BVK-Zentrale: Stadt billigt Wolkenkratzer

13. Oktober 2021

BVK-Zentrale: Stadt billigt Wolkenkratzer

Zwei Wolkenkratzer, 96 und 60 Meter hoch mit 25 und 16 Stockwerken, verbunden durch ei­nen 50 Meter hohen und etwa 100 Meter langen Riegel mit 13 Stockwerken – dieser dreiteilige Komplex in Holz-Hybrid-Bauweise wird die neue Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) auf dem ehemaligen, 20 000 Quadratmeter großen Siemens-Areal an der Richard-Strauss-Straße 76. Es ist das größte Bauvorhaben im Stadtbezirk in den kommenden Jahren. Der Aus­schuss für Stadtplanung und Bauordnung des Stadtrats hat die Pläne – entworfen vom Starar­chitekten David Chipperfield – jetzt gebilligt. Gleichwohl: Fragen bleiben!

In den Hochhäusern auf dem Bogenhauser Filetgrundstück fasst die BVK (rund 2,3 Millionen Versi­cherte, Kapitalanlagevolumen etwa 90 Milliarden Euro) ihre bestehenden Standorte im Arabellapark zusammen und schafft zusätzlichen Platz für weitere Mitarbeiter – in den kommenden Jahren ist ein deutlicher Zuwachs der Belegschaft geplant.

Die Bewertung des Großprojekts durch die Ausschuss-Mitglieder: „Ein wesentliches Entwurfs­element ist das geplante >Gebäudetor<, das einen Blick und Durchgang ins Grün des dahinterlie­genden Denninger Angers ermöglicht. Durch eine geschickte Anordnung der Bauten bleibt zudem Platz für zwei neue begrünte Platzflächen.“

Die neue BVK-Zentrale mit dem 96 Meter hohen Bürosilo und dem seitlichen Verbindungsbau (das zweite Hochhaus ist dadurch verdeckt). Visualisierung: © David Chipperfield Architects

Und weiter: „Die Gebäude, die flexible und ökonomische Grundrisse erhalten sollen und in un­mittelbarer Nähe des U-Bahnhofs liegen, sind ganz bewusst so konzipiert, dass sie das benachbar­te Hypo-Hochhaus (114 Meter hoch) nicht überragen. Die im Erdgeschoss sowie in der obersten Etage des höchsten Turms vorgesehene Gastronomie soll allen Bürgern offenstehen. Für die BVK-Mitarbeiter gibt es diverse Angebote wie Kantinen- und Sportbereiche sowie eine Kindertages­stätte. Auf dem >Scheibenhochhaus< ist ein Dachgarten für die Beschäftigten geplant.“

Als nächster Verfahrensschritt ist die Auslegung gemäß Baugesetzbuch vorgesehen. Während der öffentlichen Auslegung können Stellungnahmen zum Bebauungsplanentwurf abgegeben wer­den.“ Einwände sind absehbar. Das Zeitfenster für den Bauablauf, nachdem der Abriss der Sie­mens-Gebäude inzwischen erfolgt ist: Ab November 2021 soll betoniert werden, im Oktober 2024 soll das Ensemble fertig sein.

Der Knackpunkt des Projekts ist der Verkehr. Dazu die Stadt: „Die erforderlichen Stellplätze werden vollständig in einer Tiefgarage untergebracht. Um den Verkehrszuwachs zu reduzieren, wurde ein Mobilitätskonzept erarbeitet. Damit können die Anzahl der erforderlichen Stellplätze so­wie der Autoverkehr insgesamt reduziert werden.

Zum Stichwort Mobilitätskonzept: Zu den derzeit mehr als 1300 Beschäftigten plus weiteren rund 500 neuen Mitarbeitern in den Folgejahren kommen nach BVK-Angaben rund ein Drittel zu Fuß oder mit dem Fahrrad, rund ein Drittel mit der U-Bahn oder dem Bus und ungefähr ein Drittel mit dem Auto zur Arbeit.

Das „Gebäudetor“ an der Richard-Strauss-Straße 76 mit Blick und Durchgang ins Grün des Denninger Angers. Visualisierung: © David Chipperfield Architects

Vorstandsvorsitzender Daniel Just erwartet, dass mindestens 25 Prozent der bis 2024 kalkulierten knapp 1400 Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten nutzen und zu Hause arbeiten, Stichwort Home Office. Diese 25 Prozent von der Zahl 1400 abgezogen und vom Ergebnis ein Drittel genommen ergibt bis zu 350 Mitarbeiter, die mit dem Auto kommen. Und dafür gibt’s 800 Tiefgaragenplätze. Wie passt das zusammen? Büroflächen werden nämlich vermietet. Besagte rund 500 neue Beschäftigte zu den 350 BVK-Mitarbeitern addiert – die Stellplatzrechnung passt in etwa.

Und was wird aus den BVK-Bestandsgebäuden an der Denninger- und an der Arabellastraße? Im Februar hatte der Bezirksausschuss in einem einstimmig verabschiedeten CSU-Antrag von der Stadt gefordert, „die bisherige Planung für den Neubau aufzugeben“ und „mindestens 60 bis 70 Prozent der Fläche als Wohnraum“ auszuweisen. Den Beschluss hatte seinerzeit Fraktions­sprecher Xaver Finkenzeller kommentiert: „Es kann nicht sein, dass man diesen Standort mit Büros zuballert. Wir haben nichts gegen Büros, aber wir haben in Bogenhausen und München ein Problem – nämlich fehlenden Wohnraum“. Eine Antwort der Stadt dazu steht bis dato aus.

CSU-Landtagsabgeordneter Robert Brannekämper, in einem Offenen Brief an OB Dieter Reiter: „Nicht berücksichtigt ist die vom Vorstandsvorsitzenden ursprünglich mir gegenüber zugesagte Umwandlung der alten Bürostandorte in Wohnraum, die angesichts der wachsenden Belegschaft dringend notwendig ist. Hier gibt es bislang nur eine vage Absichtserklärung der Versorgungskam­mer, aber keine konkreten Zusagen hinsichtlich einer Umwandlung.“ Eine Antwort von Reiter?

Fabian EwaldBVK-Zentrale: Stadt billigt Wolkenkratzer