Richard-Strauss-Straße: Ein Ärgernis

29. Januar 2021

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Die Richard-Strauss-Straße, vor mehr als elf Jahren neu hergestellt – der Tunnel war im Juli 2009 eröffnet worden – passt nicht mehr in die heutige (Verkehrs-)Zeit. Zu wenig Parkplätze, Falschparker und „Geisterradler“ auf den Gehwegen, zu schmale Fahrbahnen. Sie sollte dringend entschärft werden. Darüber ist sich die Mehrheit der Mitglieder des Bezirksausschusses bewusst. Verbesserungen? Die Stadt, das Baureferat, lehnte zuletzt vor einem Jahr jegliche Maßnahme ab. Jetzt fragte ein Bürger im Kommunalparlament: „Wird über einen Umbau nachgedacht?“

Der Mann in einem Brief:

„Ich wohne seit 1995 in der Stuntzstraße. Seit der Tunnel fertig ist, hat sich oben, ab Einsteinstraße bis zum Effnerplatz, eine >Staumanie< aufgetan, die zudem noch gefährlich ist. Schon beim Ausbau hat man sich gefragt: Warum so breite Fußwege, so breite Grünstreifen, keine Parkbuchten für Busse? Man wollte wohl die Fließeigenschaften des Verkehrs optimieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Straße ist für alle eine dauerhafte Gefahr.“

Die Richard-Strauss-Straße: schaut schön aus, ist aber „unpraktisch“, genügt nicht mehr den Ansprüchen der heutigen (Verkehrs-)Zeit. Foto: hgb

Was ist Sache? Das Ergebnis der Behördenuntersuchung nach einem Ortstermin Ende Februar 2020:

„Jede andere Anordnung der Parkbuchten würde zu einem erheblichen Eingriff in den Straßenraum führen und damit einhergehend zu einem massivem Eingriff in die bestehenden Baumgräben mit erforderlichen Baumfällungen führen. Bei der Gesamtmaßnahme des Mittleren Rings Ost handelt es sich um ein finanziell gefördertes Projekt durch den Freistaat. Dadurch gibt es eine Veränderungssperre. Eingriffe in das geförderte Projekt können förderlichschädlich sein und dazu führen, dass Fördergelder verzinst zurückgezahlt werden müssen.“

Die Einschätzung der Experten: Die Richard-Strauss-Straße ist eine voll funktionsfähige Straße, die sich in einem guten baulichen Zustand befindet; ein Bedarf für eine bauliche Veränderung wird nicht gesehen.“

Die Fahrbahnbreite von 6,5 Meter, also 3,25 Meter pro Richtung, ist an und für sich ausreichend, sie ist auch maßgebend für den Busverkehr. Doch an den Rändern hapert’s: Die beidseitigen Parkstreifen – jeweils zwei Meter breit – sind für moderne, inzwischen größer und breiter gebaute Autos zu schmal. Mit Folgen:

Ein Reisebus fährt fast auf dem Mittelstreifen der Richard-Strauss-Straße, der Abstand zu dem blauen Kleinwagen und den am Rand parkenden Fahrzeugen ist äußerst gering. Foto: hgb

Halten nämlich die Fahrer von Bussen und Lastwagen seitlich einen um wenige Zentimeter zu geringen Abstand ein, weil ein größeres Fahrzeug, ein Bus oder ein Schwerlaster, entgegenkommt, werden immer mal wieder nicht eingeklappte Rückspiegel von parkenden Autos „rassiert“ oder es gibt gar Schrammen. Zumal wenn ein Personenwagen „schlampig“ abgestellt worden ist und leicht in die Fahrbahn ragt.

Passt aber der Abstand, besteht die Gefahr, dass sich die ausladenden Rückspiegel von sich begegnenden Bussen und Lastern touchieren. Immer wieder zu beobachten, dass diese Fahrzeuge in Zentimeterarbeit ganz langsam haarscharf aneinander vorbei „rangieren“. Gerade in diesen Tagen und Wochen bei schmäleren Fahrbahnen wegen Schnee und Matsch.

„Die Straße ist suboptimal gebaut worden, Verbesserungen sind angebracht“, konstatierte unlängst Lokalpolitiker Peter Reinhardt (CSU). Wobei: >Suboptimal< ist milde formuliert. 

Denn die bestehenden Radwege sind 1,6 Meter breit (sollten nach neuesten Vorgaben 2,3 Meter breit sein) plus 75 Zentimeter Sicherheitsraum zu den parkenden Autos. Und beidseitig bestehen Baumgräben, die 4,15 bzw. 4,65 Meter breit sind. Die beidseitigen Gehbahnen sind jeweils vier Meter breit, müssen aber lediglich 2,5 Meter breit seit. 

b Reise- oder MVG-Bus, Müll- oder Lastwagen: Große Fahrzeuge auf der Richard-Strauss-Straße berühren meist oder überfahren gar den Mittelstreifen – zwangsweise, um nicht seitlich die Rückspiegel parkender Autos zu „rasieren“. Ganz klar: die Parkplätze sind zu schmal. Fotos: hgb

Ergo: Platz ist ausreichend da. Aber das „liebe“ Geld …

Übrigens: Ist im Herbst / Winter 2024 der Neubau der Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) auf dem einstigen Siemens-Areal fertig gestellt, kommt es laut Untersuchungen zu einem „zusätzlichen Verkehrsaufkommen von etwa 2050 Kfz-Fahrten am Tag“.

 

Fabian EwaldRichard-Strauss-Straße: Ein Ärgernis