Olympisches Dorf, kurz Olydorf, in Daglfing 2036 / 2040 / 2044. Mit ernster Sorge um die Zukunft unserer Stadt – so lautet der Schlusssatz eines Mannes zu seinem Antrag bei der Bürgerversammlung, der bei zwei Gegenstimmen von den mehr als 500 Besuchern befürwortet wurde. Im Fokus für das sportliche Spektakel unter den fünf farbigen Ringen: Bogenhausen! Eigentlich sind es zwei Dörfer, nämlich das Olympische (und Paralympische) Dorf sowie das Mediendorf.
Der Antrag: „Die die Stadtverwaltung wird aufgefordert, möglichst rasch eine zeitliche Perspektive der Planung und praktischen Verwirklichung des Olympischen Dorfs in Daglfing für die Ziel-Horizonte 2036, 2040, 2044 oder später öffentlich mit Antworten darzustellen.
► Wo, wann und wie sollen die Baustellenstraßen zum Olydorf in Daglfing hergerichtet werden?
► Welches Transportvolumen – also die Größenordnung der Lastwagenfahrten – wird in der beabsichtigten Bauzeit zu erwarten sein?
► In welchem Umfang wird die notwendige Verkehrsinfrastruktur – Straßen und ÖPNV-Anbindungen – bis zur Fertigstellung des Olydorfs bereitstehen?
► Wie wird sich der viergleisige Ausbau der S8-Trasse zwischen Zamdorf, Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen auf die Fertigstellung des Olympischen Dorfs auswirken, wenn der (aktuell bekannte) früheste Baubeginn 2038 sein wird?
► Inwieweit werden die beschrankten Bahnübergänge in Daglfing und Englschalking überhaupt noch nutzbar sein, wenn mit der Inbetriebnahme des Brenner-Basis-Tunnels ab 2034 das Güterzugaufkommen auf der S8-Trasse massiv zunehmen wird?
► Verfügt die Stadt über einen Plan B, möglicherweise mit dem jetzt schon aktiven Stadtentwicklungsstandort Freiham, dessen Fertigstellung auf die zeitlichen Ziel-Linien 2036, 2040 oder 2044 realistischer absehbar ist als in Daglfing? *
Tags drauf die Nachricht aus dem Rathaus: Das Olydorf im Nordosten kann geplant werden: Der Planungsausschuss des Stadtrats hat grünes Licht für die Finanzierung der Entwicklung des Gebiets gegeben. Die genehmigten Kosten liegen bis zum Jahr 2030 bei 8,95 Millionen Euro.
Dazu Sebastian Kriesel, Planungssprecher der CSU-Fraktion: „Wir stehen zu Olympia, zum Olympischen Dorf und zum Wohnungsbau im Nordosten. All dies ist ohne das Instrument der Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM) möglich, indem wir einzelne Bebauungspläne aufstellen. Wir haben mehrfach die Aufhebung der SEM gefordert, die letztlich Enteignungen ermöglicht und bei den Grundstückseigentümern auf massiven Widerstand stößt. Die Stadtregierung muss diesen Konflikt endlich lösen und nach etlichen verlorenen Jahren mit dem Wohnungsbau vorankommen. Die CSU befürwortet ein kooperatives Modell, das auf Augenhöhe mit den Grundstückseigentümern entwickelt wird. Kurzum: Wir sagen Ja zum Olympischen Dorf und zum Wohnungsbau, aber Nein zur SEM.“ *
Klar ist: Viele Anwohner fürchten um ihre ländliche Idylle, sehen sie durch den Bau des Olydorfs bedroht. Daniela Vogt, Vorsitzende vom Bündnis NordOst e.V.: „Erschließung, Verkehrsinfrastruktur, Grundwasser – das passt alles nicht zusammen.“ Sie forderte eine Einwohnerversammlung in den kommenden drei Monaten. Und: Sie hat einen Brief an das Olympische Komitee (IOC) geschrieben – „die müssen doch die Wahrheit erfahren.“ Ein Mann forderte von der Stadt umgehend detaillierte Informationen, denn: „Sollte München den Zuschlag für 2036 bekommen, dann wird es eng!“ *
Wissenswerte Aspekte rund um die SEM und das Olympiadorf:
► Wohnraum laut Stadtangaben für 18000 bis 19000 Athleten und Betreuer.
► Laut Stadtangaben würde durch die anschließende Nachnutzung ein neues klimaneutrales Stadtquartier mit rund 4000 Wohnungen für etwa 10000 Menschen entstehen.
► Für die SEM auf rund 600 Hektar Fläche zwischen Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen kalkuliert die Stadt mit 30000 Einwohnern. Hochgerechnet vom Olympischen Dorf mit rund 4000 Wohnungen für etwa 10000 Menschen wären’s bei einer SEM-Umsetzung mit 30000 Personen das Dreifache an Wohnungen, also 12000! In den SEM-Plänen sind maximal 10600 Wohneinheiten verankert.
► Die besagten rund 600 Hektar bestehen laut Verwaltung aus 600 Flurstücken. In Privatbesitz befinden sich 450 Hektar (350 Flurstücke, etwa 525 Eigentümer). Der Stadt gehören rund 150 Hektar (250 Flurstücke einschließlich Straßengrundstücken).
► Stadtbaurätin Elisabeth Merk antwortete unlängst auf eine Anfrage im Rathaus: Die zu überplanende Fläche beschränkt sich auf circa 330 Hektar. Weitere Flächen sind als Ausgleichsflächen für die geplante Entwicklung erforderlich. Von den rund 330 Hektar befinden sich etwa 120 Hektar im Eigentum der Stadt. Daraus ergibt sich eine Differenz von ungefähr 210 Hektar. Da schau he: Plötzlich gehören der Stadt also 30 Hektar weniger – ein Areal so groß wie das Wohnquartier Prinz-Eugen-Park!

