Vier Empfehlungen aus der Bürgerversammlung vom Oktober zum Thema Tram Johanneskirchen standen bei der Tagung des Untergremiums Planung am Donnerstag, 15. Januar, auf der Tagesordnung. Die Lokalpolitiker konnten die Statements dazu im nur für sie zugänglichen Teil des RatsInformationsSystems (RIS) nachlesen, sie nahmen die Texte zur Kenntnis. Indes: Besucher und Medienvertreter blieben inhaltlich außen vor. Zwei Tage danach waren die Angaben dann unter dem Status „Sitzungsvorlage / Entwurf“ allgemein einsichtbar. Toll!

Antwort (Auszüge; bearbeitet) des Mobilitätsreferats in Abstimmung mit den Stadtwerken München / Münchner Verkehrsgesellschaft (SWM / MVG): „Am 27. Juli 2022 hat der Stadtrat mit Beschluss zur >Tram-Neubaustrecke, Abschnitt Regina-Ullmann-Straße bis S-Bahnhof Johanneskirchen und Verbesserung des anliegenden Straßenraums< der Planung zugestimmt und die SWM / MVG gebeten, den Antrag auf Planfeststellung bei der Regierung von Oberbayern einzureichen (Anm. d. Red.: Pläne wurden wie berichtet auf Eis gelegt):

Die SWM / MVG haben als Vorhabenträgerin die Planfeststellungsunterlagen für die Genehmigung des Vorhabens eingereicht. Für das Projekt Tram Johanneskirchen wird daher derzeit ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt, mit dem Ziel der Genehmigung des Vorhabens durch die Planfeststellungsbehörde, der Regierung von Oberbayern. Die SWM / MVG muss als Antragstellerin hierfür verschiedene Unterlagen und Gutachten einreichen. Hierzu zählt beispielsweise eine Umweltverträglichkeitsprüfung, das die Auswirkungen des Vorhabens auf Mensch und Umwelt untersucht.

Für die Tram Johanneskirchen wurde eine Nutzen-Kosten-Untersuchung mit Prognosehorizont 2035 durchgeführt. Die SWM / MVG sind derzeit bezüglich Untersuchung in Abstimmung mit dem Fördergeber und erwarten ein Nutzen-Kosten-Verhältnis > 1. Das Betriebskonzept der Tram wurde aufgrund des Entfalls des Abschnitts durch den Englischen Garten für die Nutzen-Kosten-Berechnung angepasst. Die SWM / MVG gehen von bis zu 3000 Tram-Fahrgästen je Werktag auf dem Abschnitt Johanneskirchen aus.

Der Mehrwert der Tram Johanneskirchen ergibt sich – neben der genannten Fahrgastprognose – durch • eine barrierefreie, schienengebundene Anbindung an die Innenstadt • eine umsteigefreie und damit attraktivere Anbindung an die Innenstadt • und durch die Erschließung der Helen-Keller-Realschule, die im Rahmen der Schulbauoffensive erweitert wird (höhere Kapazität der Tram im Vergleich zum Bus – gerade auch während der Stoßzeiten des Schulverkehrs wichtig).

Die Parkraumerhebung, die im Rahmen der Vorplanung durchgeführt wurde, ist auf der MVG-Website einsehbar: https://tram-johanneskirchen.mvg.de/tram-johanneskirchen/kontakt-faq/faq-tjo/tjo6

Das Ansinnen einer barrierefreien direkten Zuwegung von der Wendeschleife der Tram zur S-Bahn ist absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig gilt für die 41 S-Bahn-Stationen im Gebiet der Stadt, dass die Aufgabenträgerschaft beim Freistaat Bayern liegt, Bauträger für die Stationen ist die DB Station und Service AG.

Bezüglich einer temporären, vorzeitigen barrierefreien Erschließung der S-Bahn (eben auch in Bezug auf die Planungen zur Tram Johanneskirchen) hat sich Oberbürgermeister Dieter Reiter an die Deutsche Bahn gewandt und diese hat 2023 durch den damaligen Konzernbevollmächtigten für Bayern, Klaus-Dieter Josel, geantwortet:

„Ein vorgezogener barrierefreier Ausbau der S-Bahn-Station Johanneskirchen ist aufgrund der vorhandenen Unterführungsbreite und Verortung nicht möglich. Aus diesem Grund kann hier leider auch kein Aufzug eingebaut werden.“ Das Mobilitätsreferat wird nichtsdestotrotz weiterhin den Verantwortlichen gegenüber die Bedeutung eines barrierefreien Ausbaus sowohl der Station Johanneskirchen wie auch der Stationen Daglfing und Englschalking verdeutlichen.“
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Bemerkung zur Angabe „Die SWM / MVG gehen von bis zu 3000 Tram-Fahrgästen je Werktag auf dem Abschnitt Johanneskirchen aus“: Im Frühjahr 2024 hatte Ruth-Beatrice Lang, Stellvertretende Projektleiterin, im Bezirksausschuss erklärt: „Wir kalkulieren – zusätzlich zur Buslinie 50 – täglich mit rund 5000 Straßenbahn-Fahrgästen.“ Kommentar überflüssig!

Die mehr als 60 Millionen Euro teure, 700 Meter lange, geplante Strecke der Tram Johanneskirchen zum S-Bahnhof: Die Regierung von Oberbayern hat das Vorhaben gestoppt, doch die Stadt will es trotz Finanznot durchsetzen.   Karte: MVG; Foto: hgb