Notfallpädagogik: „Erste Hilfe für die Seele“

12. März 2021

Notfallpädagogik: „Erste Hilfe für die Seele“

Die „Ambulanz für Notfallpädagogik München – Tessin gGmbH“ (Anm. d. Red.: g steht für gemeinnützig), gegründet 2019, hat ihren Sitz in Alt-Bogenhausen, in der Possartstraße 33. Das war Anlass für eine Vorstellung bei einer Video-Konferenz im Untergremium Bildung und Sport. Vorweg: Sinn und Zweck der Ambulanz ist die Unterstützung von traumatisierten Kindern. Das Kommunalparlament vertagte die Angelegenheit in die April-Tagung des Unterausschusses: „Die Mitglieder sollen sich Gedanken machen, wie der Bezirksausschuss das unterstützen kann.“

Pressesprecher Georg Rodenbach zum Hintergrund:

„Traumatische Erlebnisse unter Kindern und Jugendlichen nehmen stark zu. War vor Corona jedes fünfte Kind auffällig, ist es jetzt bereits jedes dritte Kind, wobei Mädchen einen Anteil von 57 Prozent haben. Ein gewaltiger Schub. Die bestehenden Systeme können die Betreuung der vielen „Fälle“ in diesem schwierigen Feld nicht mehr leisten. Deshalb sind wir aktiv geworden.“

„Wir“ – das sind in der Ambulanz gemäß Vorlagen neben Rodenbach Geschäftsführer Stephan Weber, Heilpädagogin Susanne Weber und Wildnispädagogin Monika Fürmetz. In einem Flyer wird unter den Stichworten Angst, Bedrohung, Einsamkeit, Überforderung und Gewalt erklärt:

„Traumatische Erlebnisse haben viele Gesichter. Oft werden sie vielleicht erst einmal gar nicht so schlimm erlebt. Erst die Veränderungen im Lebensgefühl, den Reaktionen und den Handlungsmöglichkeiten künden Veränderungen an, die mit einem Ereignis im Zusammenhang stehen. Das kann ausgelöst sein durch einen Arztbesuch, als Zeuge eine Unfalls, einem Schulereignis, dem cholerischen Wutausbruch des Vaters oder aber auch erlebte Gewalt, Missbrauch in jeglicher Form sowie durch Krieg, Vertreibung oder Naturkatastrophen.“

Grafik: Notfallpädagogik München

Auf Nachfrage eines Lokalpolitikers erläutert der Sprecher das Beispiel „Wutausbruch“:

„Eine Frau ist schwanger, es kommt zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit dem Ehemann. Das Ungeborene nimmt das an.“ Die Auswirkungen können schwerwiegend sein. Deshalb: In der Ambulanz für Notfallpädagogik werden Betroffene, auch Geschwister, Mütter und Väter, darin unterstützt, die Folgen von außerordentlichen Erlebnissen zu überwinden. Das kann ein dramatisches Erlebnis wie ein Unfall oder die Begegnung mit dem Tod sein, aber beispielsweise auch schon ein Zahnarztbesuch sein.

Kurzum: Für eine seelische Wunde trifft dasselbe wie bei einer körperlichen Verletzung zu: Wird sie sofort versorgt, wird einer eventuellen Infektion vorgebeugt, sind die Heilungschancen besser. Deshalb setzt Notfallpädagogik, so Rodenbach, in der akuten Schockphase der ersten Stunden oder in den ersten Wochen nach einem traumatischen Ereignis bei Kindern und Jugendlichen an. In dieser Frühphase entscheidet sich, ob die Stresserfahrungen eigenständig bewältigt werden können, oder ob sich eine Folgestörung entwickeln wird.

„Erste Hilfe für die Seele“ basierend auf der Waldorf-Pädagogik gibt’s über die Corona-Krise-Hotline unter 0800 / 222 66 22; Kontaktaufnahme 0151 / 73 00 90 08; E-Mail: hilfe@nfp-muc.org; Informationen: www.nfp-muc.org.

 

 

Fabian EwaldNotfallpädagogik: „Erste Hilfe für die Seele“