Stadt alles öfters gecheckt.

Stichwort Natur: Gerade jetzt fällt es (wieder) auf, beispielweise in einem Teil des Nor­man­nen­parks. Die abgeworfenen Blätter der Kasta­nien haben „Rostflecken“, sind großflächig braun ver­färbt, rings um die Stämme hat sich eine Schicht Laub angesammelt. Eine Ursache sind die Rau­pen der Kastanien-Miniermotte. Ein Problem, das Bayern weit besteht.

Eine Schicht Laub rings um Kastanien am Ende des Normannenparks. Die Blätter haben „Rostflecken“, die Miniermotte war am Werk. Foto: hgb

Gut: Die meisten Bäume erholen sich vom Befall relativ rasch wieder. Laut Experten ist auf län­gere Sicht aber eine Schwächung der Bäume zu befürchten, da sie durch das Absterben der Blät­ter an der As­si­milation gehindert werden. Kommen weitere Parasiten hinzu, droht ein Baum­ster­­ben. Die etwa fünf Millimeter große Miniermotte wurde in Europa erstmals 1984 in Mazedonien ent­deckt. Seither breitet sie sich jährlich auf einer Strecke von 50 bis 100 Kilometer aus. Anfang der neunziger Jahre war sie erstmals in der Region München aufgetaucht.

Gefährlich: Die Puppen der Motte überwintern im Laub. Eine effektive Vernichtung wird nur in kommerziellen Kompostieranlagen erzielt, da nur hier die notwendige Hitze von rund 60 Grad erreicht wird. Eine Kompostierung reicht nicht aus. Die Mitarbeiter des Gartenbaureferats tun ihr Bestes, doch vollständig kann das Laub einfach nicht entfernt werden.

 

Fabian EwaldBäume: Spuren von Bauten und Motten