MVG: Geheimniskrämerei um Zahlen

19. November 2018

Da fragt man sich: Wer finanziert eigentlich die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG)? Doch die Bürger und die Kunden, mit Steuern und mit Fahrkarten. Warum verweigern die Verantwortlichen dann der Öffentlichkeit detaillierte Angaben zum Fahrgastaufkommen bei U-Bahn-, Bus- und Straßenbahnlinien? Aber immerhin: „Wir sind weiterhin dazu bereit, dem Bezirksausschuss nicht-öffentlich Fahrgastzahlen zu präsentieren und gerne auch zu diskutieren.“

Das geht jetzt aus einer MVG-Antwort, übermittelt von Kurt Kapp, Vize-Chef des Referats für Arbeit und Wirtschaft, auf einen vom 29. August 2017 (!) datierten, seinerzeit einstimmig verabschiedeten Antrag der CSU-Fraktion des Bogenhauser Kommunalparlaments hervor:

„Die Stadt wird ersucht, die MVG zur Veröffentlichung ihrer Fahrgastzahlen zu drängen. Zumindest sollen diese den Bezirksausschüssen zur Verfügung gestellt werden. Es ist nicht weiter hinzuneh­men, dass Anträge städtischer Organe mit der Begründung mangelnder Wirtschaftlichkeit abgelehnt werden, ohne dass diese im Einzelfall belegt werden kann. Ebenfalls nicht hinnehmbar ist für den Bezirksausschuss, zu Verkehrsgutachten zur Beurteilung der verkehrlichen Auswirkungen von Bauvorhaben angehört zu werden, ohne deren Grundlagen zu kennen.“

In der Begründung der von Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller und Peter Reinhardt gezeichneten Initiative heißt es: „Zahlreiche Anträge, beispielsweise bezüglich der Erschließung von Daglfing, wurden in den vergangenen Jahren immer wieder abgelehnt mit der Begründung mangelndes Fahr­gastaufkommen. Ein Beleg hierfür wurde seitens der MVG niemals erbracht.“

Straßenbahn, Bus, U-Bahn: Im vergangenen Jahr nutzten in München 585 Millionen Fahrgäste die öffentlichen Verkehrsmittel. Dem Bezirksauschuss Bogenhausen will für Verbesserungen wissen, wie viel Personen auf welcher Linie unterwegs sind. Die Lokalpolitiker erhalten, so eine aktuelle MVG-Zusage, diese Angaben, nicht aber die Öffentlichkeit. Foto: hgb

Und weiter: „Im Verkehrsgutachten zur Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) Nordost wurde davon ausgegangen, einen nicht unerheblichen Teil des durch die Bebauung entstehenden Verkehrsaufkommens mit Hilfe der S8 bewältigen zu können.

Ob die Kapazitäten hierfür auf der schon gut ausgelasteten Flughafenlinie überhaupt gegeben sind, wussten auf Nachfrage auch die Gutachter nicht, da die MVG Fahrgastzahlen als Betriebsgeheimnis unter Verschluss hält.“ Weder die Stadtverwaltung noch der Stadtrat verfügten bisher über diese Zahlen.

Zum Aspekt Zahlen wird in der Antwort ausgeführt: „Die MVG erhebt und analysiert Fahrgastzahlen, um permanent das Angebot zu überprüfen und dieses möglichst wirtschaftlich an den Erfordernis­sen der Fahrgäste auszurichten und das Angebot weiter zu optimieren. Eine Veröffentlichung der Fahrgastzahlen wie für eine Angebotsplanung notwendig, ist der MVG nicht möglich, da es sich hierbei um sehr sensible Unternehmensdaten handelt und zudem die Datensätze einer fachlichen Erläuterung bedürfen. Allerdings erklärt sich die MVG weiterhin dazu bereit, dem Bezirksausschuss nicht-öffentlich Fahrgastzahlen zu präsentieren und auch zu diskutieren.“

In der Stellungnahme bezüglich der „Sorge, die Kapazität der Flughafenlinie S8 könnte künftig unzureichend sein“, führt Kapp aus: Mit Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke ist auf der S8 derzeit folgendes Betriebskonzept vorgesehen: Auf dem Abschnitt Ostbahnhof – Flughafen wird ganztägig statt dem heutigen 20-Minuten-Grundtakt künftig ein 15-Minuten-Grundtakt angeboten. Dieser wird zusätzlich von Express-S-Bahnen im Takt 30 überlagert. Damit wird sich das Angebot auf der Relation Ostbahnhof – Flughafen gegenüber heute in etwa verdoppeln (circa 124 statt 65 Fahrtenpaare). Mit dieser Angebotsausweitung geht eine Anpassung der Angebote auf der S1 zum Flughafen einher, da hier nach dem Verzicht auf Flügeln/Koppeln ganztägig ein 30 statt 20-Minuten-Grundtakt angeboten wird. Zudem sind weitere Erschließungen des Flughafens im Schienenverkehr geplant beziehungsweise sogar im Bau.“

Alexander MihatschMVG: Geheimniskrämerei um Zahlen