Überschrift eines Beschwerdebriefs an den Bezirksausschuss: „30 Jahre Lärmbelästigung durch das Corps Bavaria in der Rauchstraße.“ Der Text stammt von einem jungen Mann, der selbst noch studiert („ich bin studentischem Zusammenleben und geselligen Anlässen grundsätzlich aufgeschlossen“), der und dessen Familie direkt gegenüber dem Haus des Corps Bavaria wohnt.

Laut den Angaben war es in den vergangenen 20 Monaten zu 72 Vorfällen – die Ruhestörungen treten überwiegend zwischen 23 und 4 Uhr auf – gekommen, die Polizei sei wiederholt vor Ort gewesen. Dem Kommunalparlament, der Polizeiinspektion 22 und Vertretern von AKIM, dem Allparteilichen Konfliktmanagement in München, das vor 15 Jahren einen Vermittlungsversuch unternommen hatte, ist die Burschenschaft zur Genüge bekannt.

Gleichwohl besteht dieselbe Problematik nach wie vor: Nächtliche Ruhestörungen durch laute Musik, Gesänge, grölende Personen und Feiern, die weit über die gesetzlichen Ruhezeiten hinausgehen. Dazu Erbrechen und Urinieren vor den Anwesen und „tagsüber wiederholt ungebührliches Verhalten uns Nachbarn gegenüber“, so der Anlieger, der „seit Januar 2025 ein detailliertes Lärmprotokoll führt.“

Auszüge aus dem Schreiben / dem Protokoll (Anm.: redaktionell bearbeitet): „Besonders eindrücklich war die Nacht vom 25. auf den 26. April, in der trotz mehrfacher telefonischer Bitte um Schließung der Haustür und Auflösung der Menschenmenge auf der Straße keine Reaktion erfolgte; mindestens 20 Fahrzeuge mit Gästen waren vorgefahren.

Besorgniserregend war der Abend des 8. Juli: Im Rahmen einer Veranstaltung kam es auf der Straße zu lautstarken verbalen Beleidigungen und Tätlichkeiten zwischen Gästen. Vier Streifenwagen der Polizei rückten aus; ein Beamter bestätigte, dass der Polizei die wiederkehrenden Probleme bekannt seien. Dieser Vorfall zeigt aus meiner Sicht, dass es längst nicht mehr nur um gelegentliche Lärmbelästigung geht, sondern zunehmend auch um die Sicherheit im öffentlichen Raum.

In der Nacht vom 5. auf den 6. August schritten Beamte der PI 22 binnen weniger Stunden gleich zweimal ein wegen lauter Musik und Gesprächen bei offenem Fenster; in der Nacht vom 29. auf den 30. August musste erneut eine Streife gerufen werden.“

Der Student erklärte: „Die Häufigkeit und die Intensität der Störungen überschreitet deutlich das zumutbare Maß. Die gesetzlichen Ruhezeiten werden wiederholt verletzt. Eine nachhaltige Lösung ist aus meiner Sicht nur mit Unterstützung der Stadt möglich, wobei ich eine einvernehmliche, dauerhafte Lösung bevorzuge.“

Beschluss des Stadtteilgremiums: Die Betroffenen werden gebeten, die Vorfälle weiterhin zu dokumentieren. Aufgrund der Lage in einem Wohn- bzw. Mischgebiet sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen näher geprüft werden. Ein erneuter Austausch mit AKIM und der Polizei soll erfolgen.

Die Jugendstilvilla des Corps Bavaria in der Rauchstraße 17 in Altbogenhausen. Archivfoto: ikb