Per einstimmigen Beschluss bittet der Bezirksausschuss auf Antrag der CSU-Lokalpolitiker Florian Ring und Martin Baumgartner das Kulturreferat, das bestehende Informations- und Vermittlungsangebot zur Zeit des Nationalsozialismus für den Nordosten zu erweitern und zu ergänzen. Die vorgeschlagenen Orte und Themen sollen in den KulturGeschichtsPfad des Kulturreferats aufgenommen werden wie auch in der analogen Broschürenreihe und in den digitalen Anwendungen der Stadt. Als Ausgangspunkt für eine Erweiterung schlägt das Kommunalparlament vor:

► Orte und Achsen • Achse Prinzregentenplatz – Bogenhausen – Riem – Flughafen München-Riem mit Bezug zum KZ-Außenlager Riem und zur Zwangsarbeit auf dem Flughafengelände • Alter Bahndamm von Oberföhring in Richtung Feldkirchen, gebaut von Zwangsarbeitern; ein sichtbares Zeugnis, das nach einer Tafel und einer Station in der digitalen Karte verlangt.

► Themen und Lebensbereiche • Alltag und Mangel: sich stetig verschlechternde Versorgungslage, Bezugsscheine, das langsame Verschwinden des Selbstverständlichen aus Küche, Werkstatt und Schule.

• Von der Machtergreifung 1933 bis zum Kriegsbeginn 1939: wie sich Nachbarschaft, Vereinsleben, Pfarrei und Schule verändern, wenn Recht durch Willkür ersetzt wird.

• Für viele Münchnerinnen und Münchner im Nordosten war der Luftschutzraum in den Nächten des Bombenkriegs der eigentliche Wohnraum: Fremde Schulter an Schulter, stickige Luft, schwaches Licht, über allem das Dröhnen der Flugzeugmotoren, das Knallen der Flugabwehr und die Frage, ob die Wohnung, Freunde und Verwandte unversehrt geblieben sind. Diese Enge und die ununterbrochene Angst haben eine ganze Generation geprägt und in den Familien nachgewirkt. Die noch erhaltenen Bunker und Luftschutzanlagen im Nordosten sollen daher als Stationen in das erweiterte Angebot im Geschichtslehrpfad aufgenommen werten.

• Kriegs- und Nachkriegszeit im Nordosten und deren Nachwirkungen in den folgenden Jahrzehnten bei den Themen Wohnungsnot, Vertreibung, Wiederaufbau, das Schweigen in den Familien.

• Raum für Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und deren Überlieferungen, einschließlich schriftlicher und audiovisueller Aufzeichnung, solange dies noch möglich ist.

► Der Bezirksausschuss bittet um • Aufnahme in den KulturGeschichtsPfad in analoger Form als eigenständige oder erweiterte Broschüre gegebenenfalls für den Nordosten, mit Karten, Kurztexten, historischen Fotografien und Literaturhinweisen.

• Aufnahme in die digitalen Angebote der Stadt insbesondere in die Web-App „Erinnerungszeichen“ mit kartenbasierter Darstellung der neuen Stationen, Audio- und Bildmaterial sowie mehrsprachiger Fassung.

• Verankerung in der Bildungsarbeit durch abrufbare Materialien für Schulen, Pfarreien, Vereine und Volkshochschule, damit die neuen Stationen nicht als touristisches Zusatzangebot, sondern als Werkzeug der politischen Bildung im Stadtteil wirken.

► Begründung: Wer aus der Geschichte lernen will, muss ihr im Wortsinn begegnen können. Nicht nur im Geschichtsbuch, sondern auf dem Weg zur Arbeit oder Freizeit. In einer Zeit, in der demokratiefeindliche Parteien Zulauf finden, ist es kein Luxus, sondern eine Pflicht der Stadt, den Bürgern an konkreten, wenige Gehminuten entfernten Orten in Erinnerung zu rufen, wohin ein anderer Weg schon einmal geführt hat. Nicht jede Alternative ist eine bessere Wahl; nicht jede Veränderung ist ein Fortschritt. Auf der einen Seite stehen Rechtsstaat, freie Wahlen, Meinungs- und Pressefreiheit. Auf der anderen Seite standen Diktatur, Willkür, Bedrohung, Einschüchterung und der Verlust der Freiheit im eigenen Haus. Der Unterschied lässt sich an historischen Orten zeigen.

Der bestehende „Themen-Geschichts-Pfad“ des Kulturreferats führt in bewährter Form vom Marienplatz über den Odeonsplatz und die Brienner Straße zum Königsplatz. Die stadtteilbezogenen KulturGeschichtsPfade und die Web-App „Erinnerungszeichen“ des Kulturreferats sowie die App „Sites in Mind“ des NS-Dokumentationszentrums bilden bereits ein tragfähiges Grundgerüst.

Für die Stadtbezirke im Nordosten fehlt es jedoch an einer geschlossenen, gut auffindbaren Darstellung. Diese Lücke ist nicht historisch begründet, sondern sie ist redaktionellen Ursprungs. Wer weiß, was an seiner Straße, in seinem Stadtviertel geschehen ist, wählt anders, spricht anders und genau darum geht es.

Das bestehende Informationsangebot zur Zeit des Nationalsozialismus für den Nordosten soll erweitert und ergänzt sowie unter anderem in die Broschüre KulturGeschichtsPfad aufgenommen werden wie beispielsweise der Schutzbunker in der Zahnbrechersiedlung.    Foto: BA-Antrag / Privat