Isarring: Acht Stunden eine Tempo-30-Zone

7. September 2018

Auf dem 28 Kilometer langen Mittleren Ring, im Fachjargon als Bundesstraße 2 R bezeichnet, und somit auch auf dem Isarring, der in etwa diagonal durch Bogenhausen verläuft, geht es meist nur langsam voran. Aber wie langsam sind die täglich mehr als 100 000 Fahrzeuge unterwegs? Dazu hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf den Antrag „Mittlerer Ring: Tempobegrenzung – wie ist die Situation real?“ von CSU-Stadtrat Richard Quaas eine Statistik vorgelegt. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Morgens zwischen 6 und 10 Uhr und spätnachmittags zwischen 16 und 20 Uhr, also zu Zeiten des Berufsverkehrs, erweist sich laut Durchschnittsgeschwindigkeiten die „Stadtautobahn“ als Tempo-30-Zone. Also acht Stunden lang am Tag.

Zwischen 10 und 16 Uhr liegt das durchschnittliche Tempo bei 55 km/h, zwischen 20 und 24 Uhr bei 60 km/h. Ab Mitternacht bis etwa 6 Uhr wurden 65 km/h ermittelt – fünf Kilometer schneller als erlaubt.

Für die Belastung durch Schadstoffe liegen dem Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) keine Messwerte vor. Die Behörde verweist auf Ergebnisse in Baden-Württemberg: „Bei aktuellen Unter­suchungen zur Reduzierung von Tempo 50 auf Tempo 40 bzw. Tempo 30 wurde dort festgestellt, dass Tempo 30 oder 40 auf Hauptverkehrsstraßen nicht zwangsläufig zu einer Verminderung der Fahrzeugemissionen und damit zu einer Verbesserung der Luftqualität führen. Ein wesentliches Kriterium zur Reduzierung der Luftschadstoffemissionen ist die Verstetigung des Verkehrsflus­ses. Die optimale Geschwindigkeit dafür hängt unter anderem von der Art der Straße und der Verkehrsbelastung ab.“

Der Isarring Richtung Schwabing am späten Nachmittag: Der Verkehr läuft mit Schrittgeschwindigkeit wie in einer Tempo-30-Zone. Foto: hgb

Und weiter heißt es: Anhand von Messfahrten wurde gezeigt, dass bei ebener Strecke und bisher schon gutem Verkehrsfluss ein Tempolimit tendenziell höhere Stickstoffoxid-Emissionen im Vergleich zu Tempo 50 bewirkt.

Die motorbedingten Emissionen von Feinstaub nahmen bei Tempo 30 fast an allen untersuchten Streckenabschnitten zu. Personenwagen haben die höchsten Feinstaub-Emissionen bei Tempo 30. Demgegenüber steht allenfalls eine mögliche Minderung der durch Wiederaufwirbelung bedingten Emissionen.“

Das Fazit der Antwort: In den genannten Geschwindigkeitsbereichen kommt es neben der erlaubten Höchstgeschwindigkeit vor allem auf eine Minimierung der Beschleunigungs- und Anfahrvorgänge, also eine möglichst stetige Fahrweise an. Die optimale Geschwindigkeit dafür kann nicht generell bestimmt werden, sondern ist letztendlich auch in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung und dem Verkehrsfluss für jede Straße einzeln zu bestimmen.

Alexander MihatschIsarring: Acht Stunden eine Tempo-30-Zone