Die Pläne des ehemals für 2026 angesetzten und dann auf 2030 verschobenen Abrisses des Arabellahaus sind geschreddert. Der zwischen 1966 und 1969 errichtete Komplex wird ab Frühjahr 2030 – Architekten-Neudeutsch – „revitalisiert“, also entkernt und voraussichtlich bis Ende 2034 von Grund auf modernisiert, erweitert und fit für die Zukunft gemacht. Die Kosten für das Vorhaben liegen, so Pressesprecherin Ellen Scheibl, „im dreistelligen Millionenbereich“. Wobei dreistellig auch 900 Millionen Euro sein können, was angesichts der Kosten für sämtliche Bauarbeiten und Mietausfälle realistisch erscheinen.
„Das Arabellahaus bleibt eine Münchner Ikone – mit öffentlicher Dachterrasse, mit neuer Fassade, öffentlicher Dachterrasse, Durchgang zum Rosenkavalierplatz und der längsten Außenrolltreppenanlage Europas (Anm. d. Red.: auf der Seite der Arabellastraße; Hoteleingang). Ein wegweisendes Pilotprojekt der Bayerische Hausbau Real Estate für die innovative (und ressourcenschonende Erneuerung eines Münchner Wahrzeichens“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die „Aufwertung“, so Scheibl, ist ein „Herzensprojekt der Familie Schörghuber“. Gleichwohl: Wertet die Außenrolltreppenanlage den 153 Meter langen, 75 Meter hohen und 20 Meter breiten Koloss mit 23 Stockwerken tatsächlich auf? Oder ist es eine kühne Architekten- und gar Schnapsidee? Werden doch viele künftige Wohnungen und Büros zumindest teilweise „verschattet“, können Nutzer der Rolltreppe – fraglich ob Senioren oder Personen mit einem Handicap die Fahrt wagen – quasi auf den Teller schauen. Wäre da nicht ein gläserner Aufzug – beispielsweise à la Panoramaaufzug wie am Vittoriano in Rom – mit freier Sicht auf halb München bis ins Alpenvorland die bessere (und günstigere?) Lösung? Nun denn!
Wie auch immer. Das charakteristische Erscheinungsbild des Wahrzeichens bleibt erhalten. Wenn auch die Fassade erneuert und durch ein sogenanntes „Auge“ – mit einem Durchbruch auf Höhe des 15. bis zum 19. Stockwerk – geöffnet wird. Möglich wurde der Erhalt des Gebäudes durch Erleichterungen in der Bayerischen Bauverordnung sowie innovative bautechnische Lösungen.
Geöffnet wird auch das Dach des Arabellahauses: Künftig wird die großzügige Dachterrasse öffentlich zugänglich sein. Geplant sind begrünte Flächen mit Gastronomie, Kultur- und Sportangeboten sowie frei nutzbare Aufenthaltsbereiche mit spektakulärem Blick über München.
„Das Arabellahaus ist ein Stück Münchner Stadtgeschichte. Unser Ziel ist es, das Gebäude in eine neue Zeit zu führen – attraktiver, nachhaltiger und offener für die Menschen in München“, so Stefan Bögl, Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau.
Auch rund um das Gebäude sind zahlreiche Verbesserungen vorgesehen: Neue öffentliche Wege und eine großzügige Passage sollen das Arabellahaus noch stärker mit seinem Umfeld verbinden. Dazu ist unter anderem ein neuer Zugang zum Rosenkavalierplatz geplant. Zudem entsteht mit dem „Skygarden“ eine Terrasse im Durchbruch, die Mieterinnen und Mietern – allen wurde mitgeteilt, dass „die bisherige Nutzung nach sechs Jahrzehnten nicht fortgeführt werden kann“, ihnen wurde also gekündigt – neue Möglichkeiten für Begegnung und Aufenthalt schaffen soll. Im Inneren bleibt das bewährte Konzept aus Wohnen, Hotel, Gesundheitsangeboten, Geschäften und Gastronomie erhalten. Neu ist die Schaffung preisgedämpften Wohnraums.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist die Nachhaltigkeit: Die bestehende Struktur soll durch den Anbau einer neuen Gebäudeschicht, so genannte Regale, ergänzt und aufgewertet werden. Es werden so rund 16 500 Quadratmeter zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Mit diesem innovativen Ansatz und dem Erhalt der bestehenden Gebäudestruktur können große Mengen der vorhandenen Baumaterialien weiter genutzt werden. Das spart Ressourcen und vermeidet die Emission von rund 20 000 Tonnen CO₂-Äquivalenten – das entspricht einer Waldfläche in der Größe von etwa 2800 Fußballfeldern.
Gleichzeitig werden Technik, Energieversorgung und Dämmung des Gebäudes umfassend modernisiert. Zusätzlich werden neue Lösungen zur Energiegewinnung geprüft, darunter Photovoltaik auf Dachflächen. So können moderne Standards hinsichtlich Energieeffizienz und Umweltanforderungen erfüllt werden.

