Es ist eine Entwicklung, die ich in den vergangenen Wochen unmittelbar vor meiner Haustür beobachtet habe: Der Hüllgraben in Daglfing – einschließlich seines naturnahen Seitenarms am Riemer Feld – trocknet sichtbar aus. Der Wasserstand ist dramatisch gesunken.“ Mit diesen Angaben hatte sich ein Daglfinger besorgt an den Bezirksausschuss gewandt. Die Lokalpolitiker kannten das Problem, die Mail des Bürgers wurde an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und an das Referat für Umwelt und Klimaschutz weitergeleitet mit der Bitte um eine Rückantwort.

Der Anlieger in seinem Schreiben: „Als einziges oberirdisches Fließgewässer im Münchner Nordosten östlich der Isar ist der Hüllgraben ökologisch von besonderer Bedeutung. Er grenzt unmittelbar an das Johanneskirchener Moos, einen Teil des Münchner Grüngürtels und Ausläufer des Erdinger Mooses, in dem sich entlang des Hüllgrabens zahlreiche schützenswerte Biotope mit seltenen Tier- und Pflanzenarten gebildet haben.“

Und weiter: „Ich mache mir ernsthafte Sorgen über ► die unmittelbaren Folgen für die Tierwelt im Schutzgebiet bei anhaltender Trockenheit, ► den weiteren Grundwasserabfall im gesamten Nordosten, ► die Auswirkungen der laufenden und geplanten Großbauprojekte auf diesen sensiblen Wasserhaushalt -– insbesondere das Planfeststellungsverfahren der DB InfraGO für die Daglfinger und Truderinger Kurve (DTK), das eine großräumige Verlegung des Hüllgrabens auf etwa fünf Kilometern Länge vorsieht, sowie die Planungen für das Zukunftsquartier (SEM Nordost)s auf mehr als 600 Hektar unmittelbar östlich von Daglfing, einschließlich des geplanten Olympischen Dorfs.

Der Mann wünscht eine Stellungnahme, welche verbindlichen Schutzauflagen für den Hüllgraben und das Johanneskirchener Moos im Rahmen der Planfeststellung DTK sowie der SEM Nordost / Olympia-Planung festgelegt wurden. Und Auskunft darüber, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) mit unabhängiger ökologischer Begleitung durchgeführt wird und wie Bürger Einsicht nehmen können.

So sieht der Normalzustand des Hüllgrabens aus. Bedingt durch die Hitze in den vergangenen Wochen ist Wasserstand dramatisch gesunken, der Bach trocknet sichtbar aus.   Foto: hgb