Arabellapark: „Eklatante Verstöße“

„Die Landeshauptstadt wird aufgefordert, gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum im Arabella­park, insbesondere in der Elektrastraße, die notwendigen Maßnahmen unverzüglich zu ergreifen.“ Diesen Dringlichkeitsantrag der CSU-Fraktion verabschiedeten die Mitglieder des Bezirksausschus­ses (BA) jetzt einstimmig.

Initiator Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter, BA-Vize und Vorsitzender des Untergremi­ums Planung, in seiner Begründung: „Die Wohnanlagen Elektrastraße 8 bis 26a wurde im Rahmen des Bebauungsplans 1270 von der Landeshauptstadt errichtet. Die betreffenden Gebäude befinden sich in einem reinen Wohngebiet. Ausnahmenutzungen sind laut § 6 im Bebauungsplantext aus­drücklich ausgeschlossen.“

Weiter führt der CSU-Mann an: „Es besteht der dringende Verdacht, dass Wohnungen dort teilweise weiter- bzw. untervermietet werden – ein Verstoß gegen die zulässige Nutzung. Die städtischen Referate, federführend das Sozialreferat, werden daher aufgefordert, diese eklatanten Verstöße gegen die Zweckentfremdungsverordnung mit allen ihnen zu Gebote stehenden Möglich­keiten und Geldbußen bis zu 50 000 Euro zu ahnden.“

Die Umstände sind in mehreren Münchner Quartieren hinlänglich bekannt. Immer mehr Medizintou­risten aus dem arabischen Raum, überwiegend aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), mieten sich in Wohnungen ein, statt – wie vor circa zehn Jahren stets noch Praxis – in Hotels.

Das grundsätzliche Problem: Die Besucher sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Kassen der Stadt klingeln, wenn sie sich in den defizitären Krankenhäusern behandeln lassen. Auch private Kliniken, Praxen und Reha-Einrichtungen unterschiedlichster Art profitieren in ganz Bayern von den zahlungskräftigen Patienten. Ebenso Geschäfte und Boutiquen, vor allem in der City, wo begleitende Familienangehörige und Freunde meist luxuriös einkaufen. Willkommen sind die Touristen auch in den (meisten) Hotels. Problematisch indes wird’s, wenn sie sich in „normale“ Wohnungen einquartieren. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sie darin heimische Gerichte kochen können, was in Hotel eben nicht möglich ist.

Ein arabischer Schneemann in einer Wohnanlage an der Elektrastraße im Arabellapark.

Ein arabischer Schneemann in einer Wohnanlage an der Elektrastraße im Arabellapark.

Araber wie auch Deutsche haben – vor allem im Arabellapark – im Medizintourismus eine Geschäftsidee erkannt und kassieren kräftig ab. Erstere kaufen Wohnungen, legen diese auch, wenn möglich, zu einer größeren Einheit zusammen, die aufwendig saniert und aufgemöbelt für einige Wochen untervermietet und/oder weitervermietet werden.
Auch heimische Besitzer vermieten ihre vier Wände an einen „Investor“, der dann weiter vermietet.

Die Einnahmen sprudeln.

Für eine Drei- bis Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung sind laut Aussagen von arabischen Gästen pro Tag zwischen 250 und 350 Euro fällig.
Eine rund 140 Quadratmeter große Wohnung mit Garten kostet ihnen zu Folge pauschal pro Monat 10 000 Euro.
Bei einer Zwei-Drittel-Auslastung amortisieren sich so die Kosten für Kauf und Modernisierung einschließlich der Aufwendungen für Betriebskosten in etwa zehn Jahren.

Sind die Gäste erst einmal da, beginnt meist der Ärger mit vielen Nachbarn. Die Touristen aus Abu Dhabi und anderen Städten aus den zehn Millionen Einwohner zählenden Vereinigten Arabischen Emiraten – das Generalkonsulat des Landes befindet sich übrigens in der Lohengrinstraße – ignorieren die Ruhezeiten und nahe sämtliche hier bekannten Verhaltensregeln. Selbst eine ins Arabische übersetzte Hausordnung wird nicht beachtet.

Dröhnende Fernseher bei geöffneten wie auch bei geschlossenen Fenstern und Balkontüren, lautstarke „Unterhaltungen“ und Smartphone-Gespräche in Brüllstärke in den Wohnungen und im Freien, knallend zugeschlagene Eingangstüren, tobende und trampelnde Kinder und Jugendliche, Feiern bis in die frühen Morgenstunden, Möbelrücken, stinkende Mülltüten vor der Wohnungstür oder einfach auf den Boden geworfener Abfall vor den Müllcontainern in den Kellern und gerade in den Wintermonaten verschmutzte Hauseingänge sowie Augzüge durch das permanente Kommen und Gehen der Anonymen sind alltäglich, führen immer wieder zu Streitereien.

Am schlimmsten sind für die Anwohner die süßlich-orientalisch-arabischen Düfte, die tags wie nachts aus den Wohnungen der Kurzzeitmieter in Hausflure, Aufzüge, Nachbarwohnungen, ja bis in die Keller und die Tiefgaragen dringen. Intensivste Weihrauchdämpfe und Geruchssprays verursachen bei vielen Atemnot, Husten- und Brechreiz. In den Fahrstühlen ist der mit scharf riechenden Parfümen vermischte „Dampf“ teils derart penetrant, dass immer mehr Hausbewohner den Aufzug zum „Auslüften“ in den Keller schicken und sie das Treppenhaus nutzen. Selbst Balkone sind wegen der reizenden Substanzen nur mehr eingeschränkt nutzbar.

All das wiederholt sich in schöner Regelmäßigkeit, denn es handelt sich ja um Kurzzeitnachbarn. Verständigt man beispielsweise wegen des Lärms die Polizei, herrscht für kurze Zeit Ruhe. Anderntags ist wieder alles beim Alten oder die nächsten Mieter stehen vor der Tür – mit riesigen Rollkoffern, großen Kartons und sogar eingerollten Teppichen. Persönliche Beschwerden und Ansprachen sind meist sinnlos. Die Medizintouristen verstehen meist nicht, worum es überhaupt geht. Oder sie wollen es nicht verstehen. Und von einer Frau lassen sich die arabischen Herren schon gleich gar nichts sagen.

Immer mehr Medizintouristen mieten sich in den Wohnungen der Gebäude an der Elektrastraße im Arabellapark ein.

Immer mehr Medizintouristen mieten sich in den Wohnungen der Gebäude an der Elektrastraße im Arabellapark ein.

Alexander MihatschArabellapark: „Eklatante Verstöße“