Zamilasee: Kloake oder eine Oase?

22.04.2015

Kippt der Zamilasee erneut um? Mitte Februar waren die Sanierungsarbeiten der Kloake been­det, das Wasser war wieder glasklar. Doch innerhalb weniger Wochen änderte sich der Zustand radikal: scheußliche Algenmassen hatten sich gebildet. Der Schlamm wurde von Mitarbeitern des Baureferats / Garten mehrmals abgefischt, doch nach drei Tagen schwammen an den Uferrändern schon wieder dicke Algenteppiche.

Der Zamilasee kurz nach der Sanierung: Dicke Algenmassen bedecken das Gewässer. Foto: Privat

Der Zamilasee kurz nach der Sanierung: Dicke Algenmassen bedecken das Gewässer. Foto: Privat

Angesichts der ekelhaften giftgrünen Gegebenheit fragte im Bezirksausschuss (BA) Kilian Mentner (CSU) in einem Dinglichkeitsantrag: „Der Zamilasee – eine unendliche Kloake?“

Er forderte vom Baureferat, Abteilung Gartenbau, „unverzüglich geeignete Maßnahmen einzuleiten, um ein erneutes Umkippen des Gewässers auf Grund massiven Algenwachstums zu verhindern.“
Der Lokalpolitiker hatte in der Begründung angeführt, dass „der Verdacht „eines Sanierungs­pfusches sowie einer Steuergeldverschwendung nahe liegt.“

Deshalb lehnte die SPD-Faktion die mehrheitlich befürwortete Forderung ab. Unverständlich die Aussage nach der Abstimmung von Fraktionssprecherin Karin Vetterle: „Wir haben nicht gegen den Inhalt gestimmt.“

Die Vorgeschichte: Im vergangenen Herbst war der See einmal mehr extrem verdreckt, war überwiegend eine stinkende Brühe, ja eine Kloake. Anwohner Mentner hatte daher im Oktober im Kommunalparlament die auch vom Baureferat vorgesehene Sanierung beantragt.

Der Initiator hatte seinerzeit angeführt, dass „durch die exzessive Fütterung von Vögeln, Enten, Gänsen und Fischen“ der See dringend sanierungsbedürftig sei. Denn durch die vermehrte Kotaus­scheidung der Tiere hatte das Wasser zu viele Nährstoffe enthalten, hatte das Gewässer zu viel Biomasse und war der Sauerstoffgehalt kontinuierlich gesunken. Kurzum: Die Düngerwirkung hatte zu verstärktem Algenwachstum geführt. „Der See ist umgekippt, das ist für jeden ersichtlich“, so der Ortspolitiker. Diesem Fazit Mentners widersprach die Behörde: Der See sei noch nie umgekippt.

Bis Mitte Februar hatten Mitarbeiter des Baureferats den See vier Wochen lang im wahrsten Sinn des Wortes von Grund auf saniert. Für die Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten – die Kosten betragen laut Referats-Pressesprecherin Dagmar Rümenapf rund 200 000 Euro – musste der See abgefischt werden. Dann wurde die Brühe abgelassen und die Schlammschichten mit Schaufel­ladern entfernt und entsorgt. Diese Maßnahmen sind stets notwendig, um die Wasserqualität zu verbessern. In den ökologisch wertvollen Pflanzenbestand an den ufernahen Zonen des Sees war nicht eingegriffen worden.

Der Zamilasee kurz nach der Sanierung: Dicke Algenmassen bedecken das Gewässer. Foto: Privat

Der Zamilasee kurz nach der Sanierung: Dicke Algenmassen bedecken das Gewässer. Foto: Privat

„Es herrschten für wenige Wochen karibische Zustände mit türkisem Wasser. Nach kurzer Zeit begann jedoch ein ungebremstes Algenwachstum.

Es ist biologisches Grundwissen, dass ein übermäßiges Algenwachstum in kurzer Zeit zum Umkippen eines Gewässers mit anaeroben Verhältnissen und unerträglicher Geruchsbelästigung führt“, so Mentner im Stadtteilgremium.

Der von Bäumen, Büschen, Spazierwegen und einem Biergarten eingesäumte Zamilasee war bis Anfang April wieder ein Idyll. Das Wasser war sauber, stellenweise glasklar. Einige Tage später hatten sich aber wieder dicke Schlammmassen gebildet.

Das Baureferat erklärte dazu: An einigen Münchner Gewässern haben sich Grünalgen gebildet, die auch an der Oberfläche schwimmen. Es handelt sich um kleinere, eher flache Seen mit asphaltier­ter Sohle wie den Zamilasee. Durch die schlagartig einsetzenden frühsommerlichen Temperaturen erwärmte sich das Wasser sehr schnell und die natürlich im Wasser enthaltenen Algen konnten sich durch die bis zum Wassergrund guten Lichtverhältnisse – in Folge der Reinigung – und durch das gute Nährstoffangebot an sonnigen Tagen explosionsartig vermehren. Weiter heißt es:

Bezüglich der Nährstoffe regelt die Natur sich hier weitgehend selbst: Sobald die Wasserpflanzen zu wachsen beginnen, entsteht für die Algen eine Nährstoffkonkurrenz und das Algenwachstum geht naturgemäß stark zurück. Um „zumindest vorübergehend noch zusätzlich eine Verbesserung zu erreichen“, werden Algenteppiche „so weit wie möglich entfernt.“ Um die laut Mentner „stink­saueren Bürger“ aufzuklären, wurden inzwischen rund um den See Plakate mit der Überschrift „Warum ist unser See so grün?“ aufgehängt.

Ein Schwan putzt sich in der greislig-grünen Algenbrühe kurz nach der Sanierung des Zamilasees.

Ein Schwan putzt sich in der greislig-grünen Algenbrühe kurz nach der Sanierung des Zamilasees.

Mentner mutmaßte und kritisierte: „Bei der Sanierung wurde wohl nur der Stöpsel gezogen – altes Wasser raus, frisches Wasser rein. Wenn Hunde von dem Wasser trinken, kriegen sie Durchfall. Es sind bei der Sanierung nur die Symptome behandelt worden. Die Maßnahmen waren offensichtlich völlig unzureichend.

Die Frischwasserzufuhr muss verbessert werden. Das Hauptproblem ist ein fehlender Abfluss. Das riecht nach Steuergeldverschwendung.“ Robert Brannekämper, stellvertre­tender BA-Vorsitzender, konstatierte: „Wir erwarten, dass eine Sanierung nachhaltig ist. Es darf nicht nach ein paar Wochen wieder der alte Zustand herrschen.“

Es wird sich zeigen, ob die Natur das Problem wirklich regelt und so ein erneutes Umkippen des Zamilasees verhindert wird. Oder ob sich bei starkem Sonnenschein wieder eine Kloake und dann gar ein Moorsee bildet.

Alexander MihatschZamilasee: Kloake oder eine Oase?