Quadratisch, praktisch, wirtschaftlich – ja. Aber: Passend zum Kern von Bogenhausen? Passend in die Umgebung? Eher nicht. Die neue Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) an der Richard-Strauss-Straße auf dem einstigen 20 000 Quadratmeter großen Siemens-Gelände – die Türme sind inzwischen klar erkennbar – wirken wie ein Fremdkörper. Eben Klotz plus Klotz plus Zwischenriegel mit mehr als 75 000 Quadratmeter Büro- und Gastronomiemietfläche.

Die Skepsis von vielen Lokalpolitikern (ebenso von unser-bogenhausen.de) angesichts der Masse, der Höhe, der Optik bestätigt sich. Und auch im Hinblick auf den Fakt, dass in München aktuell rund 1,8 Millionen (!) Quadratmeter Büroflächen leer stehen.

Visualisierungen von Stararchitekt David Chipperfield zeigen, wie der Komplex und die Fassade – der Einzug in „Tridea,“ kreiert aus „Trio am Denninger Anger“, ist für Mai 2028 geplant – aussehen soll. Hellbeige oder sandfarbene Fassaden, von Grün umrahmt. Wie’s wirklich ausschaut:

Tafel an der Denninger Straße auf dem Areal des Bürotrakts „arabeska“, der der Versorgungskammer gehört: „Errichtung eines begehbaren Fassadenmockups für das Projekt RS76 (Anm. d. Red.: steht für Richard-Strauss-Straße 76). Zweck des Bauwerks ist die Bemusterung der wichtigsten gestaltprägenden Bauteile der Fassade und einzelner Elemente des Innenausbaus.“

Mockup, eine „Attrappe“, um Design und / oder (Teil-) Funktionen eines geplanten oder bereits eingeführten Produkts zu demonstrieren. Kurz: ein Anschauungsmodell. Visualisierungen versus Mockup – die Farbtönungen – hellbeige versus graugrün – können konträrer nicht sein.

Tower im Bau: Graugrün wie das Mockup. Hell sind nur mehr die beiden obersten Stockwerke – ohne Fenster …

Angesichts des Volumens der Baukörper fragt man sich unwillkürlich: Wie konnte die Stadt, die Stadtgestaltungskommission das alles durchwinken? Wie konnte der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Stadtrats im Herbst 2021 die Pläne einstimmig billigen? Nebenbei: alles Büros, keine einzige Wohnung! Geht’s hier nur um Steuereinnahmen der Stadt?

Die Bewertung des Großprojekts durch die Ausschuss-Mitglieder: „Ein wesentliches Entwurfs­element ist das geplante >Gebäudetor<, das einen Blick und Durchgang ins Grün des dahinterlie­genden Denninger Angers ermöglicht. Durch eine geschickte Anordnung der Bauten bleibt zudem Platz für zwei neue begrünte Platzflächen.“

Und weiter: „Die Gebäude, die flexible und ökonomische Grundrisse erhalten sollen und in un­mittelbarer Nähe des U-Bahnhofs liegen, sind ganz bewusst so konzipiert, dass sie das benachbar­te Hypo-Hochhaus (114 Meter hoch, 27 Stockwerke) nicht überragen. Die im Erdgeschoss sowie in der obersten Etage des höchsten Turms vorgesehene Gastronomie soll allen Bürgern offenstehen. Für die Mitarbeiter gibt es Angebote wie Kantinen- und Sportbereiche sowie eine Kindertagesstätte. Auf dem >Scheibenhochhaus< ist ein Dachgarten für die Beschäftigten geplant.“

Zwei Wolkenkratzer, 96 und 60 Meter hoch mit 25 und 16 Stockwerken, verbunden durch ei­nen 50 Meter hohen und etwa 100 Meter langen Riegel mit 13 Stockwerken entstehen in Holz-Hybrid-Bauweise. Dazu rund 550 Stellplätze für Personenwagen, Fahrradgarage mit etwa 700 Stellplätzen (beide teils mit E-Ladestationen) und einem öffentlichen Zugang zwischen Wolkenkratzer und Riegel zum Denninger Anger. Ein Wumms-Komplex.

In den Hochhäusern fasst die BVK (Stand Januar 2026: rund 2,8 Millionen Versicherte, Kapitalanlagevolumen der zwölf Versorgungseinrichtungen 122 Milliarden Euro, 1720 Angestellte) ihre bestehenden Standorte im Arabellapark zusammen und schafft zusätzlichen Platz für weitere Mitarbeiter – in den kommenden Jahren ist ein Zuwachs der Belegschaft geplant.

Die neue (hellbeige) BVK-Zentrale mit dem 96 Meter hohen Bürosilo und dem seitlichen Verbindungsbau (das zweite Hochhaus ist dadurch verdeckt).      Visualisierung: © David Chipperfield Architects
 
Das (hellbeige) „Gebäudetor“ an der Richard-Strauss-Straße 76 mit Blick und Durchgang ins Grün des Denninger Angers.    Visualisierung: © David Chipperfield Architects
Mockup versus Visualisierungen – die Farbtönungen für die neue BVK-Zentrale können konträrer nicht sein.   Foto: hgb

Tower im Bau: Graugrün wie das Mockup. Hell sind nur mehr die beiden obersten Stockwerke – ohne Fenster.   Foto: hgb