Rudolf Diesel: Seine Spuren in Bogenhausen

10. September 2017

Kaum einer mag noch von Diesel, von Diesel-Software-Schummeleien, Diesel-Software-Updates und all den damit verbundenen Verwirrungen lesen oder hören. Aber kaum einer weiß, dass der 1858 in Paris geborene Motorenerfinder Rudolf Christian Karl Diesel eng mit Bogenhausen verbun­den ist. Ab Frühjahr 1901 lebte der unter mysteriösen Umständen 1913 verstorbene Ingenieur – die damalige Bezeichnung war Mechaniker – mit seiner Familie in einer hochherrschaftlichen Villa in Altbogenhausen.

Das von Architekt Max Littmann für Diesel erbaute Anwesen im neubarocken Stil an der Höchl­straße 2 ist fürwahr – auch heute noch – eine Traumvilla. Sie kostete das weltberühmte Technikgenie ein Vermögen. Allein für das mehr als 2000 Quadratmeter große Grundstück musste er an die >Heilmann’sche Immobiliengesellschaft< die für damalige Zeiten horrende Summe von 161 000 Mark bezahlen. Auch der Bau und die Einrichtung hatten enorm viel Geld verschlungen. Summa summarum sollen die Gesamtkosten fast 900 000 Mark betragen haben.

Der Aufwand ist aber kaum verwunderlich. Diesel – er hatte an der heutigen Technischen Universi­tät München studiert – ließ beispielsweise doppelte Grundmauern einbauen, um Feuchtigkeit abzuhalten. Auch Doppelfenster mit mechanischer Kopplung wurden installiert, so dass sich beide Fenster gleichzeitig bewegen ließen. Den Memoiren seines Sohnes Eugen – ein 1970 in Rosen­heim verstorbener Schriftsteller – zu Folge bildete eine über zwei Etagen hohe Halle mit breiter Treppe und mit umlaufender Galerie das Entrée des Gebäudes.

In dieser Villa, Blick von der Maria-Theresia-Straße, wohnte von 1901 bis zu seinem Tod 1913 Rudolf Diesel.    Foto: hgb

In dieser Villa, Blick von der Maria-Theresia-Straße, wohnte von 1901 bis zu seinem Tod 1913 Rudolf Diesel. Foto: hgb

All der Prunk – fünf Badezimmer, ein mahagonigetäfeltes Esszimmer, exklusive Einrichtungen und vieles anderes mehr – sowie Patenstreitereien, diverse falsche Investments, Personal- und Heiz­kosten, Geld für Feste und dergleichen trieben Diesel letztendlich in den finanziellen Ruin.

Sein Tod ist bis dato ungeklärt. Diesel wurde am 29. September 1913 auf der Fahrt nach England an Bord eines Postdampfers vermisst. Historiker nehmen an, dass er sich ins Wasser gestürzt hat. In der Bekleidung einer später gefundenen Männerleiche waren Gegenstände gefunden worden, die von Eugen Diesel als seinem Vater gehörend identifiziert worden waren.

– Titelbild: hgb –

Alexander MihatschRudolf Diesel: Seine Spuren in Bogenhausen