„Tucheler Heide“: Radikaler Rückschnitt

18. März 2021

„Tucheler Heide“: Radikaler Rückschnitt

Es war eine sinnfreie Aktion, löste Ärger und Empörung unter Anwohnern und Spaziergänger aus: Entlang des Zauns vom Kleingarten­ve­rein Nordost 59 (Tucheler Heide) an der Denninger Stra­­ße 205 wurde der dicht mit Sträuchern bewachsene, wunderschöne Grünstreifen auf ei­ner Länge von etwa 400 Metern gestutzt, besser radikal gerodet. Warum? Unklar. Wohl waren’s Missverständ­nis­se, unklare Absprachen. Die Folge: gegenseitige Vorwürfe und Schuldzuweisun­gen.

Klar ist allseits: Mit Grünpflege, mit einem im Frühjahr üblichen Beschnitt hat das nichts zu tun. Bei einem Ortstermin mit Vertretern des Bezirksausschusses – das Gremium war von der Maß­nahme wie einst bei der Wegeteerung im Denninger Anger nicht informiert worden – gab’s nur fas­sungs­lo­se Gesichter von den Mitarbeitern des Gartenbauamts, von Kleingärtnern, Bürgern und von einigen Lokalpolitikern angesichts der knapp Knie hohen Holzstümpfe von Jasmin-, Flieder- Holun­dersträu­chern und sonstigen wuchernden Büschen, von aufgewühlter und teils matschiger Erde.

Zwischen Weg und Zaun des Kleingartenvereins Nordost 59 (Tucheler Heide) an der Denninger Straße wurden auf knapp 400 Meter Sträuchern und Büsche abgeholzt. Wer dafür verantwortlich ist, darüber wird gestritten. Foto: hgb

Auf wessen Veranlassung die radikale Rodung des Grünstreifens erfolgt ist – offen. Bislang „pfleg­ten“ Mitglieder des Kleingartenvereins den Abschnitt immer wieder. Wenn die es (altersbe­dingt) nicht mehr schaffen, kann oder soll gemäß einer vermeintlichen Vereinbarung die Stadt tätig wer­den. Angeblich wurde ein Beschnitt angeregt. Doch was ist „tätig werden“, was und wie weit geht eine Pflege, ein Be­schnitt? Laut dem Vertreter des Gartenbaureferats wurde die Entscheidung auf Veranlassung des Kleingartenvereins getroffen. Aber: Was für eine Entscheidung? Rückschnitt? Abholzung?

Wie auch immer, weil offensichtlich nicht mehr rekonstruierbar: Es sind Fakten geschaffen worden. Was kann man nun machen? Abwarten wie die auf Stock geschnittenen Sträucher even­tuell wieder auswachsen und ausschlagen, abwarten ob ausgestreute Samen aufgehen. Eben hof­fen, dass die Natur die Wunden heilt. Und Neuanpflanzun­gen – in welchem Umfang auch immer. Gleichwohl: Bis es wieder wie einst blüht, wird es viel Jahre dauern.

 

Fabian Ewald„Tucheler Heide“: Radikaler Rückschnitt