Niedermayerstraße: Eine „schräge“ Idee

03. April 2021

Niedermayerstraße: Eine „schräge“ Idee

Angesichts des Antrags „Umgestaltung der öffentlichen Parkplätze im Rahmen der beantragten Baumaßnahme Niedermayerstraße 2 bis 10“ durch die Grünen und den Vertreter der Freien Wähler im Bezirksausschuss muss man sich fragen, ob sich die Initiatoren schon mal vor Ort genau umgeschaut haben um zu erkennen, was Sache ist, und ob sie sich ihrer Argumentation und einer Umsetzung der Maßnahme bewusst sind.

Denn:

Das Planungs- soll in Abstimmung mit dem Mobilitätsreferat prüfen, „ob im Rahmen der beantragten Aufstockung (Anm. d. Red.: Bestand Hochparterre plus drei Stockwerke) durch ein gemeinsames Vorgehen der Stadt und des Bauherrn die benötigten Stellplätze geschaffen werden können. Hierzu könnte durch die Verlagerung des Gehwegs die Herstellung von Querparkern anstelle der bestehenden Längsparker ermöglicht werden.“

Im Klartext: Bäume fällen, Büsche roden, Rasenflächen kappen! Wohlgemerkt: Eine Initiative von „Bündnis 90 / Die Grünen“ zusammen mit „Freie Wähler / Bayerns starke Mitte“.

In der redaktionell gekürzten Begründung der Forderung wird ausgeführt:

„Im Rahmen des Bauantrags wurden die erforderlichen Stellplätze zur Ablöse vorgesehen. Die wünschenswerte Schaffung von Wohnraum würde somit die bereits angespannte Parksituation weiter verschärfen. Die räumliche Situation und Gestaltung der Gebäude legen nahe, dass eine Verlegung des Gehwegs in Richtung der Bebauung wohnverträglich möglich ist. Der so erweiterte Straßenraum könnte durch Quer- oder Schrägparker eine höhere Zahl von Fahrzeugen aufnehmen. Dabei ist der Bestandsbaum im Bereich der Hausnr. 6 zu berücksichtigen und durch eine Aufweitung ein angemessener Übergang zum Gehweg im Bereich der Hausnr. 12 zu schaffen. Die anzusetzenden Mittel der Stellplatzablöse könnte die Grundlage einer Verhandlung über den erforderlichen Grunderwerb durch die Stadt und sowie entstehenden Umbaukosten bilden.“

Die Gebäude Niedermayerstraße 2 bis 10 sollen aufgestockt werden. Um zehn benötigte Stellplätze für Schrägparker zu schaffen, soll – so ein Antrag der Grünen im Bezirksausschuss – „der Gehweg verlagert“, das Grün gekappt werden. Foto: hgb

Stellplatzablöse als Basis zu Grunderwerb durch die Stadt plus Umbaukosten – diese Rechnung geht nicht auf. Und: Haben die Antragsteller eigentlich schon mal mit dem Bauherrn / dem Grundstückseigentümer gesprochen?

„Man braucht zehn zusätzliches Stellplätze“, so Florian Braun, Vorsitzender des Untergremiums Verkehr und Mobilität im Kommunalparlament, zur Ausgangslage. Er räumte ein: „Damit wäre aber nicht alles gut bezüglich der Parkraumsituation.“

Kommentar eines Anwohners:

Wir brauchen für den Bereich Niedermayer-, Amberger- und Gebelestraße eine Gesamtplanung, kein Stückwerk. Mit der alten Regelung hätten wir die Autos der Bewohner von den zehn zusätzlichen Wohnungen locker verkraftet. Das wäre die beste Lösung, es entstünden keine Kosten!“

Zur Erklärung der „alten Regelung“: Im Dezember waren vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) neue Halteverbotsschilder aufgestellt worden. Seitdem ist in der Amberger Straße das Parken nur mehr einseitig, entlang der Niedermayer- und Gebelestraße nur im Wechsel auf beiden Straßenseiten möglich. Damit entfielen in etwa die Hälfte der Parkplätze, an der Zahl circa 120.

Per Antrag im Bezirksausschuss und mit einer Beschwerde bei der Stadt (mit inzwischen mehr als 300 Unterschriften) protestieren die Halteverbots-Gegner, bezeichnen die Situation laut ihrem Vertreter Patrik Bothe als „unzumutbaren Zustand“, fordern eine „schnellstmögliche Rückführung in den seit Jahren bewährten Zustand.“

 

Fabian EwaldNiedermayerstraße: Eine „schräge“ Idee