Das Referat für Umwelt und Klimaschutz wird gebeten, dem Bezirksausschuss über die aktuelle Grundwassersituation und die langjährigen Schwankungen im Gebiet der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) – dem 600 Hektar großen Areal jenseits der Bahntrasse zwischen Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen – Auskunft zu geben. Dazu hat nunmehr die Behörde Stellung bezogen.
Die Begründung des Antrags der CSU-Fraktion, gezeichnet von Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter und CSU-Fraktionssprecher: „Im Sommer 2025 wurden die Grundwasserstände in der Zahnbrechersiedlung gemessen, den Bürgern wurden aber keine Auskünfte erteilt, mit Verweis, man solle sich an die zuständigen Stellen wenden, was hiermit geschieht. Denn die Bürger klagen über feuchte Keller, teilweise Risse in den Kellern und vermuten Zusammenhänge mit den aktuell hohen Grundwasserständen.
Das Statement des Referats (Auszüge, bearbeitet): Im SEM-Gebiet werden die Grundwasserstände regelmäßig durch Handmessungen mit einem Lichtlot mindestens alle zwei Wochen gemessen. Einzelne Messstellen werden auch wöchentlich gemessen, während die Messstellen die Messstellen KPA 222, BWPA 416, BWPA 356 und KPA 243 (siehe Karte) mit einem Datenlogger ausgestattet sind, die stündlich den Grundwasserstand erfassen. Die Messreihen reichen bei einzelnen Messstellen bis in die 1960er Jahre zurück, wobei ein Großteil der Messstellen erst in den 1980er Jahren errichtet wurde.
Im Münchner Norden, Nordwesten und Nordosten liegt der natürliche Grundwasserspiegel sehr oberflächennah. Dies hat geologische Gründe, da die Münchener Schotterebene nach Norden hin von der Mächtigkeit stark abnimmt und das Gefälle der Geländeoberkante (GOK) dabei wesentlich steiler einfällt als das hydraulische Gefälle im Grundwasserleiter. Dadurch liegt der Grundwasserspiegel in diesen Gebieten bei Mittelwasserverhältnissen im Bereich von etwa zwei Meter unter der Geländeoberkante. Bei sehr hohen Grundwasserständen kann dabei das Grundwasser so hoch ansteigen, dass es bis kurz unterhalb der Geländeoberkante reicht oder sich sogar an der Oberfläche Vernässungszonen bilden können.
Durch die Schneeschmelze im November 2023 und die Regenereignisse im Jahr 2024 war der Grundwasserspiegel im Nordosten, aber auch im Rest des Stadtgebiets sehr hoch. Aufgrund dieser sehr hohen Grundwassersituation wurden im SEM-Gebiet teilweise Grundwasserstände erfasst, die weniger als ein Meter unterhalb der Geländeoberkante lagen. Der höchste Grundwasserstand von 1940 (HW1940) wurde dabei in der Zahnbrechersiedlung und im Großteil des SEM-Gebiets nicht erreicht. Lediglich bei den nördlichen Messstellen KP 926 und KP 256 wurden höhere Messwerte als beim HW1940 gemessen. Der HW1940-Wasserstand wurde bei diesen beiden Messstellen in den letzten 40 Jahren schon öfters überschritten, was daran liegt, dass die Grundwassergleichen des HW1940 hier eine zu niedrige Höhenkote aufweisen. Daher muss im Umfeld der beiden Messstellen KP 926 und KP 256 ein höherer Sicherheitszuschlag für eine Hochwassersituation im Grundwasserleiter berücksichtigt werden.
Die langfristige Entwicklung der Grundwasserstände im SEM-Gebiet zeigt für die letzten 30 Jahre (Zeitraum 1995 bis 2025) an allen Messstellen tendenziell abnehmende Grundwasserstände. Besonders deutlich ist der Grundwasserspiegel in den Messstellen KP 238, KP 239 und BWPA 413 gesunken. Die tendenziell abnehmende Entwicklung ist eine Folge des Klimawandels durch das Defizit in der Grundwasserneubildung.
Die jährliche Grundwasserneubildung war seit 2003 im Vergleich zur Referenzperiode 1971 bis 2000 insgesamt unterdurchschnittlich und in Einzeljahren bestenfalls durchschnittlich. Für ganz Bayern wird hierbei vom Landesamt für Umwelt ein Defizit von durchschnittlich 15 Prozent angegeben. Die derzeitigen Grundwasserstände (Stand März 2026) bewegen sich im SEM-Gebiet im Mittelwasserbereich oder leicht darunter. Man kann daher nicht mehr von einer hohen Grundwassersituation sprechen.
Unter https://geoportal.muenchen.de/portal/grundwasser/ können die aktuellen Grundwasserstände (14-tägige Messungen) abgerufen werden. Über den Gewässerkundlichen Dienst Bayern können weitere Grundwasserdaten (tägliche Messwerte) abgerufen werden: https://www.gkd.bayern.de/de/grundwasser/oberesstockwerk/isar
Für weitere Fragen stehen Mitarbeiter des Referats unter der E-Mail-Adresse grundwasser.rku@muenchen.de zur Verfügung. Weitere Informationen rund um das Thema „Umgang mit hohen Grundwasserständen“, rechtliche Aspekte sowie die langfristige Entwicklung der Grundwasserstände in den letzten Jahren gibt’s unter https://risi.muenchen.de/risi/sitzungsvorlage/detail/8821194

