Neues Radverkehrsnetz für München, stadtbezirksübergreifende Radverkehrsverbindungen – Beschlussentwurf – Anhörung des Mobilitätsreferats“: Die Stellungnahme dazu löste im Bezirksausschuss (BA) nicht gerade Euphorie aus. „Es gibt noch viele offene Fragen, der Entwurf ist handwerklich einfach schlecht gemacht“, kritisierte CSU-Stadtrat Jens Luther. Gleichwohl: Die Mehrheit, 19 Lokalpolitiker, stimmte zu, die CSU-Fraktion lehnte geschlossen mit zwölf Stimmen ab. Was steckt dahinter? Bearbeitete Auszüge der Vorlage.
► Die maßgebende Zielgruppe ist der Alltagsradverkehr. Das Radverkehrsnetz soll die gelebte Praxis der Radfahrenden in München abbilden.
► Ein modernes Radverkehrsnetz mit stadtbezirksübergreifenden Verbindungen ist die konzeptionelle Basis für jegliche Radverkehrsplanung und bildet zudem einen wichtigen Baustein bei Planungen im öffentlichen Straßenraum.
► Der Stadtrat hat die Forderungen des Bürgerbegehrens „Radentscheid“ übernommen. Darin ist als ein Ziel enthalten: Ein lückenloses Netz aus optisch hervorgehobenen Radvorrangrouten verbindet alle Stadtbezirke, etwaige Radschnellwege und wichtige Orte des öffentlichen Lebens (wie Hochschulen, Fernbahnhöfe, Kultureinrichtungen). Unter Radvorrangrouten (RVR) sind zusammenhängende Radverkehrsanlagen mit ebenen Oberflächen zu verstehen. RVR ermöglichen kurze Reisezeiten mit geringem Zeitverlust und wenigen Stopps sowie ein hohes Radverkehrsaufkommen.
► Die Umsetzung eines Radverkehrsnetzes verfolgt darüber hinaus das Ziel einer geordneten städtebaulichen Entwicklung und soll dazu beitragen, den Straßenverkehr im Hinblick auf die Nutzungsansprüche der Radfahrenden verträglich abzuwickeln.
► Qualitätsstandards: · Regelbreite Einrichtungsradweg 2,5 Meter, Regelbreite Fahrradstraße mit Kfz-Verkehr in beide Fahrtrichtungen 4,60 Meter zuzüglich Sicherheitstrennstreifen zu Parkplätzen · Durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit 20 bis 25 km / h · Gute Wiedererkennbarkeit als durchgängig wahrnehmbares, hochwertiges Produkt · Ortsfeste Beleuchtung · Winterdienst · Reinigung.
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Rückblick im Zusammenhang mit dem Plan >Radverbindung Innenstadt nach Markt Schwaben<: Der BA begrüßt die Absicht, ein flächendeckendes Radverkehrsnetz mit Radvorrangrouten auszuweisen, die im Entwurf enthaltenen Routen sind grundsätzlich positiv einzuschätzen. Jedoch kann keine einzige der im Stadtbezirk 13 vorgesehenen Radvorrangrouten zum aktuellen Zeitpunkt die in der Vorlage aufgeführten Anforderungen erfüllen und ohne umfangreiche bauliche Maßnahmen werden diese auf absehbare Zeit auch nicht zu erreichen sein.
Der BA bittet das Mobilitätsreferat um ausführliche Rücksprache zu den einzelnen Radverbindungen:
• Montgelasstraße: Aufgrund der Steigung und des mit der erhöhten Geschwindigkeit verbundenen Unfallrisikos ist der Radweg seit vielen Jahren Gegenstand zahlreicher Bürgerbeschwerden. Als Tangentialverbindung in den Englischen Garten ist die Montgelasstraße für den Radverkehr unersetzbar, stellt jedoch aufgrund der geringen Breite und der Einmündung der Möhlstraße ein erhebliches Sicherheitsrisiko bei hoher Frequentierung dar. Ohne umfangreiche Verkehrsberuhigung ist eine Verbreiterung des Radwegs nicht absehbar.
• Isarring: Aufgrund des begrenzten Straßenschnitts sind bauliche Verbesserungen bei Beibehaltung der Fahrspuren nicht möglich. Wegen des geringen Fußverkehrs ist die Breite des Radwegs ein eher geringfügiges Problem. Eine Ausnahme stellt die Steigung des Wegs auf der südlichen Straßenseite Richtung Effnerplatz dar, wo es keinen eigenen Radweg gibt.
• Bülowstraße: Die Trennung vom Fußverkehr ist hier dringend notwendig, der aktuelle Zustand ist beidseitig nicht ausreichend. Ein Prüfauftrag für die Südseite wurde bereits vom BA beschlossen und vom Mobilitätsreferat bearbeitet, ein Entfall von 32 Stellplätzen ist allerdings gegenwärtig nicht mit dem hohen Parkdruck vereinbar.
• Richard-Strauss-Straße: Der Radweg ist deutlich zu schmal, aufgrund der Begrenzung durch die Grünstreifen und durch die Parkbuchten ist ein gefahrloses Überholen nicht möglich.
