Die Gelbe Tonne für Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen wie Joghurtbecher, Konservendosen oder Tetra-Paks kommt – ab Januar 2027 wird sie schrittweise und flächendeckend in den 25 Münchner Stadtbezirken eingeführt. Und zwar kostenlos. Damit entfällt die (freiwillige) Abgabe an den Wertstoffinseln, an denen nur mehr Container für Weiß-, Grün- und Braunglas stehen. Also vielerorts keine weiten Wege mehr.

Januar 2017 also. Endlich. Warum endlich? Zum Vergleich einige wahllos herausgesuchte deutsche Städte, wann die die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack eingeführt haben.

Hamburg: Gelbe Tonne löst Gelber Sack ab – Anfang 2011; Nutzung kostenlos, es können beispielsweise auch Plastikspielzeuge oder Kochtöpfe eingeworfen werden

Frankfurt: Gelbe Tonne seit 1992

Esslingen: Gelbe Tonne ab 2021, zuvor Gelber Sack

Freiburg: Gelbe Tonne seit 1993

Essen: Gelbe Tonne seit 2021

Köln: Gelbe Tonne seit 2014

Bamberg / Nürnberg / Augsburg: Gelbe Tonne seit 2020

Würzburg: Gelbe Sack seit 1991

Ziel der Gelbe-Tonne-Einführung ist es, die Mülltrennung zu vereinfachen und Wertstoffe effizienter zu recyceln. Gleichwohl: Die Einführung bringt organisatorische Herausforderungen mit sich. Vor allem die Frage nach ausreichend Platz für zusätzliche Müllbehälter beschäftigt Hausverwaltungen und Hauseigentümer.

Antrag im Bogenhauser Kommunalparlament vor drei Monaten: Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) wird gebeten, dem Bezirksausschuss „zeitnah einen verbindlichen Termin für die Einführung der Gelben Tonne im Stadtbezirk mitzuteilen“. Darüber hinaus wollten die Lokalpolitiker „eine klare Aussage, wann die veralteten Glascontainer durch barrierefreie Modelle ersetzt werden“. Die Anfrage war im Stadtteilgremium einstimmig verabschiedet. Worden. Vorweg: Bis dato liegt keine Antwort vor!

Beschluss im Stadtrat: Im Dezember 2022 (!) wurde die Durchführung eines Pilotversuchs mit verschiedenen Holsystemen für Verpackungen (Konservendosen, Kunststoffverpackungen, TetraPaks) verabschiedet, um zu beurteilen, welches das beste System für München ist. Ab Januar 2024 wurden in Solln, Schwanthalerhöhe, Allach, Schwabing-Mitte und im Lehel zusammen mit den dualen Systemen unterschiedliche Holsysteme (Wertstofftonne, Gelbe Tonne, Gelber Sack) getestet. Im Sommer 2025 hatten die Rathaus-Politiker der Einführung der Gelben Tonne zugestimmt

Die „Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung“ l– nebenbei: tolle Formulierung – laut AWM (Auszüge; bearbeitet):

• Die Gelben Säcke im Lehel wurden sehr schlecht angenommen, was zu niedrigeren Pro-Kopf-Mengen als bei den derzeitigen Wertstoffinseln geführt hat.

• Die Fehlwurfquoten (>falscher< Müll) in der Wertstofftonne sind höher als in der Gelben Tonne.

• In Kleintonnengebieten (Einfamilienhäuser) werden grundsätzlich mehr Mengen erfasst als im Geschosswohnungsbau (Mehrfamilienhäuser).

• Die Fehlwurfquote ist im Geschosswohnungsbau höher als in Kleintonnengebieten.

• Die Stellplatzmöglichkeiten für zusätzliche Tonne(n) sind im Kleintonnengebiet wesentlich besser als in den Geschosswohnungsgebieten, wo es oft an Platz mangelt.

• Die ökologische Betrachtung zeigt, dass die Einführung der Gelben Tonne die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren wird.

• Die Systeme Gelbe Tonne und Wertstofftonne sind klimafreundlicher als das Depotcontainersystem, wobei eine höhere Erfassungsquote und ein verbessertes Recycling von Leichtverpackungen entscheidend für eine bessere Umweltbilanz sind.

Kurzum: Was in vielen anderen deutschen Städten und Gemeinden seit Jahren, ja Jahrzehnten, Praxis ist – dazu brauchte es in München einen langwierigen „Pilotversuch“. Ein Rückgriff auf Erfahrungen genannter Kommunen? Wem dem auch sei.

Verantwortung: Verwaltungsfachwirt Dieter Reiter (SPD), von Mai 2014 bis Ende April 2026, also zwölf Jahre lang als Oberbürgermeister für München verantwortlich, hat die Umweltumstände nicht erkannt. In Reiters Amtszeit wurden übrigens kolportierte 10 000 neue Stellen geschaffen. Und: 2014 lagen die Schulden bei rund 900 Millionen Euro. Ende 2026 werden es gemäß Kämmerei etwa zehn Milliarden Euro sein. Nun denn!

Bürgermeisterin Verena Dietl präsentierte die Gelbe Tonne auf dem Marienplatz.   Foto: Michael Nagy, Presseamt Stadt München