Per einstimmigen Beschluss hatte der Bezirksausschuss im September auf Antrag der CSU das Kulturreferat aufgefordert, das bestehende Informations- und Vermittlungsangebot zur Zeit des Nationalsozialismus für den Nordosten zu erweitern und zu ergänzen. Die vorgeschlagenen Orte und Themen sollen in den KulturGeschichtsPfad des Kulturreferats aufgenommen werden wie auch in der analogen Broschürenreihe und in den digitalen Anwendungen der Stadt.

Diese Initiative wurde im Oktober auf Vorlage erweitert – erneut per einstimmigen Beschluss. Die Ergänzung: Audio- und Videointerviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aufnehmen, um deren persönliche Erlebnisse dauerhaft zu dokumentieren und für die Nachwelt zu sichern.

Geprüft werden soll, ob Audio- und Videoaufzeichnungen in die Dokumentation aufgenommen werden können. Die Teilnahme der Zeitzeugen soll freiwillig erfolgen. Bestehende Projekte oder Archive zur Dokumentation sollen recherchiert / geprüft werden, „ob entsprechende Formate bereits vorhanden sind und genutzt werden können. Das Kulturreferat soll hierzu Vorschläge erarbeiten.“

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Die befürworteten Orte und Achsen: Achse Prinzregentenplatz – Bogenhausen – Flughafen Riem mit Bezug zum KZ-Außenlager Riem und zur Zwangsarbeit auf dem Flughafengelände • Alter Bahndamm von Oberföhring in Richtung Feldkirchen, gebaut von Zwangsarbeitern („ein sichtbares Zeugnis, das nach einer Tafel und einer Station in der digitalen Karte verlangt“).

Die befürworteten Themen und Lebensbereiche:

• Von der Machtergreifung 1933 bis zum Kriegsbeginn 1939: wie sich Nachbarschaft, Vereinsleben, Pfarrei und Schule verändern, wenn Recht durch Willkür ersetzt wird.

• Für viele Menschen im Nordosten war der Luftschutzraum in den Nächten des Bombenkriegs der eigentliche Wohnraum: Fremde Schulter an Schulter, stickige Luft, schwaches Licht, über allem das Dröhnen der Flugzeugmotoren, das Knallen der Flugabwehr. Diese Enge und die ununterbrochene Angst haben eine ganze Generation geprägt und in den Familien nachgewirkt. Die noch erhaltenen Bunker und Luftschutzanlagen im Nordosten sollen daher als Stationen in das erweiterte Angebot im Geschichtslehrpfad aufgenommen werten.

• Kriegs- und Nachkriegszeit im Nordosten und deren Nachwirkungen in den folgenden Jahrzehnten bei den Themen Wohnungsnot, Vertreibung, Wiederaufbau, das Schweigen in den Familien.

• Raum für Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und deren Überlieferungen, einschließlich schriftlicher und audiovisueller Aufzeichnung, solange dies noch möglich ist.

Denn: „Wer aus der Geschichte lernen will, muss ihr im Wortsinn begegnen können. Nicht nur im Geschichtsbuch, sondern auf dem Weg zur Arbeit oder Freizeit. In einer Zeit, in der demokratiefeindliche Parteien Zulauf finden, ist es kein Luxus, sondern eine Pflicht der Stadt, den Bürgern an konkreten Orten in Erinnerung zu rufen, wohin ein anderer Weg schon einmal geführt hat. Für die Stadtbezirke im Nordosten fehlt es an einer geschlossenen, gut auffindbaren Darstellung. Diese Lücke ist nicht historisch begründet, sondern sie ist redaktionellen Ursprungs. Wer weiß, was an seiner Straße, in seinem Stadtviertel geschehen ist, wählt anders, spricht anders und genau darum geht es.“

Ismaninger Straße 77: Erinnerungszeichen für Georg Pöltl an seinem ehemaligen Wohnort – geboren am 1. Dezember 1928 in München, inhaftiert am 3. Februar 1945 im Polizeigefängnis München, ermordet am 3. April 1945 im Konzentrationslager Dachau.    Foto: hgb