• Leuchtenbergring: Die Unterführung ist aktuell nicht für hochfrequentierten Radverkehr geeignet, der abschüssige Teil auf der Südostseite gehört aufgrund des schmalen Radschutzstreifens auf der Fahrbahn zu den unangenehmsten Radstrecken in Hinsicht auf das Sicherheitsgefühl.
• Englschalkinger Straße: In wenigen Abschnitten ist der Radweg ausreichend verbreitert worden, der Ausbau des östlichsten Teils ist bereits beschlossen. Zur Erfüllung der Funktion als RVR ist insbesondere der Bereich zwischen Effner- und Cosimastraße auszubauen, da hier der Radweg sehr frequentiert genutzt wird und es zu Konflikten insbesondere am Klinikum Bogenhausen kommt.
• Vollmannstraße: Der Zustand ist unzureichend, ohne bauliche Veränderungen ist in der Vollmannstraße nichts zu machen. Es gab vor Jahren Gespräche zur Umsetzung des Radentscheids. Diese wurden jedoch auf Eis gelegt, bevor sie den BA erreichten. Der BA wünscht eine Wiederaufnahme der Gespräche.
• Cosimastraße: Aufgrund der Tramtrasse ist ein Ausbau des Radwegs ohne Entfall hunderter Stellplätze oder einer Entfernung des Baumgrabens nicht möglich. Beides ist nicht gewünscht und so stellt der bauliche Zustand ein Problem hinsichtlich einer Ausweisung als Radvorrangroute dar. Zudem kommt es aufgrund des mit Pappeln bewachsenen Grünstreifens häufig zu Wurzelaufbrüchen.
• Hultschiner – / Eggenfeldener Straße: Ein Ausbau des lückenhaften Radwegs ist auf absehbare Zeit nicht realisierbar (im Bereich der Friedrich-Eckart-Straße nur durch Entfall zahlreicher Stellplätze möglich). Die Autobahnunterführung ist aufgrund des fehlenden baulich getrennten Radwegs ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den Radverkehr.
• Salzsenderweg: Die Probleme bezüglich der Trennung des Fuß- und Radverkehrs und der dafür erforderlichen Wegbreite ist bekannt, eine Machbarkeitsstudie läuft. Die Aufnahme des Wegs in den Zuständigkeitsbereich des Winterdiensts ist hinsichtlich der Funktion als Schulweg und bereits heute hochfrequentierte Radroute ausdrücklich zu begrüßen.
• Freischützstraße: Hier gelten ähnliche Bedingungen wie bei der Cosimastraße, jedoch ist das Radverkehrsaufkommen ein wenig geringer. Die Einfädelung des endenden Radwegs im Bereich nördlich der Johanneskirchner Straße ist nach wie vor nicht wirklich sicher gelöst.
• Johanneskirchner Straße (Ost): Eine bauliche Trennung des Radverkehrs von der Fahrbahn ist aufgrund der geringen Breite des Straßenschnitts nicht möglich. Eine Lösung ist nicht absehbar.
• Brodersenstraße: Hier ist im Kontext der Planungen für das Neubaugebiet im Nordosten ein neuer Straßenquerschnitt zu erarbeiten, der einen ausreichend breiten Radweg beinhaltet.
• Fidelio- / Stegmühlstraße: Die Fideliostraße soll nach übereinstimmendem Wunsch des BAs und des Mobilitätsreferats als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Hierfür ist die Frage der Rechtskonformität mit dem bestehenden R-adweg zu prüfen, ein Rückbau sollte aufgrund der Schulwegsituation nach Möglichkeit nicht erfolgen. Die Stegmühlstraße soll zukünftig nicht mehr für den MIV freigegeben werden, wenn der viergleisige Ausbau der Bahn abgeschlossen ist. Bis dahin muss allerdings eine Übergangslösung gefunden werden, um den Radverkehr sicherer zu machen.
• Glücksburger – / Kunihoh / Burgauerstraße.: Mittelfristig ist hier nur die Ausweisung einer durchgehenden Fahrradstraße eine Option zur Erreichung der Ziele. Ein baulicher Radweg erscheint aufgrund der Enge unrealistisch. Eine südliche Verbindung in den Bereich des Gleisdreiecks nach Trudering wird ausdrücklich begrüßt.
• Prinzregentenstraße: Diese stellt ebenfalls eine zentrale Verbindung in die Innenstadt dar und sollte zumindest als Prüffall in den Plan aufgenommen werden. Hier wäre eine Rad-Bus-Spur möglicherweise eine ansatzweise verträgliche Lösung, jedoch nur mit einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs, welche auch für die Planungen im Bereich westlich des Europaplatzes dringend erforderlich ist.
• Ostpreußenstraße: Sie rein funktional eine Lücke im Entwurf. Allerdings bietet sie eine der schlechtesten Ausgangsbedingungen für den Radverkehr im ganzen Stadtbezirk. Deshalb sollte eine Aufnahme in das Radvorrangnetz erstmal nicht weiterverfolgt werden.Stattdessen ist die Aufnahme der Marienburgerstraße zu prüfen, die bereits heute größtenteils eine Fahrradstr. ist und so die Lücke schließen kann. Zusätzlich sollte die Westpreußen- mit Verlängerung über die Graudenzer Straße geprüft werden. Letztere kann die Vorgaben allerdings nur mit umfangreichen Maßnahmen inklusive der benachbarten Straßen auf einen verträglichen Stand gebracht werden.

