Das Referat für Umwelt und Klimaschutz wird gebeten, dem Bezirksausschuss über die aktuelle Grundwassersituation und die langjährigen Schwankungen im Gebiet der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) im Nordosten von Bogenhausen Auskunft zu geben.“ Das forder-te jetzt die CSU-Fraktion in einem einhellig verabschiedeten Antrag im Kommunalparlament.
In der Begründung der Initiative wurde ausgeführt: Im Sommer 2025 wurden die Grundwasser-stände in der Zahnbrechersiedlung gemessen, den Bürgern wurden aber keine Auskünfte erteilt, mit Verweis, man solle sich an die zuständigen Stellen wenden, was hiermit geschieht. Der Bezirksausschuss bittet das Referat für Umwelt und Klimaschutz, um Auskünfte über die aktuellen Grundwasserstände sowie die langfristigen Schwankungen, die aufgetreten sind. Die Bürger kla-gen über feuchte Keller, teilweise Risse in den Kellern und vermuten Zusammenhänge mit den aktuell hohen Grundwasserständen.
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Mit der SEM sollen auf einem mehr als 600 Hektar großen Areal entlang der S-Bahnlinie zum Flug-hafen, entlang von Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen, eingerahmt von den Grenzen zu den Landkreis-München-Gemeinden Unterföhring und Aschheim sowie dem Lebermoosweg (ehe-malige Gütergleis-Trasse) und der Riemer Straße auf der grünen Wiese Wohn- und Gewerberaum für 30 000 Bewohner (rund 10 600 Einheiten) und 10 000 Arbeitsplätze entstehen soll,
Dass das Grundwasser dort ein Problem darstellt, das ist seit Jahren, ja seit Jahrzehnten bekannt. Aber wie groß ist das Problem wirklich? Im Oktober 2024 wurde im Kommunalparlament klar, dass das Problem weitaus größer ist als bisher angenommen, dass es bislang verharmlost worden ist. Säuft folglich die SEM ab?
Landwirt Johann Oberfranz, organisiert und engagiert in der Bürgerinitiative Heimatboden, seiner-zeit zur Grundwasser-Aussage von Planerin Philine Stadtmüller „Gutachter sind vor Ort und prüfen“: „In Johanneskirchen ist das Grundwasser an der Oberfläche, in Daglfinger Häuser steht es in den Kellern.“ Seine Nachfrage „Ist somit eine Bebauung überhaupt möglich?“ blieb – kaum verwunder-lich – unbeantwortet.
Werner Hoffmann, in den frühen >Achtzigern< 16 Jahre Mitglied im Bezirksausschuss und davon zehn Jahre CSU-Fraktionssprecher, als Architekt vormals in der Obersten Baubehörde des Frei-staats tätig und somit Kenner von Bauplanungen: „Den Grundwasserstrom auf der gesamten Flä-che, im südöstlichen Oberbayern, gibt es gemäß geologischen Karten seit jeher, da braucht man keine Gutachten.“
Ist dann eine Bebauung zum Scheitern verurteilt? Hoffmann damals: „Für Geld, viel Geld, ist alles möglich, für viel Geld machen Firmen alles. Zum Beispiel Venedig. Die Stadt steht im Wasser. Aber es geht. Es geht mit viel Geld. Es ist halt alles wahnsinnig teuer.“
Für irre viel Geld kann man auch den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke in einen Tunnel – im Rathaus beschlossene Voraussetzung für angrenzende Wohngebäude – verlegen. Notwendig dafür
ist ein langer und dicker Düker. Machbar. Aber eben kostspielig. Kleine Häuser sind ohne Wannen, ohne Keller, denkbar. Mit Wannen wird’s wesentlich teurer. Und vier-, fünf-, sechsgeschossige Ge-bäude? Machbar – mit unzähligen Betonpfählen. Neue Wohnungen sind dann wohl unbezahlbar.
Gleichwohl – das Problem Grundwasser bleibt. Es wird wohl noch verstärkt durch die Verdrängung per Düker, per Wannen, per Rammen. Komplette Verdrängung des Wassers in den geplanten Ba-desee? Ein Experte dazu: „Eine irrwitzige Annahme!“
