Wer hätte das gedacht: Eine Schnecke, genauer die „Bayerischen Zwergdeckelschnecke“, sorgt in Bogenhausen für Furore, ja für Streit. Zu finden – wohl nur mit einer supergroßen Lupe erkennbar – ist das etwa zwei bis vier Millimeter große, grün schimmernde, mit Algen überzogene Tierchen in der Naturidylle Grüntal, am Brunnbach, in einem kleinen Bereich an der Brunnbachleite, dem Weg entlang des Bachufers.

Entdeckt wurde die später von einem Schneckenexperten als „Sadleriana bavarica“ bezeichnete Art vor 40 Jahren von dem Biologen Werner Colling. Eine Reliktart, ein Unikat aus der Eiszeit, das tausende Jahre an der Brunnbachquelle überlebt hat, wie das Referat für Klima und Umweltschutz (RKU) vermutet. Ja sogar betont.

Oder ist’s vielmehr eine Eiszeit-Ente, die nunmehr zu einer Behörden-Ente mutiert ist? Davon ist Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter und CSU-Fraktionssprecher im Kommunalparlament, überzeugt auf Grundlage einer bereits 2023 veröffentlichten Studie in einem wissenschaftlichen Fachmagazin.

Laut Anwalt Benno Ziegler, von Brannekämper eingeschaltet, hat der Weichtierkunde-Professor Andrzej Falniowski von der Universität Krakau die Bogenhauser Schnecke genetisch untersucht. Und die DNA der Brunnbach-Schnecke mit weit verbreiteten Verwandten auf dem Balkan untersucht. Ergebnis: Genetische Übereinstimmung! Vermutlich haben Urlauber vor vielen Jahren einige Winzlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien mitgebracht und im Grüntal ausgesetzt. Wie auch immer.

Gleichwohl „warnt“ das Umweltreferat im Internet: „Die Zwergdeckelschnecken sind stark gefährdet. Schon kleinste Eingriffe oder Verschmutzungen könnten ihr Zuhause zerstören. Bitte achtsam bleiben, nicht ins Wasser steigen, keine Steine umdrehen, nichts verändern“. Gemäß Behörde handelt es sich um eine hochsensible Art, die kühles und sauberes Wasser braucht.

Aufgeploppt ist die Thematik vor Kurzem im Untergremium Umwelt des Bezirksausschusses. „Naturschutzfachliches Schutz- und Informationskonzept Brunnbach – Vorstellung durch das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU)“ hieß es da.

Das RKU-Fazit vorweg: Zum Schutz des Weichtiers müsse man eine kleine Holzbrücke sperren sowie zwei Bänke abbauen, den Bachlauf verlegen und das umliegende Gelände vor einer Parkbank einzäunen, was teils zwischenzeitlich gemacht worden ist.

Wohlgemerkt: Alles kein Scherz! Vielmehr ein ausgearbeiteter Plan der Behörde. Als ob’s in München – nicht zuletzt wegen leerer Kassen – keine anderen Probleme gibt. Wahnsinn: Als ob’s jemals ein Mensch vom Weg abgewichen und an besagter Stelle ans Bachufer gegangen ist!

Auszüge (bearbeitet) aus dem Protokoll der Tagung des Unterausschusses:Laut Stellvertreterinnen des Referats gibt es im Bereich des Brunnbachs vier seltene Indikatorarten, die nur an kalten, nährstoffarmen Bachläufen vorkommen. Durch die bisher recht intensive Nutzung der Flächen werden diese Arten durch die verschlechterte Wasserqualität beeinträchtigt, die Zahl nimmt ab. Die Schutzzonen müssen deshalb ausgewiesen sein, eigentlich nicht betreten werden und Hunde angeleint sein. Es sollen sechs Schilder an den Rändern der Fläche aufgestellt werden, die auch die Regeln benennen. Zudem sollen dort auch Informationen zu drei Themen im Wechsel aufgeführt sein: Historie, Arten und zum Brunnbach selbst. Es gibt zwei Varianten für das Schutzkonzept.

Die Brücke südlich der beiden Holzbrücken wird für den öffentlichen Verkehr gesperrt, die Brücke zum Grüntal bleibt offen. Es ist eine Schutzzäunung aus Holz für die beiden Quellbereiche vorgesehen. Zudem soll ein Bankstandort entfernt werden, um den Aufenthalt direkt im Quellbereich zu vermeiden. Dieser könnte verlegt werden. Die Langgraswiese sollte erweitert werden, um die Quelle westlich besser zu schützen. Zudem sind drei Hundestationen vorgesehen, mindestens eine wäre dringend erforderlich.

Sperren des Wegs am Westufer, um den Zugang zu verhindern. Der Hauptweg weiter westlich müsste im Gegenzug ausgebaut werden. Es gibt hier aber größere Hindernisse (Entwidmung, Gewässerunterhalt braucht den Weg, finanzielle Belastung). Laut Aussage des Referats wird diese Variante nicht bevorzugt.

• Es gibt kontroverse Diskussionen über die Zugangsbeschränkungen und den möglichen Entfall von Bänken. Es wird vorgeschlagen, den einen Bankstandort gegenüber des Quellbereichs zu erhalten und weiter nördlich zu versetzen. Auf den Schildern ist auch vorgesehen, Hinweise zum Thema Baden für Hunde (außerhalb des Gebiets) zu geben. Es wird zudem vorgeschlagen, eine temporäre Vorabbeschilderung anzubringen, um die geplanten Maßnahmen anzukündigen. Es ist auch ein Bürgerspaziergang vorgesehen, dieser sollte vor der Umsetzung stattfinden. Es wird eine Beschlussvorlage ausgearbeitet, die dem Bezirksausschuss zur offiziellen Anhörung vorgelegt wird.

Diese lauschige Stelle am Brunnbach im Grüntal hat das Referat für Klima und Umweltschutz zum Schutz der winzigen Zwergdeckelschnecke absperren lassen, um Spaziergänger vom Ufer fernzuhalten. Als ob jemals jemand dort durchgestampft ist!     

Brückerl am Brunnbach: Soll gesperrt oder abgebaut werden wegen der Zwergdeckelschnecke – irre Idee und kostspieliger Maßnahme des Klimareferats.    Fotos: hgb

„Für eine Abkühlung im Wasser nutzen Sie bitte den Bereich bachabwärts an der zweiten Brücke“ heißt es auf diesem Schild. Als ob jemals jemand dort jemand gebadet hat oder im Wasser spazieren war.